Badesee Tannenhausen  Mehr Angebote, mehr Sport – und weniger Autos

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 22.02.2024 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sonne, Sand und Wasser im Sommer 2022 am Badesee Tannenhausen. Der Bereich soll weiter für den Tourismus ausgebaut werden. Foto: Heino Hermanns
Sonne, Sand und Wasser im Sommer 2022 am Badesee Tannenhausen. Der Bereich soll weiter für den Tourismus ausgebaut werden. Foto: Heino Hermanns
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Viel ist passiert in den vergangenen Jahren am Badesee Tannenhausen. Wie es nun dort weitergehen könnte.

Aurich - Am Badesee Tannenhausen soll es in den kommenden Jahren eine sanfte, bedarfsorientierte touristische Entwicklung geben. Die Belange der Anwohner sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie die von Natur und Umwelt. Damit ist das Tourismuskonzept Tannenhausen überschrieben, das am Dienstag im Bauausschuss der Stadt vorgestellt worden ist. Erarbeitet wurde das Konzept vom Büro Glücksburg Consulting. Kristin Seydewitz und Julia Ungereit waren aus Hamburg nach Aurich gekommen, um die Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren.

Bei allen möglichen Maßnahmen müsse es immer das Ziel sein, mehr Qualität zu schaffen, sich aber bei der Quantität zurückzuhalten, so einer der Kernpunkte des Konzeptes. Es ist unter der Mitwirkung von Anwohnern und Akteuren am Badesee zustande gekommen.

Bowling im Tannenhausener Hof?

Gewünscht wurden unter anderem weitere Sport- und Freizeitangebote am Badesee. Vorstellbar, so Kristin Seydewitz, wären ein Trimm-Dich-Pfad, eine Fitnessstation oder ein Bewegungsparcours. Eine Minigolfanlage hingegen könnte wohl nur realisiert werden, wenn es dafür einen Betreiber gebe. Einen Skatepark sehen die Profis von Glücksburg Consulting am Badesee eher nicht: Denn ein solcher würde nicht zur Zielgruppe passen, die dort angesprochen werden soll.

Der hintere Parkplatz, so die Empfehlung, sollte zumindest in Teilbereichen mit Rasengittersteinen befestigt werden. Foto: Alessandro Cipolla
Der hintere Parkplatz, so die Empfehlung, sollte zumindest in Teilbereichen mit Rasengittersteinen befestigt werden. Foto: Alessandro Cipolla

Seydewitz wünscht sich für den See eine Reaktivierung von leer stehenden Gebäuden, nicht zuletzt, um mehr Unterkünfte zu schaffen. So könne der Tannenhausener Hof wieder in Betrieb genommen werden. Darin wäre es möglich, die von den Anliegern gewünschte Bowling- oder Kegelbahn einzubauen. Das Problem dabei: Die derzeitigen Eigentümer müssten erst überzeugt werden, einem solchen Projekt zuzustimmen. Aber auch ein Zeltplatz, Tiny Houses oder kleine Ferienhäuser können sich die Beteiligten vorstellen. Im Konzept wird auch der Wohnmobilstellplatz für 30 Fahrzeuge genannt. Dieses Projekt aber muss nun wieder ausgeschrieben werden, da der ursprüngliche Investor aufgegeben hat.

Ladestationen für E-Bikes gewünscht

Ein großes Anliegen ist allen Beteiligten an dem Konzept die Lenkung des Verkehrs. Denn bei schönem Wetter drängen sich die Autos zu Hunderten durch den kleinen Stürenburgweg. Die Parkplätze sind dann schnell ausgelastet, Wildparker machen den Anwohnern zu schaffen. Verschiedene Maßnahmen könnten zur Beruhigung der Situation beitragen, meint Seydewitz. Zunächst müssten die Fahrradstellplätze modernisiert werden, damit auch schwere E-Bikes dort sicher abgestellt werden können. Eine Überdachung, Schließfächer und nicht zuletzt eine Ladestation gehörten dazu. Dann könne man sicher mehr Autofahrer zum Umsteigen bewegen.

Dafür sei es auch dringend geboten, dass sich Aurich an das Knotenpunktsystem für Radfahrer anschließt. Denn mittlerweile, so Rolf Blesene (SPD), ist Aurich die einzige Stadt in Ostfriesland, die dieses System nicht hat. Radtouristen würden daher um die Stadt herumgeleitet. „Dadurch verzichten wir auf Einnahmen.“

Platz für Nahversorger gesucht

Zugleich müsste die Führung des Autoverkehrs besser mit Schildern organisiert werden. Die Zufahrt zum Parkplatz sollte nicht über Fröhlingsweg und Stürenburgweg, sondern über Neustadtweg und Stiekelriegweg zum Parkplatz geleitet werden. „Eventuell könnte man das auch als Einbahnstraße gestalten“, so Seydewitz. Ausgebaut werden müsse auch die Anbindung Tannenhausens mit Bussen, zumindest in der Hauptsaison. An der Stelle müsste aber der Landkreis Aurich als Träger des ÖPNV mit ins Boot geholt werden.

In den empfohlenen Maßnahmen geht es nicht ausschließlich um Angebote für Urlauber. Es wird auch auf die fehlende Nahversorgung in Tannenhausen eingegangen. Seit April 2011 gibt es keinen Supermarkt mehr im Dorf. Seydewitz regt an, im Tannenhausener Hof einen Nahversorger einzurichten. Sonntagsöffnungen wie an der Küste könnten dafür sorgen, dass ein solches Angebot sich lohnt. Dafür allerdings müsste Tannenhausen ein Prädikat als Erholungsort erlangen. Dann würde die sogenannte Bäderregelung für Supermärkte greifen.

Interessengemeinschaft soll sich gründen

Schon im Sommer vorigen Jahres hat der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann sich im Gespräch mit unserer Zeitung zur Nahversorgung in Tannenhausen geäußert. Investoren wollten zwar eine kurze Anbindung an den Ort, so Feddermann damals. Gleichzeitig aber solle der Markt an der Dornumer Straße liegen – oder von dort wenigstens leicht erreichbar sein. Der ehemalige Standort am Ol Streek komme daher nicht in Frage. „Wir sind da aber dran und haben ein paar Grundstücke im Blick“, so Feddermann im Juni. Das größte Problem sei dabei die verkehrliche Anbindung. Seitdem war aber aus der Richtung nichts mehr zu hören.

Mit dem Bau der Wakeboardanlage wurde die Saison am Badesee Tannenhausen verlängert. Foto: Heino Hermanns
Mit dem Bau der Wakeboardanlage wurde die Saison am Badesee Tannenhausen verlängert. Foto: Heino Hermanns

Insgesamt 56 Seiten umfasst das Tourismuskonzept, in dem es viele Vorschläge gibt. Keiner davon sei bindend, so Seydewitz, alle seien nur Ideen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden könnten. Ihre Kollegin Julia Ungereit regte an, eine Interessengemeinschaft Badesee zu bilden. Ein solcher dauerhafter Arbeitskreis von Akteuren könnte dazu dienen, das Gebiet besser digital und analog zu vermarkten. Unter anderem könnten in einem solchen Gremium auch Termine abgestimmt werden, damit es nicht am Badesee, an der Wakeboardanlage und auf dem Mehrzweckgelände gleichzeitig große Veranstaltungen gibt. Denn das würde die Straßen und Parkplätze endgültig überlasten.

Der wichtigste Effekt einer solchen IG Badesee aber wäre, so Ungereit, dass alle Akteure an einem Strang zögen. Denn nur dann könne die verträgliche Weiterentwicklung des Tourismus in Tannenhausen gelingen.

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