Auricher Bahnanschluss Verein wirbt in Hannover für Reaktivierung von Aurich-Abelitz
Als Teenager war Wiard Siebels schon Bahnfan. Als Abgeordneter vermittelt er der Auricher Bahnlobby nun Gespräche mit Ministern.
Aurich - Steter Tropfen höhlt den Stein: Das muss das Motto des Auricher Vereins „Aurich – ran an die Bahn“ sein. Seit den 1990er-Jahren macht sich der Verein für die Reaktivierung der Strecke Aurich-Abelitz stark. Für den damaligen Teenager Wiard Siebels war das Projekt der Anlass, sich politisch zu engagieren. Heute ist Siebels Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag. In dieser Funktion konnte er dem Verein nun ein Treffen mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) vermitteln.
Ausgangspunkt der Unterredung war das erfolgreiche Erreichen der ersten von vier Stufen beim Strecken-Reaktivierungsprogramm des Landes für die Strecke Aurich-Abelitz. Im Oktober wurde vom Lenkungskreis festgelegt, welche Strecken weiter untersucht werden sollen. Von ursprünglich 54 gemeldeten Strecken sind nun noch 14 im Rennen. Neben Aurich-Abelitz sind das Blexen-Nordenham, Rheine-Spelle, Lengerich-Versmold, Bad Bederkesa-Speckenbüttel, Bremerhaven-Langen, Rotenburg-Bremervörde, Lüneburg-Bleckede, Celle-Soltau, Celle-Bergen, Celle-Beckedorf, Celle-Lachendorf, Rinteln-Stadthagen und Bodenwerder-Emmerthal. Diese Strecken sollen nun einer Nutzwertanalyse unterzogen werden. Aurich-Abelitz rangiert dabei ganz oben auf der Liste. Eine weitere Strecke in Ostfriesland, die Reaktivierung der Küstenbahn zwischen Dornum und Esens, ist hingegen rausgefallen.
Betrieb als Straßenbahn soll untersucht werden
Siebels sagte bei dem Treffen laut einer Mitteilung, dass das Bestehen der Strecke Aurich-Abelitz in der ersten Runde ein wichtiger Schritt für die Infrastruktur des Landkreises Aurich sei. Das Verfahren setze sich nun fort, weswegen er dem Verein sehr dankbar sei für den wichtigen Einsatz für diese Strecke.
Der Verein hat im Gespräch mit Olaf Lies insbesondere die Favorisierung der Reaktivierung der Bahnstrecke als Stadtbahn angeregt. Als erstes Ergebnis soll dieser Mischbetrieb nach den Betriebsordnungen für Eisenbahnen und Straßenbahnen in Kombination mit dem existierenden Güterverkehr durch die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) rechtlich und finanziell geprüft werden. Denn bisher erfolgte die Untersuchung nur als sogenannte Vollbahn. Der Vorteil des Betriebs als Straßenbahn ist, dass zum Beispiel die Sicherung der Bahnübergänge nicht so aufwendig ist wie bei einer Eisenbahn.
Bahn könnte Zentralklinik zum Erfolg verhelfen
Der Verein möchte für die Nutzwertanalyse bewirken, dass weitere Parameter betrachtet werden, die eine Reaktivierung begünstigen. Dies wären zum Beispiel die Berücksichtigung von Schüler- und Tourismusverkehr sowie von weiteren Haltepunkten insbesondere an der geplanten Zentralklinik, die als sehr wichtiger Frequenzbringer bislang gar nicht in die Betrachtung eingegangen sei. Eine Straßenbahn könnte auch die Gemeinde Hinte mit anbinden, wie Verkehrsexperte Karl-Georg Schroll bereits im vorigen Jahr dargelegt hatte.
Die Bahnanbindung kann laut der Mitteilung auch für den Erfolg der Zentralklinik selber wichtig sein, die als Blaupause für den erfolgreichen Umbau der niedersächsischen Kliniklandschaft dienen soll. Mit einer funktionierenden und bedarfsgerechten Verkehrsanbindung dieser Klinik auf der grünen Wiese könnten in Zukunft medizinische Fachkräfte in die Region gelockt werden. Hier könne eine gut funktionierende Bahn einen großen Beitrag dazu leisten, die häufig blockierte Bundesstraße 72/210 von dem zu erwartenden zusätzlichem Besuchsverkehr zu entlasten und so auch den Rettungswagen ein schnelles Erreichen der Klinik zu ermöglichen.
Es wurde vereinbart, dass es nach Vorliegen der derzeit laufenden Machbarkeitsstudie des Landkreises Aurich sowie den vereinbarten Voruntersuchungen durch die LNVG ein weiteres Treffen mit Olaf Lies geben soll. Die Machbarkeitsstudie des Landkreises Aurich sollte ursprünglich schon im vorigen Jahr vorgestellt werden. Bislang ist das Papier aber noch nicht fertiggestellt. Warum die Studie sich verzögert, erläuterte Kreissprecher Lennart Adam auch auf mehrfache Nachfragen dieser Redaktion nicht.