Preiswerte Wohnungen Grüne wollen die Stadt Aurich als Bauherrin
Seit Jahren fehlen bezahlbare Mietwohnungen in der Stadt Aurich. Nach den Linken fordern nun auch die Grünen eine städtische Wohnungsbaugesellschaft. Begonnen werden soll in einem bestimmten Quartier.
Aurich - Mehr Gegenwind erfährt die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) bei ihren Plänen für das Quartier Schlehdornweg/Hohegaster Weg. Nach den Vorstellungen der NLG sollen dort 60 Wohnungen in sogenannten Kettenhäusern entstehen. Gegen diese Pläne spricht sich nun die Grünen-Fraktion im Auricher Stadtrat aus.
Die NLG möchte die 13 Doppelhäuser, die aus den 1930er-Jahren stammen, durch fünf Kettenhäuser ersetzen. Darunter versteht man eine preislich erschwingliche Alternative zu konventionellen Reihenhäusern, die allerdings den Vorteil eines größeren Abstands zwischen den einzelnen Gebäuden bieten. Das aber würde den Charakter eines gewachsenen Quartiers zerstören, schreibt Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann in einer Mitteilung. Außerdem würde das damit einhergehende Verkehrsaufkommen die Wohnstraßen auf Dauer überlasten.
Stadtwerke Aurich könnten Häuser bauen
Aus Sicht der NLG als Investor sei die Planung folgerichtig, so Altmann. Denn durch die verdichtete Bebauung sei ein Maximum an Wohnraum ebenso wie ein Maximum an Profit zu erwirtschaften. „Gerade das läuft aber den Interessen des sozialen Wohnungsbaus diametral entgegen.“ Das NLG-Vorhaben würde den Mangel an Sozialwohnungen besonders im unteren Preissegment noch verschärfen, da gerade die Angebote für Geringverdiener seit 2014 schrumpfen würden.
Die Grünen fordern daher, mit einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft Sozialwohnungen zu schaffen. Sie schließen sich damit einer Forderung der Linken an, die seit Jahren dafür plädiert, dass die Stadt Aurich selbst Wohnraum schaffen solle. Mit den Auricher Stadtwerken, die als Firma immer noch existieren, gebe es laut Altmann bereits eine passende Hülle für eine solche Wohnungsbaugesellschaft.
Ungeheizte Häuser wurden immer feuchter
Bevor aber der Abrissbagger im Schlehdornweg und im Hohegaster Weg seine Arbeit aufnimmt, wollen die Grünen eine detaillierte Übersicht, wie baufällig die rund 90 Jahre alten Doppelhäuser wirklich sind. „Eine allgemeine mündliche Einschätzung durch das Gebäudemanagement reicht da einfach nicht aus.“ Nach Ansicht der Grünen muss es eine differenzierte Bewertung der Sanierungsfähigkeit der alten Gebäude und der dafür geschätzten Kosten geben.
Die Häuserzeilen, die zwischen 1928 und 1938 entstanden seien, unterschieden sich schon äußerlich in der Substanz, so Altmann. Die Probleme der Feuchtigkeit seien hausgemacht, da knapp 50 Prozent der Wohnungen seit Jahren unbeheizt und ungelüftet sich selbst überlassen würden. „Ein Konzept, das für Oktober 2019 angekündigt war, hat nie den Weg in die politische Beratung gefunden.“
Mieteinnahmen würden Kredite amortisieren
Aus Sicht der Grünen ist es eine Diskussion wert, zumindest die Häuser am Hohegaster Weg auf Sanierungsfähigkeit und Kosten zu untersuchen und damit einen Paradigmenwechsel beim Wohnungsbau zu erreichen. Die zugrunde gelegten Sanierungsstandards und das Zeitargument spielen aus Sicht der Grünen dabei eine entscheidende Rolle. Es gebe in der Stadt Aurich leider viele Beispiele, wie lange der Zeitraum zwischen Planung und Realisierung eines Neubaus liegen könne. Beispiele gebe es in der Großen Mühlenwallstraße und im Krähennestergang.
Die Begründung, dass die Stadt kein Geld für die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft habe, lassen die Grünen nicht gelten. Die Stadt Aurich brauche in die Gesellschaft kein Geld einzubringen, da verschiedene Fördertöpfe vorhanden seien. Die Gesellschaft arbeite auf eigene Rechnung und die Kredite würden sich über Mieteinnahmen langfristig amortisieren. So könne kommunales Vermögen erwirtschaftet werden, statt weiterhin das Tafelsilber der Stadt zu verscherbeln.
Seit Jahren schon versucht Aurich sich darin, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Jahr 2016 wurden daher zwölf Millionen Euro bereitgestellt. Mit dem Geld sollten 100 Wohnungen geschaffen werden. Ein Projekt in der Norderstraße wurde 2018 umgesetzt. Das zweite Projekt im Krähennestergang wurde, unter dem damals neuen Bürgermeister Horst Feddermann, an einen privaten Investor verkauft. Weitergehen sollte es nach den ursprünglichen Planungen dann mit dem Quartier Schlehdornweg/Hohegaster Weg. Doch dazu ist es bis jetzt nie gekommen.
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