Stadt Aurich auf Sparkurs  Weniger Rettungsschwimmer am Badesee Tannenhausen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.02.2024 11:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beliebt ist der Badesee Tannenhausen im Sommer bei Urlaubern und Einheimischen gleichermaßen. Foto: Heino Hermanns
Beliebt ist der Badesee Tannenhausen im Sommer bei Urlaubern und Einheimischen gleichermaßen. Foto: Heino Hermanns
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Der Badesee Tannenhausen soll vom Naturbad zur Badestelle abgestuft werden. Was das für die Nutzer bedeutet.

Aurich - Weiter auf Sparkurs ist die Stadt Aurich: Diesmal geht es dem Badesee Tannenhausen an den Kragen. Der soll laut einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung von einem Naturbad zu einer Badestelle abgestuft werden. Was nur nach einem Wechsel der Bezeichnung klingt, hat Folgen für die Ausstattung am See. Denn dann kann die Wasseraufsicht, die bislang sowohl von der DLRG Aurich als auch von einer privaten Firma gewährleistet wurde, entfallen. Der Firma ist durch die Stadt bereits im vorigen Jahr gekündigt worden. Bei der DLRG wurde der Kündigungstermin im Sommer vorigen Jahres verpasst. Deswegen wird es zu bestimmten Zeiten auch in diesem Jahr noch die Lebensretter in ihren rot-gelben Anzügen am Badesee geben. Wie es ab dem kommenden Jahr weitergehen wird, soll im Herbst dieses Jahres festgelegt werden.

Die Tretboote werden abgeschafft, der Steg für das DLRG-Rettungsboot wird in Richtung Hundestrand verlagert. Foto: Heino Hermanns
Die Tretboote werden abgeschafft, der Steg für das DLRG-Rettungsboot wird in Richtung Hundestrand verlagert. Foto: Heino Hermanns

Damit die Wasseraufsicht eingespart werden kann, müssen laut einem Gutachten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen einige Attraktionen am See entfernt werden. So wird es die rote Rutsche, die besonders Kinder Freude bereitet hat, künftig wohl nicht mehr geben. Auch die Wasserballtore sowie die Steganlage für die Tretboote und die Tretboote selbst müssen abgeschafft werden. Denn diese Angebote führen zu einer Einstufung als Naturbad, das von einem Rettungsdienst beaufsichtigt werden muss.

Neue Tretboote kosten 15.000 Euro

Es geht um viel Geld: Bei einem Naturbad müsste die Aufsicht täglich bis 22 Uhr sichergestellt sein. Bislang war die DLRG nur an sehr sonnigen Tagen länger als 17 Uhr am Badesee. Das kostete bis zu 80.000 Euro. Würde der Badesee offiziell ein Naturbad, würde das laut Verwaltung weit über 100.000 Euro jährlich kosten.

Kinderrutsche und Wasserballtore wird es am Badesee wohl nicht mehr geben. Foto: Heino Hermanns
Kinderrutsche und Wasserballtore wird es am Badesee wohl nicht mehr geben. Foto: Heino Hermanns

Bei einer Badestelle könnte die DLRG alleine die reduzierte Aufsicht gewährleisten. Das koste einen Grundpreis von 1500 Euro im Monat. Hinzu kommen Kosten für die Aufsichtsstunden in Höhe von 18.000 Euro für die Saison 2024. Insgesamt müssten also nur 25.000 Euro aufgewendet werden. Gespart würden auch die Anschaffungskosten für neue Tretboote, denn die alten Boote sind laut Stadtverwaltung abgängig. Diese würden weitere 15.000 Euro kosten. Aus dem Verleih der Tretboote sowie der Stand-up-Bretter ergaben sich aber nur Einnahmen in Höhe von 900 Euro – ein Verlustgeschäft, da auch ein Mitarbeiter zum Kassieren sowie eine so genannte rechtssichere Kasse benötigt werden.

Rettungsschwimmer könnten ganz wegfallen

In der Beschlussvorlage steht, dass im Herbst geschaut werden soll, ob der Vertrag mit der DLRG fortgeführt werden wird. Notwendig ist das nicht: Denn eine Badestelle muss laut Gutachten nicht beaufsichtigt werden. Es reichen Hinweisschilder, die erklären, dass Baden auf eigene Gefahr erfolgt. Außerdem müssen Schwimmbereiche abgesteckt und Wassertiefen angegeben werden.

Dennoch ist Björn Raap, Vorsitzender der DLRG Aurich, zuversichtlich. In Gesprächen mit der Stadtverwaltung sei ihm mitgeteilt worden, dass es auch im kommenden Jahr für die Rettungsschwimmer weitergehen solle. Man sei in guten Gesprächen und bei allen Maßnahmen eingebunden, so Raap auf Anfrage unserer Redaktion.

Wachdienst im Sommer auch abends möglich

Man werde sogar in diesem Jahr weitere Aufgaben übernehmen. Denn die DLRG müsse nun auch den Wachleiter stellen, weil die Ihlower Firma nicht mehr dabei sei. Dafür würden erfahrene Rettungsschwimmer benötigt, die man aber auch habe in Aurich.

Die Wachzeiten würden in diesem Jahr zwar verkürzt auf den Bereich von 11 Uhr bis 17 Uhr. Bei Bedarf an warmen Sommertagen werde die DLRG aber auch länger am Badesee bleiben. „Da gibt es kein Limit“, so Raap.

Vor allem die DLRG Aurich sorgt bislang für die Sicherheit der Badegäste in Tannenhausen. Foto: Heino Hermanns
Vor allem die DLRG Aurich sorgt bislang für die Sicherheit der Badegäste in Tannenhausen. Foto: Heino Hermanns

Die vorhandene Infrastruktur am Badesee, also Umkleiden, Duschen oder Toiletten, können auch an einer Badestelle gegen Bezahlung weiter genutzt werden, heißt es im Gutachten. Das funktioniere an vielen Orten in ganz Deutschland, ohne dass Gerichte derart ausgestattete Badestellen als Naturbäder eingestuft hätten. Allerdings, so heißt es in dem Papier weiter, dürften die Nutzer des Badesees Tannenhausen nach all den Jahren mit Rettungsschwimmern davon ausgehen, dass jemand vor Ort für die Sicherheit sorgt. Daher müsste die Abstufung zu einer Badestelle ohne Aufsicht mit aushängen, Handzetteln und Artikeln in Tageszeitungen deutlich kommuniziert werden.

Parkgebühren wurden schon angehoben

Bereits seit einigen Jahren diskutiert die Auricher Stadtpolitik über den Badesee Tannenhausen, dessen Angebot ein großes Defizit von knapp 300.000 Euro jährlich im städtischen Haushalt verursacht. Denn das Angebot ist kostenlos. Es wurde zwar auf Anregung von Artur Mannott (CDU) einmal über Eintrittsgelder diskutiert. Das wurde aber am Ende von einer deutlichen Ratsmehrheit abgelehnt. Einigen konnte man sich lediglich darauf, die Parkgebühren am Badesee anzuheben. Damit aber werden nur vergleichsweise geringe Mehreinnahmen erzielt.

Erstmals öffentlich beraten wird über die Einstufung des Badesees im Wirtschaftsausschuss der Stadt am Dienstag, 5. März, ab 17 Uhr im Ratssaal des Auricher Rathauses.

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