Hamburg  Steffen Baumgart bis Friedhelm Funkel – das sind die Trainerkandidaten beim Hamburger SV

Jan-Phillip Wottge, Lars Zimmermann
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Von Jan-Phillip Wottge, Lars Zimmermann
| 12.02.2024 13:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Steffen Baumgart ist der Topfavorit auf die Nachfolge von Tim Walter als Trainer des Hamburger SV. Foto: Imago/Sven Simon
Steffen Baumgart ist der Topfavorit auf die Nachfolge von Tim Walter als Trainer des Hamburger SV. Foto: Imago/Sven Simon
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Ein Feuerwehrmann, der den HSV kurzfristig auf Vordermann bringt? Oder lieber ein Trainer mit einem Konzept für die kommenden Jahre? Beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV werden mehrere Kandidaten für die Nachfolge des entlassenen Tim Walter gehandelt. Doch wessen Spur führt in die Hansestadt?

„Wir haben nach der enttäuschenden Heimniederlage gegen Hannover 96 eine Situationsanalyse vorgenommen und sind zur Entscheidung gekommen, dass wir eine Veränderung vollziehen müssen, um unsere Saisonziele nicht zu gefährden.“ So begründete HSV-Vorstand Jonas Boldt die Trennung von Trainer Tim Walter.

Merlin Polzin übernimmt vorerst die Trainingsarbeit und die Vorbereitung für das Auswärtsspiel bei Hansa Rostock am Samstag (17. Februar, 13 Uhr). Unterstützt wird er von Loic Fave und Torwart-Trainer Sven Höh. Doch das Trio stellt mit Sicherheit nur eine Interimslösung dar. Wer sind die Kandidaten, die als Walters Nachfolger infrage kämen?

Steffen Baumgart wäre die naheliegende Lösung. Er outete sich bereits als Sympathisant der „Rothosen“. Mit dem SC Paderborn hat der 52 Jahre alte Baumgart bewiesen, dass er in die Bundesliga aufsteigen kann. Beim 1. FC Köln, bei dem Baumgart im Dezember vergangenen Jahres entlassen wurde, zeigte er, dass er mit seiner authentischen Art gerade bei Traditionsvereinen gut ankommt. Die Fans dürften ihn lieben.

Zudem steht Baumgart für den offensiven Fußball, den auch Tim Walter bevorzugte. Die Mannschaft müsste sich also nicht großartig umstellen. Das spricht für, aber gleichzeitig auch gegen ihn. Denn Boldt wünschte sich in der Winterpause vor allem mehr Stabilität in der Defensive. Dafür steht Baumgart nicht unbedingt.

Seinen Platz in der Geschichte des Hamburger SV hat Felix Magath längst sicher. Der 70-Jährige schoss den HSV 1983 mit seinem Siegtreffer gegen Juventus Turin im Finale des Europokals der Landesmeister zum größten Erfolg der Vereinshistorie. Bereits zwischen 1995 und 1997 trainierte Magath den HSV. Magath steht für Erfolg und für harte Arbeit. Mit dem VfL Wolfsburg (2009) und dem FC Bayern München (2005, 2006) wurde die HSV-Ikone als Trainer jeweils deutscher Meister.

In einer Zehn-Spiele-Mission rettete Magath Hertha BSC in der Saison 2021/22 in der Relegation ausgerechnet im Duell mit dem Hamburger SV vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Magath kann also auch kurzfristigen Erfolg, wäre aber mit Sicherheit keine Zukunftsentscheidung.

Andre Breitenreiter ist in Hannover geboren, hat einst beim HSV gespielt und bei Hannover 96 sowie in Paderborn bewiesen, dass er eine Mannschaft in die Bundesliga führen kann. Breitenreiter wäre die norddeutsche Lösung mit Stallgeruch. Mit dem 50-Jährigen würde der HSV nicht viel falsch machen.

Der frühere HSV-Stürmer steht eher für pragmatische als revolutionäre Lösungen. Halt eben typisch norddeutsch. Dass er Mannschaften besser machen kann, hat Breitenreiter beim FC Zürich bewiesen, den er zur Schweizer Meisterschaft führte.

Die Verpflichtung von Oliver Glasner wäre ein Griff ins obere Regal. Champions-League-Qualifikation mit Wolfsburg, Europa-League-Sieg mit Eintracht Frankfurt - der Österreicher ist eigentlich zu renommiert, um sich die 2. Liga anzutun. Ein Trainer dieser Güteklasse wäre nicht nur ein Trumpf im Aufstiegskampf, sondern auch ein Ausrufzeichen für die Zukunft.

Da der HSV selbst als Zweitligist ein Verein mit Strahlkraft ist, wäre eine große Lösung durchaus möglich. Und man wird ja auch mal träumen dürfen...

Fast überall, wo ein Trainer entlassen wurde, wird Stefan Kuntz als Nachfolgekandidat gehandelt. Der 61-jährige Europameister von 1996 profilierte sich in den vergangenen Jahren vor allem über die Arbeit beim Deutschen Fußball-Bund.

Kuntz führte die deutsche U21-Nationalmannschaft zu zwei EM-Titeln (2017,2021). Er kann also junge Spieler weiterentwickeln und wäre somit auch ein Kandidat mit langfristiger Perspektive auf einem neuen HSV-Weg. Bis September 2023 stand Kuntz beim türkischen Fußballverband als Nationaltrainer unter Vertrag.

Friedhelm Funkel weiß, wie man in die Bundesliga aufsteigt. Bereits drei Mal gelang dem 71-Jährigen das Kunststück. 2003 führte er den 1. FC Köln zurück ins Oberhaus, zwei Jahre später auch die Eintracht aus Frankfurt. 2018 sprang er im März bei Fortuna Düsseldorf ein und stieg am Saisonende mit den Rheinländern auf. Mit seiner Erfahrung könnte Funkel dem HSV das nötige Feuer für den Aufstieg einhauchen, wäre aber wohl keine langfristige Lösung.

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