Prozess in Aurich  Schläge statt Dankeschön – 20-Jährige attackierte Sanitäter

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 14.02.2024 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht in Aurich. Foto: Romuald Banik
Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht in Aurich. Foto: Romuald Banik
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Völlig ausgerastet ist eine 20-Jährige. Als Sanitäter ihr nach einem Zusammenbruch helfen wollten, schlug und trat sie diese. Dennoch gab das Gericht in Aurich der Drogensüchtigen eine Chance.

Aurich - Weil sie unter Einfluss von Alkohol und Drogen mehrfach gegenüber Rettungssanitätern und Polizisten ausgerastet ist, verurteilte das Amtsgericht eine 20-Jährige aus Leer zu einer Jugendstrafe von einem Jahr. Dabei berücksichtigte das Jugendschöffengericht um Maren Hohensee die verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten aufgrund ihres Drogenkonsums. Ins Gefängnis wird die junge Frau vorerst jedoch nicht müssen. Das Gericht setzte die Strafe mit der Auflage zur Bewährung aus, sich in therapeutische Behandlung zu begeben. Die Entscheidung fiel nach einer Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigern.

Nach anfänglichem Zögern hatte die Angeklagte die gegen sie erhobenen Vorwürfe eingeräumt. Immer wieder war sie durch ihr unbändiges Verhalten aufgefallen. Unter anderem war sie im Februar vergangenen Jahres hinter einer Kneipe in Emden zusammengeklappt. Eine Freundin hatte den Rettungswagen alarmiert und die Frau als „aggressiv und hysterisch“ beschrieben. Die Sanitäter berichteten, die 20-Jährige sei bei ihrem Erscheinen aufgesprungen und zunächst vor ihnen in einen Kellerabgang geflüchtet, wo sie erneut zusammengesackt sei. Sie habe partout keine Hilfe gewollt, berichtete eine Zeugin. Sie habe sie ins Gesicht geschlagen und auf sie eingetreten und auch ihren Kollegen angegriffen. Dabei hatte sie beide ununterbrochen unflätig beleidigt und beschimpft, so dass die Polizei zu Hilfe gerufen worden war. Auch gegen sie hatte sich die Angeklagte heftig gewehrt. Schließlich habe man sie auf dem Bauch liegend und in Begleitung von Polizisten ins Krankenhaus transportiert, wo man sie auf der geschlossenen Station aufgenommen hatte. Aus ihrer Tasche waren Drogen und Utensilien für deren Konsum gefallen. Im August war sie auf Helgoland vor einer Sparkasse im Rausch schlafend aufgefunden worden, auch dort war sie Polizisten aggressiv angegangen und hatte sie beleidigt. In ihren Taschen hatte man Crystal Meth sowie Marihuana gefunden.

Nur bruchstückhafte Erinnerungen

Verteidiger Folkert Adler berichtete, seine Mandantin habe sich damals in einem „desolaten Zustand“ befunden, sie sei sowohl drogen- als auch alkoholabhängig. An die Vorfälle erinnere sie sich nur bruchstückhaft, räume ihre Schuld jedoch ein. Warum sie sich nicht habe helfen lassen, könne sie heute nicht mehr erklären. Die junge Frau hatte nach der Verhaftung ihres Ex-Freundes versucht, drogenfrei zu leben, hatte aber feststellen müssen, dass ihr die Abstinenz schwerfällt. Inzwischen wisse sie, dass sie einer Therapie bedürfe, um wieder Fuß fassen zu können, erklärte Adler.

Der Staatsanwalt attestierte der Angeklagten schädliche Neigungen. Aufgrund ihrer „großen Defizite und Erziehungsmängel“ hielt er eine einjährige Jugendstrafe für erforderlich, dem sich das Gericht anschloss. Die Angeklagte wurde angewiesen, sich um einen Therapieplatz zu kümmern. Zur Unterstützung wurde ihr eine Bewährungshilfe zur Seite gestellt. In einer sehr persönlichen Ansprache ermahnte Richterin Hohensee die Angeklagte, sich anzustrengen. Sie habe eine „Galgenfrist“ von sechs Monaten für ihren ersten Bericht über ihre Bemühungen diesbezüglich. „Wir sind immer ein bisschen hinter Ihnen, es würde mich wirklich freuen, wenn es klappte“, gab sie der Angeklagten mit auf den Weg.

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