Hamburg  Hamburger Elbtower: In vier Wochen kann der Verkauf beginnen

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 09.02.2024 18:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei gut 100 Metern ist erst mal Schluss: Am verhinderten Wolkenkratzer Elbtower herrscht seit Oktober Baustillstand. Foto: Markus Lorenz
Bei gut 100 Metern ist erst mal Schluss: Am verhinderten Wolkenkratzer Elbtower herrscht seit Oktober Baustillstand. Foto: Markus Lorenz
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Wie lange bleibt Hamburg auf der Bauruine des Elbtowers sitzen? Die Antwort kennt zur Zeit niemand. Aber die Verantwortlichen demonstrieren Zuversicht.

Wird für den „kurzen Olaf“ doch noch alles gut? Der Senat glaubt jedenfalls an einen baldigen Weiterbau des Hamburger Elbtowers und sieht Fortschritte zur Rettung des Großvorhabens. Innerhalb der nächsten vier Wochen werde eine „Verkaufsentscheidung“ für das Hochhaus in der östlichen HafenCity „eingeleitet“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein am Freitag vor dem Haushaltsausschuss der Bürgerschaft. 

Einzelheiten nannte die SPD-Politikerin im öffentlichen Teil der Sondersitzung nicht. Aus ihrem Umfeld hieß es, der Insolvenzverwalter werde innerhalb dieses Zeitraums den Vermarktungsprozess für den unfertigen Wolkenkratzer beginnen. Einen Käufer gebe es allerdings noch nicht. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte stets betont, dass es zu einem Weiterbau durch private Investoren kommen werde.

Wegen Zahlungsunfähigkeit der Bauherrin Signa Prime Selection ruhen die Arbeiten an dem Prestigebau seit Oktober. Signa Prima, die zum zusammengebrochenen Firmenimperium des österreichischen Milliardärs René Benko gehört, hatte Ende Dezember Insolvenz beantragt. Seither suchen der Insolvenzverwalter und die Stadt Hamburg nach Geldgebern, die den gut 100 Meter hohen Rohbau-Torso übernehmen und zu Ende bauen. Mit 245 Metern sollte der Elbtower nach bisherigen Plänen das dritthöchste Gebäude in Deutschland werden.

Der damalige Bürgermeister und heutige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte das Projekt kurz vor seinem Abschied nach Berlin Anfang 2018 stolz der Öffentlichkeit vorgestellt. Er sagte zu, dass dafür kein Euro Steuergeld fließen werde. 

Pein musste vor dem Ausschuss nun einräumen, dass auch die Stadt zu den Gläubigern der Elbtower-Gesellschaft zählt und auf unerfüllten Forderungen von geschätzt 1,2 Millionen Euro sitzt. Der Betrag resultiere aus von der Stadt und der städtischen HafenCity GmbH erbrachten Ingenieurleistungen und statistischen Berechnungen. Laut Senatorin werde der Senat die Zahlung des Geldes im Zuge des angestrebten Verkaufs der unfertigen Immobilie geltend machen.

Karen Pein erneuerte zugleich die Zusage an die Öffentlichkeit, dass sich die Hansestadt finanziell nicht an den Kosten der Bauarbeiten beteiligen werde. Laut den Kaufverträgen besitze Hamburg ein Rückkaufsrecht für das einstmals städtische Grundstück. Sollte die Stadt diese Option ziehen, würde ihr zugleich das Eigentum an dem Rohbau zufallen. Beobachter sehen darin ein erhebliches Druckmittel gegenüber den Signa-Prime-Anteileignern – darunter Klaus-Michael Kühne –, die in einem solchen Fall viel Geld verlieren würden. 

Mehrere Ausschussmitglieder übten während der Sitzung offen Kritik am Elbtower-Deal mit Investor Benko. „Wir haben als Bürgerschaft einen Fehler gemacht“, gestand der SPD-Abgeordnete Markus Schreiber selbstkritisch: „Ich dachte, mit der Vorvermietungsquote kriegen wir den Scheiß weg.“ In Richtung Signa-Management sagte er: „Aber wird sind gelinkt worden.“ 

Die auf Druck der Bürgerschaft ausgehandelte Quote von 30 Prozent vorvermieteter Flächen im Elbtower sollte die Stadt genau vor dem bewahren, was nun trotzdem Wirklichkeit geworden ist: Dem privaten Bauherrn geht das Geld aus, und Hamburg bleibt auf einer Bauruine in prominenter Lage sitzen.

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