Hannover  Wie Niedersachsen die Planung von Klassenfahrten erleichtern will

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 28.02.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Aufwändige Vergabeverfahren für Klassenfahrten sollen in Niedersachsen nicht mehr ab einer Wertgrenze von 1000, sondern erst ab 10.000 Euro nötig werden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Aufwändige Vergabeverfahren für Klassenfahrten sollen in Niedersachsen nicht mehr ab einer Wertgrenze von 1000, sondern erst ab 10.000 Euro nötig werden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Für die Organisation von Klassenfahrten soll in Niedersachsen eine wichtige Hürde fallen. Auch will Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne), dass Lehrkräfte wieder mehr Zeit für den Unterricht zur Verfügung haben.

Niedersachsens Landesregierung will Lehrer bei der Organisation von Klassenfahrten entlasten. Aufwändige Vergabeverfahren sollen demnach nicht mehr ab einer Wertgrenze von 1000, sondern erst ab 10.000 Euro nötig werden. Kultusministerin Julia Willie Hamburg erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass sie sich davon einen Schub für Klassenfahrten verspreche.

„Wir erleben, dass Schulen sehr unter den Vergabeverfahren ächzen – auf die wir übrigens nur einen geringen Einfluss haben, weil sie EU-Recht sind. Sie binden viel Arbeitszeit, was dazu führen kann, dass man bestimmte Dinge schlicht nicht mehr schafft. Vor dem Hintergrund habe ich schon die Erwartung, dass durch die Entlastung die Motivation deutlich steigt, mit den Schülerinnen und Schülern auf Klassenfahrt zu gehen“, sagte die Grünen-Politikerin.

Gleichzeitig kündigte Hamburg an, Lehrkräfte von weiteren bürokratischen Aufgaben befreien zu wollen. „Wir müssen schauen, wie wir einfacher werden können. Das gilt nicht nur für das genannte Beispiel mit den Klassenfahrten, sondern auch bei der Bestellung von Schulbüchern und anderen Investitionen soll ein Vergabeverfahren künftig erst ab 10.000 Euro nötig werden“, erklärte die Ministerin und fügte hinzu: „Auch ersetzen wir das bisher aufwändige Antragsverfahren für Sprachförderstunden durch eine einfache Zuteilung, weil die Stunden den Schulen schlicht zustehen. Es ist einfach absurd, was wir da teilweise verlangen. Da wollen wir einfacher werden.“

Auch Stefan Störmer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen, sieht dringenden Handlungsbedarf, um Lehrkräften den Job zu erleichtern und mehr junge Leute für den Beruf zu begeistern. Störmer fordert deshalb zusätzliches Verwaltungspersonal, das die Lehrerinnen und Lehrer entlasten könnte.

Unterdessen zeigt es offenbar erste Wirkung, dass das Ministerium bei Lehrkräften, die kurz vor der Pensionierung stehen, für eine Verlängerung der Dienstzeit wirbt. Das Mittel ist eingebunden in eine Vielzahl von Bemühungen, dem Lehrermangel zu begegnen.

„Ich erlebe durchaus, dass Lehrkräfte sich dazu entscheiden, länger im Dienst zu bleiben oder wieder zurückzukehren“, sagte Hamburg. Es bestehe sowohl die Möglichkeit, die Dienstzeit zu verlängern und den Eintritt in den Ruhestand hinauszuschieben, als auch nach Eintritt in den Ruhestand stundenweise wieder einzusteigen.

Eine punktgenaue Auswertung, wie gut der Abbau von Hürden bei der Dienstverlängerung wirkt, ist laut Hamburg „aufgrund der vielen unterschiedlichen Möglichkeiten einer Weiterbeschäftigung“ schwierig. „Wir sehen aber einen leichten Anstieg“, sagte Hamburg. Aktuell seien mehr als 310 Lehrkräfte im Pensionsalter an den Schulen in Niedersachsen tätig. Das sind laut Kultusministerium etwa 40 mehr als im vergangenen Schuljahr.

Auf den Hinweis, dass die wenigsten Lehrkräfte bis zum Erreichen der Altersgrenze von 67 Jahren „durchhalten“ und die Mehrheit vorzeitig in den Ruhestand geht, entgegnete Hamburg, dass ihr Haus das im Blick habe und bereits an Verbesserungen arbeite.

„Es ist tatsächlich so, dass ein Großteil der Lehrkräfte vor Erreichen der Altersgrenze aus dem Schuldienst ausscheidet. Auch da schauen wir gemeinsam mit den beteiligten Verbänden gerade, wie wir gegensteuern können“, erklärte die Ministerin. Sie denke etwa daran, Arbeitszeiten über Teilzeitmodelle kompatibler mit persönlichen Bedürfnissen zu machen. „Da müssen wir flexibler werden.“

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