Hamburg „Total schockiert“: So reagieren Weggefährten auf den Tod von Andreas Brehme
Mit seinem Tor im Jahr 1990 verhalf er der deutschen Nationalelf zum dritten WM-Titel. Nun erschüttert der plötzliche Tod des WM-Helden Andreas Brehme die Fußball-Welt. So sind die Reaktionen.
Andreas Brehme ist tot. Er starb in der Nacht zu Dienstag an einem Herzstillstand. Das bestätigte seine Lebensgefährtin Susanne Schaefer im Namen der Familie der Deutschen Presse-Agentur, zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.
Seine Karriere als Fußballer begann Brehme im Jahr 1965 bei den Junioren des HSV Barmbek-Uhlenhorst, ab 1978 dann bei den Herren. Bis 1998 war er dann für mehrere Vereine – national sowie international – im Einsatz. Darüber hinaus hatte Brehme 86 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Im Jahr 1990 hatte er im WM-Endspiel gegen Argentinien mit einem Elfmeter das Siegtor zum 1:0 erzielt. Nun reagieren Vereine und Freunde aus der Fußball-Szene mit tiefer Trauer auf seinen Tod.
Der FC Bayern sei „zutiefst erschüttert vom plötzlichen Tod von Andreas Brehme“, teilten die Münchner bei X (früher Twitter) mit. „Wir werden Andreas Brehme immer in unseren Herzen behalten – als Weltmeister und mehr noch als einen ganz besonderen Menschen. Er wird immer ein Teil der FC Bayern-Familie sein. Ruhe in Frieden, lieber Andi!“ 1987 hatte Brehme mit dem FC Bayern die deutsche Meisterschaft geholt, was ihm 1998 auch sensationell mit dem damaligen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern gelang.
Der 1. FC Kaiserslautern schreibt: „Der FCK trauert um Andreas Brehme.“ Die „FCK-Familie“ sei in Gedanken bei den Angehörigen und Freunden von Brehme. „Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, heißt es. Zunächst spielte er von 1981 bis 1986 bei den Pfälzern – im Jahr 1993 kehrte er für weitere sechs Jahre als Spieler zurück und agierte von 2000 bis 2002 dort als Trainer.
Seine ersten fußballerischen Schritte machte der gebürtige Hamburger beim Stadtteilclub HSV Barmbek-Uhlenhorst. Der Verein äußerte sich zum Tod auf Instagram: „Andi, der den meisten wohl durch seinen entscheidenden Treffer im Weltmeisterschafts-Finale von Rom 1990 per Elfmeter in Erinnerung ist, ist ein ‚Barmbeker Jung‘ gewesen, der von klein auf das Fußballspielen bei BU erlernt hat – und sogar für uns in der Oberliga am Ball war, bevor er sich im Weltfußball einen Namen machte. Immer mit dabei: Sein Vater und Trainer Bernd „Eisenfuß“ Brehme, der als Vereinslegende noch im Oktober bei unserer 100-Jahr-Feier mit dabei war. Andreas selbst konnte aus privaten Gründen leider nicht teilnehmen.“
Auch vom Hamburger SV gab es Beileidsbekundungen: „Ein Hamburger Jung und WM-Held ist von uns gegangen“, schreibt der Verein. Der FC. St. Pauli erinnert ebenfalls an den Karrierebeginn von Brehme: „Der gebürtige Hamburger machte einst seine ersten Schritte beim HSV Barmbek-Uhlenhorst. Unser Beileid gilt seiner Familie und Freund*innen.“
Der italienische Klub Inter Mailand, für den Brehme von 1988 bis 1992 auflief, schreibt: „Ein großartiger Spieler, ein großartiger Inter-Fan.“ Im Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid, das am Dienstagabend stattfindet, wolle die Mannschaft Trauerflor tragen, „um an den großen deutschen Meister zu erinnern“.
Für den früheren Nationaltorwart Jens Lehmann ist es ein „trauriger Tag für Deutschland“. „Andy Brehme, einer der Größten, ist zu früh gestorben. Mein Beileid gilt seiner Familie.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf lässt mitteilen: „Der deutsche Fußball hat ihm unendlich viel zu verdanken. Neben Mario Götze, Gerd Müller und Helmut Rahn gehört er zu den vier deutschen Spielern, die unsere Nationalelf zum WM-Titel geschossen haben. Seine Nerven- und Zweikampfstärke, seine Beidfüßigkeit, seine Flanken, seine Pässe, sein Einsatz – all das hat ihn ausgemacht, all das hat uns so viel Freude und so viele große Momente beschert.“
Der frühere Tennis-Star Boris Becker ist „total schockiert vom plötzlichen Tod“ von Brehme. „Gerade haben wir uns noch bei der Trauerfeier vom Kaiser Franz getroffen! Unglaublich, wie schnell es vorbei sein kann! Meine Gedanken sind bei seinen beiden Söhnen“, schreibt er auf X.
Ähnlich äußerte sich auch FIFA-Präsident Gianni Infantino: „Erst letzten Monat waren wir beide noch gemeinsam in München, um das Leben des großen Franz Beckenbauer zu würdigen. Es ist tragisch, dass wir nun den Tod von Andy betrauern“, schrieb er auf Instagram. Brehme werde für immer in den Herzen der deutschen Fußball-Fans bleiben, so der Chef des Weltverbands. Seine Karriere werde auch zukünftige Generationen von Fußballern inspirieren, ergänzte Infantino und schrieb abschließend: „Ciao Legende“.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat die Meldung zum Brehme-Tod „unendlich traurig“ gemacht. „Andy war unser WM-Held, aber für mich noch viel mehr – er war mein enger Freund und Begleiter bis zum heutigen Tag. Seine wunderbare Lebensfreude wird mir fehlen. Meine Gedanken sind nun bei seinen Hinterbliebenen, seinen Freunden, vor allem bei seinen beiden Söhnen. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft“, wurde Völler in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes zitiert.
Sein früherer Mitspieler Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich „tief betroffen und geschockt“ und erinnerte an die gemeinsame Zeit im DFB-Trikot: „Wir haben zusammen die WM 1986 in Mexiko gespielt, und Andi war ein großartiger Teamplayer, extrem loyal und zuverlässig. Seine Lebensfreude war immer ansteckend, und dass er mit 63 schon von uns gehen musste, stimmt mich sehr traurig.“
Auch in der Politik macht die traurige Meldung die Runde. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schreibt: „Mit seinem Elfmetertor im WM-Finale 1990 hat er ganz Deutschland geeint und glücklich gemacht. Er war ein Großer, der im entscheidenden Moment Verantwortung übernommen hat.“
Für NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist ein Kindheitsheld gegangen: „Andreas Brehme war Idol meiner Jugend. Er wird unvergessen bleiben.“
Auch Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD) hat kondoliert. „Heute trauert Hamburg um einen großen Sportsmann“, teilte der Politiker am Dienstag mit. Brehme habe Fußball-Deutschland geprägt wie nur wenige andere. „Ein Barmbeker Jung, der sich als vielseitiger und unberechenbarer Spieler zu einem Sieg-Garant der Nationalmannschaft entwickelte und mit seinem WM-Treffer gegen Argentinien 1990 das Tor seines Lebens schoss.“