Genf  Protest gegen Israel: In diesen Ländern gibt es Boykottaufrufe gegen den ESC

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 14.02.2024 17:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
2023 ging die schwedische Sängerin Loreen als Siegerin aus dem ESC hervor. Jetzt regt sich unter anderem in Schweden Widerstand gegen das Musik-Event. Foto: dpa/Peter Kneffel
2023 ging die schwedische Sängerin Loreen als Siegerin aus dem ESC hervor. Jetzt regt sich unter anderem in Schweden Widerstand gegen das Musik-Event. Foto: dpa/Peter Kneffel
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Israel darf am Eurovision Song Contest 2024 teilnehmen. Das hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) beschlossen. Doch nun regt sich vermehrt Protest. Selbst im Austragungsland Schweden rufen Musiker zum Boykott auf. Was sie der EBU vorwerfen und wie die reagiert.

Während sich die deutschen Künstler auf den Vorentscheid des Eurovision Song Contests am 16. Februar vorbereiten, formiert sich in einigen Ländern Protest gegen den alljährlichen Musikwettbewerb. Grund ist die Teilnahme Israels trotz des Krieges in Gaza – zahlreiche Musiker fordern den Ausschluss.

Ganz vorne mit dabei ist der ESC-Gewinner 2023: Schweden. In Malmö soll das Event im Mai ausgetragen werden. Doch nun haben mehr als 1000 Musiker einen offenen Brief unterzeichnet, der sich direkt an die Veranstalter richtet. Das berichtet unter anderem die schwedische Boulevard-Zeitung „Aftonbladet“.

Die Unterzeichner werfen der Europäische Rundfunkunion (EBU) Doppelmoral vor. Immerhin ist Russland 2022 nach dem Einmarsch in die Ukraine vom ESC ausgeschlossen worden. Die Begründung der EBU: Die Aufnahme eines russischen Beitrags könne den Wettbewerb angesichts der beispiellosen Krise in der Ukraine in Verruf bringen. Angesichts rund 25.000 getöteter Palästinenser und einer katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen halten die Musiker dies nun auch im Falle Israels für angebracht.

In Finnland gibt es eine ähnliche Petition, die inzwischen mehr als 1500 Musiker unterzeichnet haben. Hier richtet sich das Schreiben an den öffentlich-rechtlichen TV-Sender Yle, der wiederum die EBU unter Druck setzen soll, Israel vom ESC auszuschließen, wie die europäische Wochenzeitung „Politico“ berichtet. Es solle verhindert werden, dass „ein Land, das Kriegsverbrechen begeht und eine militärische Besatzung fortsetzt, eine öffentliche Bühne erhält, um sein Image im Namen der Musik aufzupolieren“.

An den isländischen Sender RÚV ging eine Petition von rund 550 Künstlern, die dazu auffordert, den ESC zu boykottieren, sollte Israel daran teilnehmen dürfen, wie die Lokalzeitung „Heimildin“ schreibt. Ob der Sender dieser Aufforderung nachkommt, wolle er sich laut Medienberichten bis nach dem nationalen Finale des Song Contests offen halten. Interessant: Daran nimmt auch ein palästinensischer Sänger teil.

Weiterer Protest regt sich etwa in Dänemark und Norwegen, wo ebenfalls Petitionen gestartet wurden. Vor dem norwegischen Sender NKR protestierten laut „Politico“ zudem palästinensische Sympathisanten halbnackt kniend im Schnee. In Irland habe der Sender RTÉ fast 500 Mails erhalten, die zum Boykott aufriefen.

Und was sagt die EBU zum Protest gegen Israels Teilnahme? Man habe die Teilnehmerliste für den Wettbewerb 2024 überprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass der israelische öffentlich-rechtliche Sender KAN alle Wettbewerbsregeln für dieses Jahr erfüllt, so der Generaldirektor der Rundfunkunion, Noel Curran, in einer Erklärung.

Weiter heißt es, der Eurovision Song Contest halte sich stets aus der Politik heraus. Russlands Ausschluss verteidigt Curran damit, dass russische Sender anhaltend gegen die „Verpflichtungen aus der Mitgliedschaft“ verstoßen und die „Werte der öffentlich-rechtlichen Medien“ verletzt hätten.

In Island hat man offenbar Hoffnung, dass die Boykottdrohungen noch fruchten könnten: „Russland wurde erst aus dem Eurovision Song Contest ausgeschlossen, als Finnland drohte, sich aus dem Wettbewerb zurückzuziehen, und andere Länder folgten diesem Beispiel“, heißt es aus der Gruppe der Musiker, die sich für einen Ausschluss Israels vom ESC einsetzen.

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