Anhaltender Niederschlag  Jeder Liter Regen ist für den Abfluss

| | 19.02.2024 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Überall steht das Wasser, weil die Böden zu nass sind, wie etwa hier auf der Wiese beim Badesee Tannenhausen in Aurich. Foto: Lasse Paulsen
Überall steht das Wasser, weil die Böden zu nass sind, wie etwa hier auf der Wiese beim Badesee Tannenhausen in Aurich. Foto: Lasse Paulsen
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Herbst und Winter waren bisher ungewöhnlich nass. Warum es im Landkreis Aurich trotzdem kein Hochwasser wie in anderen Regionen gegeben hat.

Aurich/Oldersum/Krummhörn - Regen und kaum ein Ende in Sicht: Seit Oktober hat es ungewöhnlich viel Niederschlag im Nordwesten gegeben. Doch anders als in anderen Regionen hat es im Landkreis Aurich keine Flutkatastrophen gegeben. Die Entwässerungsverbände geben auch trotz der fürs Wochenende angekündigten Niederschläge Entwarnung. Warum Aurich und Umgebung so glimpflich davon gekommen sind.

Wie ist die aktuelle Lage?

Im Vergleich zu Weihnachten ist die Lage ähnlich. Die Böden sind nass und übersättigt. Sämtliches Wasser läuft direkt in die Entwässerung, erklären Vertreter aller drei für den südlichen Kreis Aurich zuständigen Entwässerungsverbände. Jeder Liter Wasser, der als Niederschlag vom Himmel fällt, gehe in die Vorfluter, erklärt Helmut Schneider vom Entwässerungsverband Aurich. Auch Adolf Wilken vom Entwässerungsverband Oldersum-Ostfriesland macht deutlich: Jeder Liter Regen ist direkt für den Abfluss.

Wie viel Regen ist in diesem Jahr gefallen?

Von Januar bis Mitte Februar sind allein 181 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Die Messwerte stammen vom Schöpf- und Sielwerk an der Knock in der Krummhörn. In Moordorf war die Niederschlagsmenge ähnlich hoch und in Freepsum lag sie bei 135 Millimetern. „Das ist schon wieder eine Hausnummer“, schätzt Jan van Dyk vom Entwässerungsverband die Mengen ein. Die Mengen variieren je nach Standort, liegen aber alle deutlich über dem Durchschnitt.

Warum sind die hohen Regenmengen jetzt ein Problem?

Die Böden sind einfach übersättigt. Kein Wasser kann mehr aufgenommen werden. Das heißt, das Wasser muss abfließen können. Dazu kommt, dass die Pflanzen noch nicht wachsen und somit kein Wasser aufnehmen.

Was wird gegen die Wassermengen unternommen? Die Entwässerungsverbände mit Siel- und Schöpfwerken sind seit dem Herbst im Dauereinsatz. Wenn Niedrigwasser ist, kann gesielt werden. Das Wasser kann so ohne Pumpen in Richtung Ems/Dollart geleitet werden. Allein 68 Stunden konnte schon im Januar gesielt werden, so Wilken vom Entwässerungsverband Oldersum-Ostfriesland. Auch das Schöpfwerk in Greetsiel sei im Dauereinsatz gewesen, so van Dyk vom Entwässerungsverband Emden. An der Knock liefen die Pumpen auch fast im Dauereinsatz.

Warum gab es kein Hochwasser wie in anderen Regionen?

Zum einen ist es die Arbeit der Pumpen und Siele. Zum anderen hätten die, wenn auch kurzen, Regenpausen immer wieder für Entspannung gesorgt. „Wenn wir die Pausen nicht gehabt hätten, wäre es deutlich schlechter gewesen“, sagt van Dyk.

Welche Folgen haben der nasse Herbst und Winter?

Da die Pumpen im Dauereinsatz waren, rechnen die Verbände aus Oldersum und Emden mit hohen Stromkosten. Genaue Zahlen können die Verbände noch nicht angeben. Aber Wilken schätzt für den Oldersumer Verband einen mittleren fünfstelligen Betrag allein an Stromkosten. Auch müssen vielerorts aufgeweichte Böschungen repariert werden, gibt Schneider vom Entwässerungsverband Aurich zu bedenken. „Da kommen in diesem Jahr Mehrkosten auf uns zu“, sagt Schneider.

Welche Lehren für die Zukunft werden aus dem nassen Herbst und Winter gezogen?

Bei den Entwässerungsverbänden wird mehr und mehr von einem Wassermanagement gesprochen. Früher wollten die Ostfriesen das Wasser los werden. Jetzt ist es so, dass das Wasser im Winter zu viel da ist und im Sommer zu wenig. Das wird sich vermutlich in den kommenden Jahrzehnten verstärken. Zunehmend versiegelte Flächen, Landsackungen, Meeresspiegelanstieg und klimatische Veränderungen sorgen bei den Entwässerungsverbänden für Herausforderungen. Van Dyk schätzt, dass das Sielen ab 2070 nicht mehr möglich sein wird. Denn der Meeresspiegel steigt weiter an. Deswegen drängen die Entwässerungsverbände bei den Politikern auf finanzielle Unterstützung. So müssten neue Pumpen gebaut werden, die die hohen Regenmengen in den Wintermonaten abpumpen können. Und es müsse geschaut werden, ob das Wasser, das im Winter zu viel vom Himmel fällt, für die Sommermonate zurückgehalten werden kann.

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