Berlin  „Kroatien-Krimi“: Das Klischee vom gewaltätigen Süden

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 14.02.2024 19:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Letze Umarmung im „Kroatien-Krimi“: Heute verlässt Brigita (Sarah Bauerett) ihre Freundin Stascha (Jasmin Gerat) - und mit ihr die Krimi-Reihe. Foto: ARD Degeto/Constantin TV/Conny K
Letze Umarmung im „Kroatien-Krimi“: Heute verlässt Brigita (Sarah Bauerett) ihre Freundin Stascha (Jasmin Gerat) - und mit ihr die Krimi-Reihe. Foto: ARD Degeto/Constantin TV/Conny K
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Das Erste zeigt heute einen „Kroatien-Krimi“. Die Beteiligten sind stolz auf ihre gesellschaftliche Relevanz. Der Film selbst ist dann eine Ansammlung von Klischees.

Man sollte meinen, ein Mord ist ein Mord und sieht überall auf der Welt etwa gleich schrecklich aus. Wie falsch das ist, lernt man in der Krimi-Primetime im Ersten. Wenn auf Sylt oder Fehmarn Blut fließt, bleibt der Schrecken eine urige Sache. Die Ermittler sind Originale, die Täter Menschen wie du und ich. Norddeutschland ist provinziell und sympathisch – und genauso wird hier auch getötet. Zumindest, wenn es nach den Regionalkrimis geht.

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Ganz anders sieht‘s da an der Adria aus. Im aktuellen „Kroatien-Krimi“ ist alles gleich viel lauter und gefährlicher. Der Film beginnt schon mit einer Yacht, die in einer Kamikaze-Tour direkt auf den Strand rast. An Bord: ein Aktivist mit K.o-Tropfen im Blut und zwei erschossene Flüchtlinge. Es sind „Die toten Frauen von Brač“, denen die neue Folge den Titel verdankt.

Ab dann liefert der Fall alles, was ARD-Redakteure mit touristischen Hotspots an der EU-Außengrenze assoziieren: Traumhafte Strände, aber eben auch: Schleuserkriminalität, Flüchtlingselend, korrupte Dorfpolizisten, Zwangsprostitution und einen Mafioso, der den Leuten ins Gesicht schießt. Höhepunkt der Episode ist dann sein eigener Tod: Er stirbt an einer Handgranate, die in seiner Unterhose explodiert.

Im Presseheft betont jeder Produktionsbeteiligte die gesellschaftliche Relevanz des dramatischen Falls. Der Blick darauf ist allerdings so genauso deutsch wie die Darsteller, die nach bestem Wissen und Gewissen so tun, als wären sie Kroaten. Alle sind furchtbar betroffen über „Die toten Frauen von Brač“. Die Frauen, die die Schlepper-Mafia überleben lässt, kümmern allerdings keinen. Die traumatisierten Flüchtlinge, um die sich doch eigentlich alles drehen sollte, bleiben Statisten. Mehr als hilflos in die Kamera zu gucken, dürfen sie nicht.

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Gefühle gesteht der „Kroatien-Krimi“ nur seinen Stammfiguren zu: Stascha Novak (Jasmin Gerat) und Brigita Stevic (Sarah Bauerett). Die Kommissarin und die Gerichtsmedizinerin sind inzwischen ein Paar; am Anfang des Krimis ziehen sie fast in eine gemeinsame Wohnung. Dann aber merkt Stascha: Sie braucht noch Distanz. Und Brigita beschließt: Dann passt’s für sie nicht.

Schon die Aussprache nach einer Filmstunde lässt nichts Gutes erwarten. Und tatsächlich: Kurz vor dem Abspann hat Brigita schon gekündigt und ist in der Ferne. Offenbar ist es ein Abschied für immer. Im Presseheft zieht die Schauspielerin die Bilanz ihrer fünf Jahre beim „Kroatien-Krimi“ der ARD: „Manchmal muss man weiterziehen. Der Abschied ist Brigita und aber vor allem mir nicht leicht gefallen“, sagt Sahra Bauerett. „Das Team werde ich am meisten vermissen.“

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So bald werden wir die Pathologin also nicht wiedersehen. Aber wer weiß, vielleicht kehrt sie eines Tages zurück. Erschossen und in die Luft gejagt wurde die Figur ja immerhin nicht. Und wie öffentlich-rechtliche Landeskundler bestätigen: Bei fünf Jahren in Kroatien ist das schon eine ziemliche Leistung.

Sendetermin: Das Erste zeigt „Die toten Frauen von Brač“ am Donnerstag, 15. Februar, um 20.15 Uhr. In der ARD-Mediathek ist der „Kroatien-Krimi“ schon jetzt zu sehen.

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