Knatsch auf Auricher Wochenmarkt  Lärm durch Markthallen-Umbau bringt Beschicker auf die Palme

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 20.02.2024 07:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Arbeiten an der Markthalle machen eine Baustelleneinzäunung erforderlich. Fotos: Boschbach
Die Arbeiten an der Markthalle machen eine Baustelleneinzäunung erforderlich. Fotos: Boschbach
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Unter Hochdruck wird derzeit die Markthalle entkernt. Das schafft aus Sicht der Beschicker kein gutes Verkaufsklima. Wegen einer Sache gab es ein Missverständnis.

Aurich - Freitagmorgen, 8.20 Uhr, auf dem Auricher Marktplatz. Am Verkaufsstand von Fischhändler Werner Schulz hält sich eine Kundin die Ohren zu: „Was für ein Getöse“, ruft sie. Eben ist mit Karacho eine Ladung Geröll und Schutt aus der Markthalle in einem Container abgeladen worden. Der Glas-/Betonbau wird derzeit entkernt. „Der Lärm ist noch gar nichts“, sagt Werner Schulz. „An manchen Tagen staubt es so, dass ich gegen Mittag eine feine Schicht von meinem Tresen wischen muss.“ Er wisse nicht, was schlimmer sei: das permanente Gepolter wegen der Abbrucharbeiten oder der Schmutz.

Auch Jörg Theilen ist nicht glücklich mit der gegenwärtigen Situation. Der Beschicker bietet regelmäßig Suppen aus einer Gulaschkanone an. Er hat Bierzeltgarnituren aufgestellt, damit die Kunden des Wochenmarkts auch direkt vor Ort etwas verzehren können. Das Angebot wird gerne genutzt und dient dazu, die Verweilzeit auf dem Markt zu verlängern, wie es die Marketingfachleute ausdrücken. „Doch die Bauarbeiten sind nicht gut für die Atmosphäre“, schimpft Jörg Theilen. Wer habe Lust, sich unter diesen Bedingungen an einen Tisch zu setzen und zu essen?

Was ist aus angeblicher Absprache geworden?

Vor dem Eingang der Markthalle ist ein Bereich mit Bauzäunen abgesperrt. Darauf stehen drei unterschiedlich große Container, in die der Schutt gekippt wird. Ein Blick auf den Boden des Markthallen-Gebäudes lässt keinen Zweifel zu: Der Estrich wird komplett aufgestemmt und abgetragen. In regelmäßigen Abständen ist der Boden bereits von Mitarbeitern der Firma Garrelts & Sohn perforiert worden. Jetzt muss der Estrich nur noch weiter aufgesprengt und abgetragen werden.

An Markttagen sollte diese Tätigkeit eigentlich ruhen, verweist einer der Beschicker auf eine angebliche Absprache mit der Stadt. Die dementiert: Davon könne gar keine Rede sein, schließlich müssten die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Es gelte, einen eng getakteten Bauzeitenplan umzusetzen. „Wir haben lediglich verfügt, dass an Markttagen keine Baufahrzeuge auf den Marktplatz kommen dürfen“, sagt Stadtsprecher Johann Stromann auf Anfrage der Redaktion. Das werde auch eingehalten. Weil man den Schutt in die Container kippen könne, sei eine Fortsetzung der Arbeiten gewährleistet. Marktmeisterin Marine Willms-Bürger habe alle Beschicker schriftlich per Whatsapp-Chat darüber informiert, dass der Bauzaun vor der Markthalle noch bis Mitte März stehen bleibe. Das dürfe eigentlich kein Problem darstellen. Die Blumenhändler seien noch nicht vor Ort und die Durchgänge rechts und links breit genug.

Vor der Markthalle stehen derzeit Container.
Vor der Markthalle stehen derzeit Container.

Wird es Beschicker zu bunt, rückt er ab

Dort hat sich am Freitag ein Beschicker aus Leer aufgestellt, der Messer und Küchenutensilien verkauft. Wie kommt er mit der Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten klar? Der Mann gibt sich gelassen: „Die müssen auch ihre Arbeiten machen“, sagt er und nickt in Richtung Markthalle. Wenn es ihm zu bunt werde, rücke er einfach ab. Er suche den Markt in Aurich ohnehin nur noch alle zwei Wochen auf. Die Kunden fehlten, klagt er. Seit zwei Jahren sei das besonders schlimm. Einige Beschicker sehen den Grund für die nachlassende Frequenz in den Bauarbeiten, die der Fußgängerzone ein neues Gesicht gegeben haben und die jetzt abgeschlossen sind.

Mit der Situation müsse man sich eben arrangieren, sagt Johann Stromann. Bauarbeiten werde es in einer Stadt der Größenordnung von Aurich immer geben, auch auf dem Marktplatz. Stromann deutet auf die Löwen-Apotheke. Die ist im Parterre von einem Gerüst eingehaust. Dort sei man derzeit auch tätig und bessere etwas aus, nennt er ein Beispiel. Ob denn nicht ein Verbot der Bauarbeiten an der Markthalle während der Marktzeiten denkbar sei, wollte die Redaktion wissen? Vergleichbares gibt es während der Saison auf den Inseln. Dort sind Bauarbeiten während des Sommers ganz untersagt, um die Gäste nicht in ihrem Erholungsbedürfnis zu beeinträchtigen. Johann Stromann winkt ab, daran sei nun wirklich überhaupt nicht zu denken.

Gemüsehändler Bernd Kuhlmann nimmt die Situation gelassen: „So lange ich die Wünsche meiner Kunden noch verstehen kann und ihnen die richtige Ware aushändige, beschwere ich mich nicht“, sagt der Beschicker aus Bockhorn, der auch noch selbst Gemüse und Kartoffeln anbaut, auf insgesamt 13 Hektar. Ihn plagen ganz andere Sorgen. Er habe Anfang der Woche mit ersten Arbeiten auf dem Feld beginnen wollen. Doch daran sei wegen der Nässe gar nicht zu denken. Das Schlimmste: Es sei kein Hoch gemeldet.

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