Osnabrück Knast für Krassnitzer: Was taugt der neue Tatort „Dein Verlust“ aus Wien?
Im neuen Wiener Tatort „Dein Verlust“ bricht zum 25-jährigen Jubiläum Eisners Welt zusammen. Filmriss. Mordverdacht. Knast. Warum dieser Tatort trotz einiger abgedroschener Klischees sehenswert bleibt.
60 Jahre – na und? Ausgelassen feiert Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) im Kreise seiner Freunde und Familie seinen runden Geburtstag. Kollegin Bibi (Adele Neuhauser) ist über sich selbst hinausgewachsen und hat eine Torte gebacken. Und sogar Tochter Claudia (nach sieben Jahren wieder dabei: Tanja Raunig) ist gekommen und hat ihren Freund Lukas (Julius Feldmeier) mitgebracht.
Aber irgendetwas stimmt nicht mit dem Geburtstagskind. „Ich schaffe es gar nicht mehr, so zu trinken wie früher“, stellt Moritz fest. Kurz danach sackt er, offensichtlich volltrunken, auf dem Sofa neben Bibi zusammen.
Die muss am nächsten Morgen erst einmal auf Moritz‘ Unterstützung im Mordfall an einem Nachtclubbesitzer verzichten. Das Opfer war in Wien bekannt wie ein bunter Hund. Der ehemalige Anwalt hatte einst nicht nur seine Lizenz wegen Mandantenverrat verloren. Er wurde auch mehrfach wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung verurteilt.
Kurz nachdem Moritz endlich schwer verkatert und mit einem achtkantigen Filmriss am Tatort eintrifft, kommt es für ihn doppelt und dreifach dicke. Erst wird er von einem Verdächtigen angeschossen. Dann tauchen Video- und DNA-Beweise auf, die belegen, dass Moritz zur Tatzeit am Tatort war. Und schließlich landet er im Knast. Allmählich wächst in Moritz die nackte Angst.
Auch wenn das Handlungsgerüst des neuen Wiener Tatort „Dein Verlust“ auf den ersten Blick ein wenig abgedroschen wirkt, erweist sich die im TV-Krimi etwas überstrapazierte Idee eines unter Mordverdacht stehenden Ermittlers am Ende immerhin als glaubwürdig konstruiert.
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Und der österreichischen Regisseurin Katharina Mückstein gelingt nach dem Drehbuch von Thomas Christian Eichtinger und Samuel R. Schultschik dann doch noch ein mehr als nur passabler Krimi.
Das liegt vor allen Dingen an der nächtlichen Hochglanzoptik (Kamera: Michael Schindegger), die dem Tatort einen ungewöhnlichen Reiz verleiht, der überdies von einem herausragenden Soundtrack (Musik: Karwan Marouf) getragen wird. Stimmungsvoll eingefangene Autofahrten im Neonlicht auf vor Nässe glänzenden Straßen, aber auch düstere Aufnahmen in geschlossenen Räumen kontrastieren dabei wirkungsvoll mit dem Innenleben der Charaktere.
Insbesondere die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren gerät im Verlauf der Handlung immer mehr in den Mittelpunkt. Moritz‘ Filmriss, auf den Bibi zunächst nur enttäuscht reagiert – schließlich sind sich die beiden auf der Feier ein kleines bisschen näher gekommen – weitet sich immer mehr zu einem Kontrollverlust aus und könnte ihn tatsächlich für den Rest seines Lebens in den Knast bringen. Auch für Bibi ein drohender Verlust, der sie an den Rand der Verzweiflung treibt.
Zum Glück kann sich Bibi an alten Akten abarbeiten, in denen der Schlüssel zu der ganzen geheimnisvollen Geschichte zu liegen scheint. Das alles mündet dann sogar in ein spannend inszeniertes Finale, das jedoch inhaltlich schwach ausfällt.
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Im echten Leben gehört Hauptdarsteller Krassnitzer übrigens zu jenen Menschen, die sich standhaft weigern, ihren eigenen Geburtstag zu feiern. Ganz einfach aus dem Grund, „weil ich nicht verstehe, was ich da zu feiern hätte“, wie er in einem ARD-Presseinterview sagt. „Und weil es mich in tiefe Verlegenheit bringen würde, stolze Rückschau zu halten. Dafür lebe ich zu sehr im Jetzt“. Der Wiener Tatort feiert übrigens gerade seinen 25. Geburtstag.
Der Tatort „Dein Verlust“ läuft am Sonntag, 10. März, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.