Hamburg Abschieds-Botschaft an die HSV-Fans: Was Tim Walter „wütend“ macht
Nach zweieinhalb Jahren war für Coach Tim Walter beim Hamburger SV Schluss. Im Vereins-Magazin „HSV live“ gibt er nun zu: „Es bricht mir das Herz.“
Die einen liebten ihn geradezu für seinen unerschütterlichen Optimismus und Siegeswillen, für die anderen überschritten Selbstbewusstsein und Außendarstellung zu oft die Grenze zur Arroganz. Tim Walter hat die HSV-Fans gespalten – nun verabschiedet er sich mit emotionalen Worten von ihnen allen.
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „HSV live“ widmet sich bereits der erste Artikel der „Botschaft von Tim Walter“. Man habe dem Trainer, der den Verein 956 Tage lang „mit Haut und Haaren“ gelebt habe, die Möglichkeit geben wollen, „sich von der HSV-Familie zu verabschieden“. Und der Coach nahm die Gelegenheit dankbar an.
„Moin HSV-Familie! Es bricht mir das Herz, dass ich mich auf diesem Weg von „euch allen verabschieden muss“, beginnt Walters wenige Absätze umfassender Text. „Zweieinhalb Jahre war es mein ganzes Bestreben, mit euch gemeinsam in die Erste Liga aufzusteigen. Dafür habe ich jeden Tag alles gegeben. Dass wir es nicht geschafft haben, macht mich sehr traurig – und in Anbetracht mancher Geschehnisse (allen voran: Vuskovic, Sandhausen) auch wütend.“
Was Walter meint: Seit der herausragende Innenverteidiger Mario Vuskovic infolge einer positiven Dopingprobe (erfolgt am 16. September 2022) für zwei Jahre gesperrt wurde, hat die HSV-Abwehr nie wieder dieselbe Stabilität ausgestrahlt wie zuvor mit dem jungen Kroaten. Dabei ist man beim HSV von Vuskovic‘ Unschuld überzeugt, der Spieler selbst ficht das Urteil des DFB-Sportgerichts an.
Und in Sandhausen sahen sich die Hamburger am letzten Spieltag der Saison 2022/23 bereits als Aufsteiger, ehe der FC Heidenheim im Parallelspiel dank einer Nachspielzeit von am Ende 15 Minuten doch noch zum 3:2-Sieg gegen Jahn Regensburg kam und die Rothosen so überholte.
„Dennoch überwiegt die Dankbarkeit, Teil und Mitgestalter eines so großartigen Vereins gewesen zu sein“, schreibt Tim Walter weiter. „Auch in den schlimmsten Niederlagen haben wir immer alle zusammengehalten.“ Entsprechend wendet er sich trotz des Rauswurfs persönlich und versöhnlich an Sport-Vorstand Jonas Boldt und Profi-Direktor Claus Costa: „Jonas und Claus – ihr wart mir immer ein großer Rückhalt.“
Ein DANKE in Großbuchstaben geht in der Botschaft auch an die Spieler, das gesamte Trainer-, Ärzte- und Therapeutenteam, alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle („allen voran Anja, Nadja und Jutta“) sowie HSV-Pressesprecher Philipp Langer.
Walter schreibt am Schluss: „DANKE Euch allen und jedem Einzelnen dieser fantastischen FANS, die mit uns GEMEINSAM durch Höhen und Tiefen gegangen sind und uns oft ein Stück getragen haben. IHR seid 1. Liga!“
Damit der sportliche Aufstieg aus der zweiten in die Fußball-Bundesliga gelingt, hat der HSV inzwischen Steffen Baumgart verpflichtet. Das erste Spiel unter dem neuen Trainer bestreitet der aktuelle Tabellendritte am Sonntag (13.30 Uhr) im heimischen Volksparkstadion gegen Aufsteiger SV Elversberg.