Aurich Bahnreaktivierung Vorhaben auf ein neues Gleis gesetzt
In Hannover hat der Auricher Verein „Ran an die Bahn“ sich mit Wirtschaftsminister Olaf Lies getroffen. Welche Missverständnisse dabei ausgeräumt wurden.
Aurich - Zwei Großprojekte werden derzeit im Landkreis Aurich vorangetrieben: Der Bau der Zentralklinik in Uthwerdum sowie die Reaktivierung der Bahnlinie Aurich-Abelitz für den Personenverkehr. Das Problem: Weder die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) in Hannover noch die Planer der Zentralklinik wissen offiziell voneinander. Das haben Vertreter des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“ kürzlich bei einem Besuch in Hannover erfahren. Im Gespräch mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies sowie Vertretern der LNVG sei deutlich geworden, dass die Verkehrsgesellschaft die Reaktivierung der Linie so prüfe, wie die Bahn vor 50 Jahren betrieben worden sei.
Ein dicker Fehler, wie Thomas Gehrke, zweiter Vorsitzender des Vereins, in einem Pressegespräch sagt. Denn damals habe es weder eine Zentralklinik direkt an den Gleisen gegeben. Es habe ab Georgsheil auch keine Haltepunkte mehr bis Emden gegeben. Umgekehrt habe das Büro PGT Umwelt und Verkehr aus Hannover eine verkehrliche Vorstudie für die geplante Zentralklinik erstellt. Die Bahn komme darin aber nur als Hindernis vor, wenn die Schienen überquert werden müssten. Geplant wird deswegen derzeit mit einem elf Millionen Euro teuren Brückenbauwerk, damit die Klinik trotz Gleisen jederzeit erreichbar ist.
Prüfaufträge an Nahverkehrsgesellschaft
Dabei, so Gehrke, könnten beide Projekte voneinander profitieren. Das funktioniere, wenn nicht eine sogenannte Voll-Eisenbahn, sondern eine Stadtbahn gebaut werde. Denn diese könnten schneller beschleunigen und wieder abbremsen und daher auch mehr Haltepunkte anfahren – und dennoch einen Halbstundentakt zwischen Aurich und Emden einhalten. Personal und Patienten könnten so schnell und sicher von Aurich und Emden zur Klinik gelangen.
Zwei Prüfaufträge hat die LNVG daher nun von Minister Olaf Lies erhalten. Zum einen soll rechtlich geklärt werden, ob ein Mischbetrieb auf der Strecke von Aurich nach Emden möglich ist. Denn auch der Güterverkehr wird weiterhin eine Rolle spielen auf der eingleisigen Strecke. „Bei Enercon gehen langsam wieder die Lichter an“, so Gehrke. Und die Bundeswehr wolle die Bahn wieder nutzen, um das Munitionsdepot in Dietrichsfeld zu bedienen. Der Standort soll bis 2030 deutlich ausgebaut werden.
Umstieg in Abelitz möglich
Zum anderen müsse die Finanzierung geklärt werden. Denn bei einer Vollbahn würde die LNVG die Kosten für Bau und Betrieb übernehmen. Bei einer Stadtbahn hingegen wäre der Landkreis Aurich in der Pflicht. Weil aber sowohl die Investition als auch die Betriebskosten bei einer Stadtbahn günstiger wären, würde die Verkehrsgesellschaft auch bei diesem Modell profitieren. Die Strecke lasse sich nicht im Standardverfahren reaktivieren, so Gehrke. „Da muss man auch mal kreativ sein.“
Es sei mit vergleichsweise wenig Aufwand vieles möglich. „Zwei Weichen, 200 Meter neue Gleise, und schon ist das VW-Werk mit der Bahn erreichbar“, sagt Gehrken. Dazu kämen Haltepunkte in Loppersum, Suurhusen, Hinte-Harsweg und Emden-Conrebbersweg. Ein Mittelbahnsteig in Abelitz würde es ermöglichen, auch von Norddeich zur Zentralklinik und nach Aurich zu gelangen. Bis zu 130.000 Menschen würden im Einzugsbereich der Strecke wohnen.
Touristiker planen schon mit der Bahn
Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ hat dafür sogar schon Fahrpläne ausgearbeitet. Los geht es dabei immer eine Minute nach der vollen beziehungsweise halben Stunde. Ankommen würde die Stadtbahn in Emden dann 38 Minuten später und wäre damit zehn Minuten schneller als der Bus. Schüler, Pendler, Klinikbesucher und Touristen könnten profitieren. Denn sowohl Emden als auch Aurich böten viele attraktive Ziele, die mit einer Stadtbahn schnell zu erreichen wären.
Ein Punkt, der am Dienstag auch schon im Auricher Bauausschuss zur Sprache kam. Dort wurde das Tourismuskonzept für Tannenhausen vorgestellt – und eine Erreichbarkeit über die Schiene wurde vom Planungsbüro berücksichtigt. Das aber ist laut Gehrken Zukunftsmusik. Zunächst sollte das Grundgerüst, also die Verbindung Aurich-Emden, stehen. „Ausbauen kann man dann immer noch.“
Mit Batteriebetrieb leise nach Aurich
Natürlich hat der Verein auch dafür Ideen. Sie reichen von einer Stadtbahn bis nach Tannenhausen bis zu einem Ring um Aurich. Denn Stadtbahnen können im Gegensatz zu Vollbahnen auch wie eine Straßenbahn auf bestehenden Straßen geführt werden. Das würde schon jetzt funktionieren, so Gehrken. Wenn denn die Auricher Ortsumfahrung doch gebaut werde, sei sogar noch mehr Platz auf den Innenstadtstraßen für die Bahn vorhanden.
Er sieht auch den Widerstand in Moordorf schwinden, seit nicht mehr mit einer „richtigen“ Eisenbahn, sondern mit einer Stadtbahn geplant wird. Die Züge sollen elektrisch fahren. Zwischen Emden und Abelitz würden die Akkus über die bestehende Oberleitung aufgeladen. Bis Aurich würde es dann im Batteriebetrieb weitergehen. Am Haltepunkt am neuen ZOB an der Sparkassen-Arena würde eine fünf Meter lange Oberleitung Gelegenheit zum Nachladen geben. Daher würden die Züge sehr leise fahren und könnten, so Vorstandsmitglied Volkmar Hildebrandt, mit Tempo 50 im Verkehr mitschwimmen. Er könne sich eine Vorrangschaltung der Ampeln in Moordorf vorstellen. Autos und Stadtbahn würden dann gleichermaßen eine grüne Welle durchs Dorf bekommen.
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