Hamburg Todesstoß für den Elbtower in Hamburg? Hauptmieterin will offenbar aussteigen
Ein Wolkenkratzer mit 80.000 Quadratmetern Büros – gibt der Markt in Hamburg das überhaupt her? Die Stadt will den Elbtower unbedingt vollendet sehen. Doch nun bricht wohl eine wichtige Säule weg.
Auch das noch: Der Hamburger Elbtower verliert offenbar seinen wichtigsten Mieter. Laut „Hamburger Morgenpost“ steigt die Hamburg Commercial Bank (HCOB) aus dem Vorvermietungsvertrag aus. Als Ankermieterin wollte die frühere HSH Nordbank in dem Prestigeobjekt mehrere Etagen mit insgesamt 11.000 Quadratmetern Bürofläche nutzen, samt Option auf weitere 2000 Quadratmeter.
Die HCOB mochte den Rückzieher am Mittwoch nicht bestätigen, dementierte aber auch nicht. Aus „Vertraulichkeitsgründen und mit Blick auf das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis“ mache das Geldhaus dazu keine Angaben, sagte eine Sprecherin.
Eine Abkehr der Bank vom Elbtower wäre ein schwerer Rückschlag für die Bemühungen, den 245-Meter-Wolkenkratzer an den Elbbrücken weiterzubauen. Wegen Zahlungsunfähigkeit der Bauherrin Signa Prime Selection des Milliardärs René Benko ruhen die Arbeiten dort seit Oktober. Im Rohbau ist der Elbtower bislang erst gut 100 Meter hoch.
Die Stadt und der Insolvenzverwalter versuchen derzeit mit Hochdruck, das Vorhaben zu retten und einen neuen Investor zu finden. Am vorigen Freitag hatte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) angekündigt, dass der unfertige Elbtower mit dem Grundstück in den kommenden Wochen offiziell zum Verkauf gestellt werde.
Der mögliche Ausstieg der HCOB bringt das gesamte Vorhaben zusätzlich in Gefahr. Die Bürgerschaft hatte eine Vorvermietungsquote von 30 Prozent zur Bedingung für den Verkauf des Grundstücks an Signa gemacht. In dem Hochhaus sind allein rund 80.000 Quadratmeter Büroflächen vorgesehen. Weitere feststehende Mieter waren das Luxushotel Nobu, der Versicherungsmakler Aon sowie das Gesundheitsunternehmen Eterno Health.
Die Opposition in der Bürgerschaft sieht das gesamte Vorhaben endgültig vor dem Scheitern. Die Linken-Bauexpertin Heike Sudmann nannte den mutmaßlichen Rückzieher der Bank als „weiteren Sargnagel“ für das Milliardenvorhaben. Sie kritisiert, dass weder Senat noch Bürgerschaft die Vorvermietungsverträge bislang bekannt gewesen seien. Nun stelle sich die Frage, wozu der Elbtower überhaupt weiter in die Höhe gebaut werden solle, so Sudmann: „Die Nachfrage nach Büroflächen sinkt weiter, während Homeoffice immer angesagter ist. Deshalb kann der ‚Kurze Olaf‘ sein Wachstum einstellen. Deckel drauf und gut ist.“
Auch die FDP sieht sich in ihren düsteren Vorhersagen bestätigt. „Das Kartenhaus, das Scholz, Tschentscher und Benko errichtet haben, fällt nun endgültig in sich zusammen“, teilte Vize-Landeschefin Katarina Blume mit. Sie nannte Benko einen „windiger Investor“ und äußerte Zweifel, ob dieser den Umzug der Bank in den Elbtower jemals wirklich geplant habe. Die politische Verantwortung liege beim damaligen Bürgermeister Olaf Scholz und seinem Nachfolger Peter Tschentscher (beide SPD). FDP-Frau Blume: „Das ist roter Filz im Stil eines Polit-Thrillers. Die enge Verflechtung von Politik, Landesbank und Big Business kann die Steuerzahler in der Stadt am Ende teuer zu stehen kommen.“