Amtsgericht Norden Großaufgebot der Polizei soll Prozess in Norden absichern
Wegen schwerer Körperverletzung müssen sich im Mai zwei Männer vor dem Norder Amtsgericht verantworten. Um Zeugen und das Opfer zu schützen, hat das Gericht zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen.
Norden - Diesen Prozess schätzt selbst das Gericht offenbar als Risiko ein: Ein Großaufgebot von bewaffneten Polizeibeamten und zahlreiche Justizwachtmeister wird im Mai bei einem Verhandlungstermin am Amtsgericht Norden anwesend sein. Das bestätigte das Gericht auf Nachfrage. Verhandelt wird der Vorwurf der schweren Körperverletzung. Begangen wurde die Tat am 19. Juni 2021 vor der Shisha-Bar in der Osterstraße in Norden.
Rückblick: Zwei junge Männer wollten nach der Arbeit in der Shisha-Bar in der Norder Osterstraße den Tag ausklingen lassen. Wie die Polizei damals bestätigte kam es zu einem Überfall vor der Bar. Eines der Opfer, ein heute 25-jähriger Mann, wurde dabei so schwer verletzt, dass er nach Oldenburg ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie seine Pflegeeltern unserer Zeitung berichteten, waren die Gesichtsknochen gebrochen. Sie hatten große Sorge, dass der Mann sein Augenlicht verlieren würde. Laut der Pflegeeltern handelte es sich bei den Tätern um fünf bis sechs arabisch-stämmige junge Männer. Die Angreifer sollen ihr Opfer bis zu seiner Wohnung verfolgt haben.
Opfer laut Pflegemutter noch immer traumatisiert
Das Opfer kam laut der Pflegemutter im Jahr 2015 nach dreijähriger Flucht von Gambia nach Deutschland. Er habe sich schnell integriert, stehe kurz vor seiner Abschlussprüfung seiner Kochausbildung. Und das, obwohl er bis heute von dem Überfall traumatisiert sei, so die Pflegemutter, die aus Sorge um ihre Sicherheit ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Der 25-Jährige tritt als Nebenkläger auf.
Nach langen Monaten der Ermittlungen ist jetzt, zweieinhalb Jahre nach der Tat der Prozesstermin gegen zwei der damaligen Angreifer angesetzt. Am 21. Mai ab elf Uhr soll vor dem Norder Amtsgericht verhandelt werden. Den Vorsitz hat Richterin Roll übernommen, die erst seit Februar dieses Jahres am Amtsgericht tätig ist. Den Prozess vorbereitet hatte noch Richter Michél Demarczyk. Der war es auch, der das massive Sicherheitsaufgebot für den Prozess bestellte. Die Beamten sollen sowohl die Besucher kontrollieren als auch für Ruhe im Gericht sorgen, wenn nötig.
Aus Angst um ihre Sicherheit bleiben Pflegeeltern Prozess fern
Wie die Pflegemutter berichtet, habe Richter Demarczyk ihr in Telefongesprächen gesagt, er befürchte eine Beeinflussung der Zeugen und weitere Störungen aus dem Umfeld der beiden Angeklagten. Diese würden mit der Shisha-Bar in Norden in Zusammenhang gebracht, seien in Justiz- und Polizeikreisen als „hoch problematisch“ und gewaltbereit bekannt.
Darüber hinaus habe der Richter den Pflegeeltern geraten, nicht an der Verhandlung teilzunehmen, weil sie sich durch die Teilnahme in Gefahr begeben würden, so die Pflegemutter. Nach Informationen unserer Zeitung werden die beiden Angeklagten von insgesamt drei hochkarätigen Anwälten aus Bremen und Berlin vertreten. Es sind mehrere Zeugen geladen. Den Behörden soll ein Video von dem Überfall vorliegen.
Rund einen Monat nach dem Überfall im Jahr 2021 wurde die Shisha-Bar in Norden kontrolliert und zunächst geschlossen. Mehr als 90 Einsatzkräfte der Polizei und des Zolls sowie Mitarbeiter des Landkreises überprüften damals die Bar. Schon vor dem Überfall soll es immer wieder Beschwerden wegen Ruhestörungen gegeben haben, bestätigte damals Polizeisprecherin Wiebke Baden. Seit der Razzia soll es insgesamt ruhiger geworden sein, heißt es von Nachbarn aus dem Umfeld der Bar.