Knapper Parkraum Parken wird für Anwohner in Aurich mehr als doppelt so teuer
Susanne Kranz hat von der Redaktion erfahren, dass sie bald mehr für das Parken vor der Haustür bezahlen muss. Ihre Reaktion darauf war widersprüchlich.
Aurich - „Oh! Eine Erhöhung um gleich mehr als das Doppelte.“ Susanne Kranz reagiert verblüfft, als sie von der Redaktion erfährt, dass sie für ihren Anwohnerparkausweis in der Auricher Innenstadt jetzt 70 Euro anstelle von 30 Euro zahlen soll. Das hat der Auricher Stadtrat am Donnerstag in seiner Sitzung beschlossen. Doch bevor sie eine endgültige Wertung abgibt, zückt die Geschäftsfrau ihren Rechner, tippt Zahlen ein und sagt dann: „Das sind 19 Cent am Tag. Das ist es mir wert.“ Sie genieße den Luxus in der Innenstadt zu wohnen. Dadurch habe sie viele Vorteile, angefangen bei kurzen Wegen zum Shoppen bis hin zur schnellen Erreichbarkeit von vielen Behörden. Erlebt sie es nicht als ungerecht, dass Anwohner in Extum oder in Middels für das Parken in der Nähe ihres Hauses nichts bezahlen müssen? Nein, sagt sie und fügt als Begründung an, dass der Raum in der Innenstadt einfach sehr viel knapper ist und man das eine nicht mir dem anderen vergleichen könne.
In Aurich besitzen momentan laut der Stadtverwaltung 77 Personen einen amtlichen Bewohnerparkausweis. Dieser berechtigt dazu, eigens gekennzeichnete Stellplätze in der Innenstadt ohne weitere Gebühren unbegrenzt zu nutzen. Bei einer Stichprobe der Redaktion an einem Werktag waren die meisten Parkplätze mit Fahrzeugen von Anwohnern belegt. Eine Garantie für einen Stellplatz gibt es aber nicht, da die Parkplätze auch von anderen Fahrern für ihre Fahrzeuge genutzt werden dürfen. Beispiele für Anwohnerstellplätze gibt es in der Nürnburger Straße, in der Kirchstraße, am Lambertshof oder auf dem kleinen Parkplatz an der Friedhofstraße. Die Stadt erzielt dadurch Mehreinnahmen in Höhe von rund 3000 Euro.
Die Anwohner werden bald angeschrieben
„Wir stellen allen einen Ausweis aus, die dazu berechtigt sind und einen haben wollen“, sagt Helmut Lücht. Der Leiter des Ordnungswesens bei der Stadt Aurich sprach allerdings davon, dass es auch Anfragen gegeben hätte von Geschäftsleuten, die ebenfalls einen Ausweis hätten haben wollen. „Das mussten wir ablehnen.“ Er könne nicht sagen, wie viele Anspruchsberechtigte es in der Auricher Altstadt gibt. Der Ausweis laufe am 31. April 2024 ab. „Wir werden die Berechtigten in den nächsten Wochen anschreiben, ihnen die Gebührenerhöhung mitteilen und sie fragen, ob sie erneut einen Ausweis haben möchten“, sagt Helmut Lücht.
Die Stadt Aurich liegt im Übrigen im Trend, was die Erhöhung der Gebühren anbelangt. Sowohl die Deutsche Umwelthilfe als auch der Deutsche Städtetag hatten unlängst eine saftige Erhöhung der Gebühren fürs Anwohnerparken gefordert. Die Umwelthilfe verlangte von den Bundesländern und Städten, dass die Gebühren fürs Anwohnerparken bundesweit auf mindestens 360 Euro pro Jahr steigen sollten. Auf diese Weise solle man darauf hinwirken, dass Menschen in Städten die Nutzung eines Fahrzeugs hinterfragten. Das gelte besonders für riesige SUVs, die vielerorts für wenige Cent am Tag den öffentlichen Raum zustellen dürften. So verlangt etwa die Stadt Tübingen für besonders schwere „Stadtpanzer“ eine um 50 Prozent höhere Jahresgebühr als für Kleinwagen – nämlich 180 Euro. „In Aurich wird eine solche Diskussion derzeit nicht geführt“, sagte Helmut Lücht.
Bei der Entscheidung, die Gebühr für den Anwohnerausweis zu erhöhen, sei die Überlegung maßgeblich gewesen, dass diese sich am wirtschaftlichen Nutzen des Bewohners orientieren solle. Ein monatlicher Stellplatz in der Tiefgarage im Auricher Zentrum würde derzeit 54,74 Euro kosten. Dementsprechend würde ein Jahr in der Tiefgarage mit 656,88 Euro zu Buche schlagen – fast das Zehnfache der Gebühr für den Bewohnerparkausweis.