Hamburg Depeche-Mode-Fan Nicole Holzhauer erinnert sich an ihr erstes Konzert 1983
Am 17. Februar 2024 spielen Depeche Mode in der ausverkauften Barclays Arena. Für viele Fans dürfte es ein einmaliges Erlebnis sein. Nicht so für Nicole Holzhauer: Sie hat ihre Idole bereits rund 60 Mal gesehen – und mehrmals getroffen.
Es begann 1983 mit „Everything counts“. „Als ich das Lied vor meinem 13. Geburtstag zum ersten Mal im Radio gehört habe“, sagt Nicole Holzhauer, „war ich total geflasht von dem Sound. Die Musik hat mich emotional berührt.“ Damit war ihre Leidenschaft für Depeche Mode entfacht.
Holzhauer kaufte nicht bloß die Platten der Briten, Poster hingen in ihrem Zimmer, jeden Depeche-Mode-Artikel aus der „Bravo“ oder anderen Zeitschriften hat sie ausgeschnitten. In einer Kiste im Keller liegt diese Sammlung bis heute: „Ich würde sie niemals wegwerfen.“
Als Teenager begeistert sich die gebürtige Hamburgerin, die in Reinbek wohnt, aber nicht nur für das kreative Output der Musiker, sie fand die Jungs „rasend hübsch“. Vor allem Sänger Dave Gahan: „Ich war sehr verliebt in Dave.“ Natürlich wollte sie die Band unbedingt live sehen. Zusammen mit einer Freundin, die ebenfalls Fan war. Also erstanden die beiden Tickets für den Auftritt am 23. Dezember 1983 in der Musikhalle, heute Laeiszhalle. „Das war mein erstes Konzert überhaupt“, blickt Holzhauer vor der Depeche-Mode-Show am kommenden Sonnabend in der Barclays Arena zurück
Auf diesen Abend bereiteten sich die Mädchen gewissenhaft vor. Sie packten für jedes Bandmitglied ein Geschenk in einen Karton, den verstauten sie während der Show oben in der Loge und genossen einfach die Musik: „Ich bin total ausgeflippt.“
Hinterher passierte etwas völlig Unvorhergesehenes: Der Ansager des Konzerts nahm die Mädchen mit hinter die Bühne. Sie konnten den Musikern also persönlich ihr Paket überreichen. „Ich weiß nicht, ob ich vor lauter Aufregung einmal geatmet habe“, erinnert sich die 53-Jährige an diesen Moment. Ähnlich mag es den Eltern ihrer Freundin gegangen sind, die nach dem Ende des Gigs im Auto eine Stunde lang auf die Schülerinnen warten mussten.
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Nicht nur dieses Erlebnis ist für Nicole Holzhauer, die in der Immobilienbranche arbeitet, unvergesslich. 1985 traf sie Martin Gore zufällig am Hamburger Hauptbahnhof – nachdem sie sich gerade in einem Plattenladen die Depeche-Mode-Single „It‘s called a Heart“ gekauft hatte: „Er war total nett und hat das Cover unterschrieben.“ Anschließend brachte ihn die 15-Jährige noch zum richtigen Gleis. Martin Gore wollte nämlich nach Erfde im Kreis Schleswig-Flensburg fahren, um seine Gastfamilie in Schleswig-Holstein zu besuchen, bei der er als Austauschschüler gewohnt hatte.
Bei dieser Begegnung konnte sich Nicole Holzhauer schon ein bisschen besser mit Martin Gore unterhalten, als beim ersten Treffen in der Musikhalle: „Ich habe Englisch gelernt, indem ich nachmittags Depeche-Mode-Texte übersetzt habe.“ Auch das Styling der Band hat sie geprägt. Sie kleidete sich am liebsten ganz in Schwarz, im New-Wave-Look: „In der Schule war ich ein Alien.“ Dafür lernte sie im Depeche-Mode-Fanclub Leute kennen, mit denen sie auf einer Wellenlänge lag.
Inzwischen hat sie rund 60 Konzerte im In- und Ausland besucht. Bei Aftershow-Partys hat sie sich einige Male mit den Musikern unterhalten: „Mich hat immer interessiert: Was sind das eigentlich für Menschen?“ Als die Band in den 90er Jahren in eine existentielle Krise geriet und sich – nicht zuletzt wegen Dave Gahans Drogenproblemen – zurückzog, hatte Nicole Holzhauer die Hoffnung auf weitere Aktivitäten allerdings schon aufgegeben: „Ich hätte damals nicht gedacht, dass Depeche Mode wiederkommen würden.“
Umso mehr freute sie sich, als 1997 das Album „Ultra“ erschien und die Band 1998 sogar auf Welttournee ging. Das Konzert in der Berliner Waldbühne ließ sie sich nicht entgegen. Neben ihr, erzählt sie, habe ein Mann gestanden, der wohl das auf den Punkt gebracht habe, was alle gefühlt hätten: „Depeche Mode sind meine Religion.“