Wohnen im Alter In Ochtelbur entsteht Senioren-WG
Selbstbestimmt leben bis zum Schluss: Diese Vision haben zwei Ochtelburer. Zusammen mit einem Pflegedienst setzen sie diese Idee in ihrem Heimatort in die Tat um.
Ochtelbur - Die ersten Mauern stehen, das Richtfest ist gefeiert und so nimmt in Ochtelbur direkt an der Friesenstraße eine Idee Gestalt an: Hier entstehen direkt hinter dem ehemaligen Bäckereihaus Seniorenwohnungen. Diese sollen als eine Art Wohngemeinschaft mit eigenen Wohneinheiten und Unterstützung durch den Pflegedienst eingerichtet werden. Die Investoren und künftigen Vermieter, Heike und Alwin Christians, wollen so den Senioren eine würdige Zeit im Alter ermöglichen. Schlechte Erfahrungen aus dem Umfeld mit Pflegeheimen hätten die beiden zu der Projektidee geführt, wie sie im Gespräch berichten.
„Wir haben das schon lange im Hinterkopf“, sagt Alwin Christians, der in Ochtelbur einen Handwerksbetrieb mit Sanitäranlagen führt. Eine Nachbarin musste etwa ihr gewohntes Umfeld verlassen, als sie pflegebedürftig wurde und zu ihrem Sohn in die Großstadt ziehen – nicht zu ihm ins Haus, sondern ins Pflegeheim. Auch bei seiner eigenen Mutter konnten erst jahrelang Pflegekräfte sie zu Hause betreuen. Dann musste sie schließlich doch ins Pflegeheim. Dort hätten sie schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Heike Christians. Der Betreuungsschlüssel habe nicht gepasst. Es gab einfach zu wenig Personal. Außerdem würde mit dem Platz im Pflegeheim der oder die Betroffene oft zu stark aus dem gewohnten Umfeld gerissen. „Ich habe immer gesagt, es müsste etwas geben, was noch im Dorf ist“, sagt Alwin Christians. Direkt vor der Nase, an der Friesenstraße, kam es dann zu der Gelegenheit, würdiges Wohnen im Alter und Pflege miteinander zu verbinden. Die Bäckerei Ubbos Backhus, die noch eine Filiale direkt an der Friesenstraße in Ochtelbur betrieb, ging insolvent. Das Gebäude stand ein paar Monate leer.
Mieter statt Heimbewohner
Inzwischen ist hier der ambulante Pflegedienst „Pflegeteam Nordwind“ aus Upgant-Schott eingezogen. Lars Wallis, einer der beiden Geschäftsführer, erklärt das Konzept für die neue Senioren-WG „Lüttje Karkhörn“. Denn die Senioren-Wohngemeinschaft entsteht direkt hinter dem ehemaligen Bäckereigebäude an der Friesenstraße. Zwölf Wohneinheiten, davon vier für zwei Personen, entstehen derzeit. Die Bewohner haben alle eine kleine Wohnung mit eigenem Bad und kleiner Pantryküche. Es gibt eine Gemeinschaftsküche mit Essbereich und ein Fernsehzimmer. Die Bewohner sind Mieter und bezahlen die Wohnung und die Nebenkosten. Dazu können sie den Pflegedienst buchen.
Es soll eine Art selbstbestimmte Wohngruppe entstehen. Jeder Bewohner kann schauen, wie viel Unterstützung er benötigt. Dazu kommt von montags bis freitags ein Mitarbeiter, um Angebote zu machen. Ob das nun gemeinsame Spiele sind oder andere gemeinsame Aktivitäten, richtet sich nach dem Interesse der Bewohner. Zwei Hauswirtschaftskräfte kommen täglich zum Kochen. Auch hier können die Bewohner mitmachen, wenn sie können und möchten. Dazu kommt die Betreuung durch den Pflegedienst. Ein ähnliches Projekt gibt es bereits in Upgant-Schott, wo das Pflegeteam Nordwind in einem Altbau solch eine Senioren-WG betreut.
Bereits mehr Anfragen als Wohnungen
In Ochtelbur könnte es ab dem Spätsommer so weit sein. Noch ist es eine Baustelle, doch die Räume lassen schon erahnen, wie hier bald Leben einziehen könnte. Auch wenn nach vorne die viel befahrene Friesenstraße grenzt, hinten raus gibt es Parkplätze und einen Garten, den die Bewohner mitgestalten können. Das große Grundstück lässt außerdem Platz, um den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Eine Hausarztpraxis ist nur wenige Meter entfernt und im Nachbardorf Riepe ist die Apotheke. All diese Umstände sorgen bereits für Interesse. 19 Anfragen habe Wallis, der die Akquise für das Projekt macht, schon auf der Warteliste.
Viele Interessenten kommen aus der Gemeinde Ihlow. Im Gegensatz zu einem Pflegeheimplatz, der laut Wallis bis zu 4000 Euro Zuzahlung koste, blieben die Bewohner der WG selbstbestimmt. Geeignet sei die Wohngemeinschaft für jeden von: „Ich bin noch fit, aber benötige Hilfe bis hin zu ganz Pflegebedürftigen“, wie Wallis umschreibt.