Aurich „Ostfriesenschwur“: Bei welchen 3 Filmen der ZDF-Krimi klaut
Am Samstag läuft Klaus-Peter Wolfs „Ostfriesenschwur“ im Zweiten. Der Krimi wartet mit ungewöhnlich vielen Leichen auf – und mit noch mehr Zitaten aus der Filmgeschichte.
Wenn man abends die Öffentlich-Rechtlichen einschaltet, läuft mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade ein Küstenkrimi. Logisch, sie spiegeln die besten Eigenschaften ihrer Sender wider: menschenfreundliche Nettigkeit, solides Handwerk und eine tief befriedigende Vorhersehbarkeit. Selbst Mörder sind hier im Grunde gute Kerle. Wer vulgäre Killer sehen will, der soll die Fitzek-Verfilmungen von RTL gucken!
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Insofern wundert man sich, dass die „Ostfriesland“-Krimis tatsächlich beim ZDF laufen. Die Fälle nach den Büchern von Klaus-Peter Wolf löst Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen mithilfe von Visionen. Und die Todesrate ist – zumindest im aktuellen Fall – höher als Ostfrieslands Bevölkerungsdichte.
Vielleicht trägt zum Erfolg der hohe Wiedererkennungswert bei. Im neuen Fall „Ostfriesenschwur“ jedenfalls wird alles zitiert, was im Thriller-Genre Rang und Namen hat.
In den 90er Jahren, als Kevin Spacey noch nicht in Ungnade gefallen war, waren Serienmörder die wahren Helden des Thrillers. Einer der großen Kinohits war David Finchers „Sieben“ – die Geschichte eines religiösen Killers, der seine Opfer den sieben Todsünden zuordnet. Die Schlusspointe bestand darin, dass Kevin Spacey (der Killer) seine eigene Ermordung provoziert, indem er Brad Pitt ein Paket mit dem Kopf von dessen Frau zukommen lässt.
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Der „Ostfriesenschwur“ kommt sehr viel schneller zu Sache: Das erste Paket mit einem abgeschlagenen Kopf hat Ubbo Heide, Ex-Chef der Kripo Aurich, schon in den ersten Minuten auf dem Tisch. Der nächste Kopf landet im Seehundbecken, ein dritter rollt durch die finnische Sauna.
Auch bei der Anzahl der Leichen hält der ZDF-Krimi mit „Sieben“ mit: Sämtliche Tote waren ihrerseits Verdächtige in ungelösten Mordfällen – die in hoher Zahl grausame Ehemänner und unschuldige Kinder unter die Erde gebracht haben.
Einer der größten Thriller aller Zeiten ist Stanley Kubricks „Shining“ (1980) – der Film, in dem ein verrückt gewordener Jack Nicholson Frau und Kind durch ein menschenleeres Hotel jagt. Zu den unheilvollen Andeutungen gehört hier eine Schrift, die das Kind der Familie an die Wand malt: „Redrum“. Das ist, wie sich bald herausstellt, das englische Wort für Mord, nur rückwärts geschrieben.
Der Einfall war ungemein einflussreich. Verdrehte Wörter tauchen seitdem in jedem zweiten Krimi auf. Allein das Wort „Redrum“ wurde zum Titel dreier weiterer Filme, zum Namen mehrerer Bands und zum Episodentitel in den Serien „The Mentalist“, „CSI“ und „Akte X“.
Auch das ZDF greift die Idee auf: Als Absender auf dem Paket mit dem Kopf steht der merkwürdige Ortsname „Ruwsch“. Rückwärts gelesen ergibt das mit Augenzudrücken „Schwur“ – was zur Lösungs des Falls zwar nichts beiträgt, den Zuschauer aber immerhin daran erinnert, dass gerade der „Ostfriesenschwur“ läuft.
Der Master of Suspense heißt Alfred Hitchcock. Und wie jeder weiß, tritt der in jedem seiner Filme persönlich auf. (Selbst wenn sie komplett in einem Rettungsboot spielen: In „Lifeboat“ ziert Hitchcock das Foto einer Zeitungsanzeige.)
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Klaus-Peter Wolf übernimmt im „Ostfrieslandkrimi“ die filmgeschichtliche Routine. In der aktuellen Folge besucht er die Lesung, in der Ex-Kripo-Chef Ubbo Heide seine True-Crime-Memoiren vorstellt. Der echte Autor bittet den fiktiven dann um eine Signatur: „Schreiben Sie für Klaus-Peter.“
Sendetermin: „Ostfriesenschwur“ läuft am Samstag, 17. Februar 2024, um 20.15 Uhr im ZDF. In der ZDF-Mediathek ist der Fall jetzt schon zu sehen.