Dorfregion-Projekt gescheitert  Aus für neuen Leezdorfer Dorfplatz

| | 29.02.2024 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Er bleibt wie er ist: Der Leezdorfer Dorfplatz wird nicht mehr umgestaltet. Foto: Thomas Dirks
Er bleibt wie er ist: Der Leezdorfer Dorfplatz wird nicht mehr umgestaltet. Foto: Thomas Dirks
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Nach anhaltender Kritik zieht die Politik in Leezdorf die Reißleine und kippt das Vorhaben. Die Bürgermeisterin nutzt dies zu einer kritischen Abrechnung.

Leezdorf - Aus der geplanten Neugestaltung des Dorfplatzes in Leezdorf wird nichts mehr. Das Vorhaben werde nicht mehr verwirklicht, teilte Bürgermeisterin Gisela Riesebeck (SPD) im Namen der SPD/Grüne-Ratsgruppe am Donnerstag mit. Zur Begründung verwies sie auf die anhaltende Kritik an dem Projekt und damit verbundene Änderungswünsche.

Neuerliche Anträge zur Umgestaltung des Dorfplatzes, die Öffentlichkeitsarbeit der daran politisch Beteiligten und veränderte Mehrheiten zeigten, dass eine „konstruktive Weiterentwicklung“ des Projektes im Rat der Gemeinde nicht möglich sei, schreibt Riesebeck. „Die SPD/Grüne-Gruppe sehe keine Möglichkeiten mehr, eine wohlwollende Mehrheit für die Umgestaltung des Dorfplatzes zu gewinnen“, heißt es.

„Politische Ränkespiele“

Trotz mehrfacher Anpassung der Planungen und entgegen der großen Zustimmung im Dezember, als neun von elf Gemeinderatsmitgliedern für das Konzept der Dorfplatzgestaltung stimmten, würden nun wieder Anpassungen gefordert, unter anderem von Personen, die die Planungen im Dezember noch ausdrücklich gelobt hatten, beklagt die Bürgermeisterin.

„Aus Sicht der SPD/Grüne-Gruppe ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, diese politischen Ränkespiele zu beenden, die in der Öffentlichkeit sicher nicht als Glanzleistung der politischen Entscheidungsfindung durch den Gemeinderat Leezdorf wahrgenommen werden“, heißt es in der Mitteilung. Das sei umso bedauerlicher, als dass das große Engagement von Bürgerinnen und Bürgern am Verhalten einiger Ratsmitglieder scheitere.

Der stellvertretende Leezdorfer Gemeindedirektor und Brookmerlander Bauamtsleiter Jochen Behrends erläuterte in der Ratssitzung im Dezember 2023 den neuen Dorfplatz-Plan. Foto: Thomas Dirks
Der stellvertretende Leezdorfer Gemeindedirektor und Brookmerlander Bauamtsleiter Jochen Behrends erläuterte in der Ratssitzung im Dezember 2023 den neuen Dorfplatz-Plan. Foto: Thomas Dirks

Das Projekt „Dorfplatz Leezdorf“ wurde bereits 2020 bei Aufstellung des Dorferneuerungsplanes für die Dorfregion Brookmerland entwickelt. In den sechs ersten großen Arbeitskreissitzungen wurden die Grundzüge des Projektes definiert. Anschließend wurde die Projektgruppe „Dorfplatz Leezdorf“ gegründet. In sieben Projektgruppen, Sitzungen und Ortsbegehungen entwickelten zahlreiche lokale Akteure aus Leezdorf und Umgebung das Konzept für den neuen Dorfplatz.

Förderquote von 90 Prozent

Der Antrag fand in allen Punkten den Zuspruch der zuständigen Behörde und erhielt vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems einen Förderbescheid mit einer hohen Förderquote von 90 Prozent. „Das besondere Engagement aller Beteiligten, die sich in ihrer Freizeit dafür eingesetzt haben, dass Leezdorf an Attraktivität gewinnt, werde durch das widersprüchliche Verhalten einiger Entscheidungsträger im Gemeinderat zunichte gemacht“, kritisiert Riesebeck. Dass gerade diese Entscheidungsträger immer wieder fordern, Bürgerinnen und Bürger noch mehr an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, wirke an dieser Stelle wie „eine Farce“.

Jann Wunder (von links), Johannes Hogelücht, Mario Toben und Günter Zart von der BWG/CDU-Gruppe drohten zeitweise damit, die Neugestaltung des Leezdorfer Dorfplatzes mit einem Bürgerbegehren zu stoppen. Foto: privat
Jann Wunder (von links), Johannes Hogelücht, Mario Toben und Günter Zart von der BWG/CDU-Gruppe drohten zeitweise damit, die Neugestaltung des Leezdorfer Dorfplatzes mit einem Bürgerbegehren zu stoppen. Foto: privat

Zur Erinnerung: Knapp 600.000 Euro sollte die Neugestaltung des Dorfplatzes in Leezdorf kosten.

Leezdorf verpasse die Chance, einen ganzjährigen Begegnungsort, eine zentrale Dorflinde, attraktive und inklusive Spielgeräte, eine Bühne und Ladesäulen für Elektroautos zu bekommen und dabei die vorhandene Pflasterung mit dem Unterbau zu sanieren und einzuebnen, heißt es. Mehr als 30 Jahre Beanspruchung durch Busse und schwere Fahrzeuge hätten sichtbare Spuren an der aktuellen Pflasterung hinterlassen.

Anlieger-Proteste

Auf Wunsch des Heimatvereins habe man sogar eine legale und damit förderungsfähige Zufahrt und Parkmöglichkeit für Touristenbusse gefunden. „Auch die ist nun wahrscheinlich dahin“, so Riesebeck. Zuletzt haben dagegen Anwohner des Sträkwegs gewettert, durch den die Busse fahren sollten (wir berichteten).

Heinrich Ubben (Moin-Gruppe) und Heidi Schmidt (bisher SPD), die inzwischen eine Fraktion bilden, lehnten den neuen Plan für die Dorfplatz-Neugestaltung im Dezember 2023 ab. Foto: Thomas Dirks
Heinrich Ubben (Moin-Gruppe) und Heidi Schmidt (bisher SPD), die inzwischen eine Fraktion bilden, lehnten den neuen Plan für die Dorfplatz-Neugestaltung im Dezember 2023 ab. Foto: Thomas Dirks

Die SPD/Grüne-Gruppe im Gemeinderat Leezdorf bedankt sich bei allen Bürgern, die am Projekt mitgearbeitet haben, für ihr Engagement. „Wir hätten uns einen anderen Ausgang gewünscht. Wir hoffen, dass auch weiterhin Projekte von und mit Bürgern entwickelt und diese dann zu einem besseren Ergebnis geführt werden können“, heißt es in der Mitteilung.

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