Angebot wird erweitert Verbund gegen Einsamkeit und Armut in Ihlow
Die Scham über Armut und Einsamkeit ist bei Betroffenen oft groß. Deswegen wollen in Ihlow Kirche und Vereine unkompliziert helfen und erweitern ihr Angebot.
Ihlow - Einsamkeit? Die gibt es bei uns nicht. Das mussten sich Joachim und Kirstin Pothmann anhören, als sie vor wenigen Jahren nach Ihlowerfehn kamen. Das Pastorenpaar wunderte sich und musste feststellen, dass es durchaus einsame Menschen auf dem Land gibt. So berichtet es der Pastor jetzt im Pressegespräch. Ein Pilotprojekt, der „Stönpahl“, ist aus verschiedenen Vereinen und Trägern entstanden, um zu helfen.
Ihlowerfehn als Zentrum der Gemeinde ist ein Ort, an dem alteingesessene Familien und neue Bürger zusammen- oder nebeneinander her leben. Die Menschen, die dort hinziehen, hätten nicht immer ein soziales Netzwerk vor Ort. Doch auch wenn die Kinder in der Nähe wohnen, heißt das nicht automatisch, dass die Familien in gutem Kontakt stehen. Der Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs spricht davon, dass sich die Gesellschaft immer mehr ausdifferenziere. Es gibt die Familien mit kleinen Kindern, die von morgens bis abends sich um Kinder und Erwerbstätigkeit bemühen, „und dann abends halb tot ins Bett fallen“, wie Ulrichs es umschreibt. Dann gibt es die Berufstätigen, die in Freizeitstress von einem Hobby zum nächsten hetzen, und die Älteren, die vielleicht schon ihre Angehörigen verloren haben oder wo die Familie übers gesamte Land verstreut lebt.
Scham über die eigene Einsamkeit ist groß
Das Miteinander in der Gemeinschaft auf dem Dorf ist längst nicht mehr selbstverständlich. Stirbt dann plötzlich der Lebenspartner, entsteht eine große Lücke. Reinhold Adden vom VdK Ihlow berichtet von Witwen aus traditionellen Ehen, die nach dem Abschied von ihrem Partner in die Einsamkeit katapultiert werden. Dazu kommt die Armut, denn die Witwenrente ist überschaubar. Die Scham darüber ist groß. Viele trauen sich nicht heraus.
Genau da setzen die Pastoren und die Vereine aus Ihlow und Ludwigsdorf nun an. Die Sozialverbände VdK, Awo und SoVD sowie die Kirche und die Kleiderkammer der Gemeinde Ihlow haben sich zusammengetan, um Menschen mit einem niedrigschwelligen Angebot aus der Einsamkeit zu holen. Außerdem bieten sie sich als eine einfache Anlaufstelle für Tipps an.
Drei Säulen: ein Platz zum Reden, etwas zum Essen und etwas zum Anziehen
So wurde vor einem Jahr das Projekt „Stönpahl“ ins Leben gerufen. In den Räumen der Kirche treffen sich an jedem dritten Mittwoch im Monat im Gemeindehaus der Kirche in Ihlowerfehn die Vertreter der Vereine. Wer möchte, kann dazukommen. Es gibt Tee, Kekse und viel zu proten, also zu besprechen. Der „Stönpahl“ soll ein Pfahl zum Anlehnen sein, wenn er gebraucht wird. Vorbeikommen kann jeder, der möchte. Zu Beginn vor einem Jahr saßen nur die Pastoren und die Vereinsvertreter im Raum. Dann kam ein Interessierter und der habe offenbar weitererzählt, dass es eine nette Runde ist.
Wo es die Hilfe gibt
Das „Stönpahl“-Begegnungscafé findet jeden dritten Mittwoch im Monat von 10.30 bis 12 Uhr statt im Gemeindehaus der Kirche Ihlowerfehn-Ludwigsdorf, Plaggefelder Straße 6.
Zu den Treffen gibt es einen Fahrdienst. Wer den Abholservice nutzen möchte, kann sich unter Telefon (04929) 9094027 melden.
Die Lebensmitteltüten der Kirche Ihlow gibt es beim Pfarrhaus, Plaggefelder Straße 2, jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr und an den Terminen des „Stönpahl“. Alle 14 Tage darf eine Tüte abgeholt werden. Die Kosten übernimmt die Diakonie der Kirchengemeinde. Das Geld aus den Gottesdiensten fließt also direkt in die Hilfe mit den Lebensmitteltüten. Ein Berechtigungsnachweis ist nicht nötig.
Die Kleiderkammer der Gemeinde Ihlow hilft ebenfalls. Aktuell ist diese wegen des Umzugs vom Awo-Heim an der Alten Wieke in die Container jedoch geschlossen. Ab dem 5. März können aber wieder dienstags von 17 bis 19 Uhr Kleidungsstücke abgeholt werden. Infos gibt es unter „www.ihlow.de“.
Bisher sind es vor allem Menschen über 60 Jahren, die sich hier zusammenfinden. Das Angebot richte sich an alle, die ein offenes Ohr suchen. Das Projekt ist außerdem ungebunden: Die Besucher müssen nicht in der Kirche Mitglied sein und auch nicht in einem der Vereine. Es geht um unkomplizierte Hilfe. Wer möchte, kann sich Tipps zu einem komplizierten Antrag oder ähnlichem Papierkram geben lassen. Damit noch mehr Menschen das Angebot annehmen können, gibt es jetzt einen Fahrdienst zu den Treffen des „Stönpahl“ (siehe Infokasten).
Unkompliziert soll ebenfalls die Hilfe sein, die über die Kirche neben den Treffen organisiert wird. Seit einiger Zeit packt das Pastorenpaar Lebensmitteltüten. Familien, Alleinstehende und Senioren, bei denen die Rente nicht reicht, können sich alle 14 Tage eine Tüte mit haltbaren Lebensmitteln im Gemeindehaus abholen. Und die Kleiderkammer bietet unkompliziert für alle Betroffenen Hilfe an, wenn es um etwas zum Anziehen geht. Auch dieses Angebot richtet sich an alle Ihlower, die Hilfe brauchen. Bei beiden Angeboten müsse außerdem kein Nachweis über Bedürftigkeit vorgelegt werden. Vertrauen ist hier die Basis.