Nach Aus für Juniorinnen-Bundesliga  SpVg-Mädchen spielen bald gegen Jungs

| | 28.02.2024 12:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Letztes Jahr jubelten die Auricher B-Juniorinnen vor mehr als 3000 Zuschauern am Ellernfeld über den Einzug in das Finale um die Deutsche Meisterschaft. In diesem erlauchten Feld möchte der Verein im letzten Bundesliga-Jahr nicht fehlen. Foto: Helmut Vortanz
Letztes Jahr jubelten die Auricher B-Juniorinnen vor mehr als 3000 Zuschauern am Ellernfeld über den Einzug in das Finale um die Deutsche Meisterschaft. In diesem erlauchten Feld möchte der Verein im letzten Bundesliga-Jahr nicht fehlen. Foto: Helmut Vortanz
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Der DFB schafft zum Saisonende die Bundesligen im Juniorinnen-Bereich ab. So plant die SpVg Aurich künftig den Mädchenfußball. Das Fundament soll auf drei Säulen stehen.

Aurich - Die Auricher B-Juniorinnen haben in den vergangenen Jahren ihre Spuren in der Bundesliga hinterlassen und nach harten Lehrjahren in der vergangenen Saison knapp die Meisterschaft in der höchsten Spielklasse verpasst. In dieser Saison steht die Mannschaft von Trainer Stefan Wilts in der Tabelle wieder ganz oben und darf nach dem 3:0-Auswärtssieg beim HSV von der zweiten Halbfinal-Teilnahme in Folge träumen. Doch die Erfolgsgeschichte der SpVg Aurich im Konzert der Großen wird spätestens im Sommer beendet sein, die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes ist vor einigen Monaten verkündet worden. Der DFB schafft ab der kommenden Saison bei den B-Juniorinnen die Bundesligen ab und reformiert die Nachwuchsförderung in der ältesten Altersklasse, alternative Wettbewerbe treten an die Stelle der Bundesliga und sollen so mehr Talente hervorbringen.

Trainer Stefan Wilts. Foto: Helmut Vortanz
Trainer Stefan Wilts. Foto: Helmut Vortanz

Die Macher am Ellernfeld hatten lange Zeit, um sich über die Zukunft des Mädchen-Fußballs in Aurich Gedanken zu machen. Fest steht jetzt, dass die Auricher bei der Talentförderung weiter vorne mitmischen wollen. Dafür folgen die Auricher dem Vorschlag des DFB und stellen ihr künftiges Fundament auf drei Säulen. Die grundlegendste Veränderung für die Nachwuchstalente: Sie werden in der kommenden Spielzeit gegen Jungs in der Landesliga spielen. Dafür gehen die Auricher eine Altersklasse nach unten und treten bald gegen C-Jugendliche an. „Das haben wir schon getestet und es hat gut funktioniert. Bei den gleichaltrigen Jungs sind die körperlichen Unterschiede zu groß“, sagt Wilts.

DFB-Pokal künftig wichtige Einnahmequelle

Hohe Summen an Fördergeldern spielen bei den anderen beiden Säulen eine große Rolle. Der U17-Bundesligist erhält vom DFB pro Saison derzeit 25 000 bis 28 000 Euro Fördergelder. Rund 30 Prozent bekommen die Auricher für die Teilnahme am DFB-Pokal. Als Bundesligist sind sie dafür im nächsten Jahr noch automatisch qualifiziert.

„Danach müssen wir es über die Niedersachsen-Liga schaffen. Der Pokal ist eine wichtige Einnahmequelle“, sagt Wilts. Die Nachwuchsteams der Lizenz-Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga sind auch künftig automatisch für diesen Wettbewerb qualifiziert. Die SpVg wird mit einem U16-Juniorinnen-Team in der höchsten regionalen Spielklasse, der Niedersachsenliga auf Punktejagd gehen. Ganze 70 Prozent des Fördertopfes fließen nach Aurich für das Betreiben eines Förder-Leistungszentrums weiblich (FLZW). Eine Zertifizierung seitens des Verbandes steht noch aus. „Das ist aber nur noch Formsache“, sagt Wilts. Förderlich für ein Abnicken des DFB ist es, wenn der jeweilige Verein auch hoch qualifizierte Trainer beschäftigt. Genau daran arbeitet Stefan Wilts derzeit. Neun Mal fährt der Auricher dafür zum neuen DFB-Campus nach Frankfurt, um dort die A+-Trainer-Lizenz zu erwerben.

Internat auch ohne Bundesliga attraktiv

Das Internatssystem wird am Ellernfeld fortgeführt. Momentan leben 23 Fußball-Talente in den betreuten Wohngemeinschaften. Das Geld bezahlen die Eltern, der Nachwuchs geht auch in Aurich zur Schule. Das Zauberwort Bundesliga war in der Vergangenheit immer ein großer Anziehungsmagnet für junge Talente. Ist der Standort am Ellernfeld nach der Abwicklung der Bundesliga nun etwa nicht mehr so attraktiv? „Das haben wir noch nicht festgestellt. Auch für die nächste Saison haben wir schon genügend Anmeldungen“, sagt der Trainer und SpVg-Geschäftsführer. Punkten kann die Sportvereinigung auch in Zukunft mit professionellen Strukturen, einer guten Infrastruktur und fast tägliches Training. „Es lohnt sich also weiterhin, nach Aurich zu kommen“, sagt Wilts.

Für die letzten Wochen der Bundesliga-Abschiedssaison haben die Auricher Fußballerinnen und ihr Trainerteam noch ein großes Ziel vor Augen. „Wir wollen wieder ins Halbfinale“, sagt Wilts und denkt an den glorreichen Tag im vergangenen Sommer. Mehr als 3000 Zuschauer waren gekommen, um die Auricherinnen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Eintracht Frankfurt zu unterstützen. Mit Erfolg: Die SpVg gewann nach Elfmeterschießen und musste sich im Endspiel nur knapp Bayer Leverkusen geschlagen geben. Diese beiden namhaften Gegner können auch nach Abschluss dieser Saison im Halbfinale auf die Auricherinnen warten. Doch zunächst müssen die SpVg-Spielerinnen mindestens Zweiter in der Nordstaffel werden. Mit dem 3:0-Sieg in Hamburg haben die Mädchen ein Ausrufezeichen gesetzt. Am Sonntag steht das Auswärtsspiel bei Viktoria Berlin auf dem Spielplan. „Die größten Konkurrenten für uns sind Wolfsburg und Magdeburg“, glaubt Wilts.

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