Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel  Wegen einer Großbaustelle bleibt die Küche kalt

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 09.02.2024 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gastronomie der Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel ist derzeit eine Riesenbaustelle. Aktuell wird alles für das neue Fundament des Anbaus vorbereitet. Foto: Ullrich
Die Gastronomie der Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel ist derzeit eine Riesenbaustelle. Aktuell wird alles für das neue Fundament des Anbaus vorbereitet. Foto: Ullrich
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Handwerker mit schwerem Gerät sieht man dort, wo sich normalerweise Gäste ihren Fisch schmecken lassen. Den gibt’s während der Umbauphase vorerst nur zum Mitnehmen.

Neuharlingersiel - Die Gastronomie samt Verkaufsbereich für frischen und Räucherfisch, Feinkostsalate und Krabbenbrötchen der Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel ist kaum wiederzuerkennen. Statt Gästen wuseln hier Handwerker durch den Verkaufsraum im Rohbau-Zustand. Fast das gesamte Gebäude ist entkernt worden. Nur wenige Wände sind jetzt noch dort, wo sie vor dem Beginn des Umbaus Anfang November 2023 standen. Aktuell hat die Küche zwar geschlossen, mit leeren Händen und knurrendem Magen muss aber niemand wieder gehen: Fischbrötchen und Backfisch auf die Hand oder Frisch- und Räucherfisch für den Verzehr daheim gibt es weiterhin in einem improvisierten Verkaufsbereich. Zwei Verkaufswagen haben zumindest ein abgespecktes Sortiment parat.

Michael Frütel ist Geschäftsführer der Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel. Foto: Ullrich
Michael Frütel ist Geschäftsführer der Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel. Foto: Ullrich

Die von der Cliener Staat, der Hauptverkehrsader Neuharlingersiels, wohl am deutlichsten sichtbare Veränderung ist das Fehlen von Stücken der Außenwand. Ein Teil der bisherigen Außenhülle des Gastronomie-Gebäudes hat ausgedient: Der Restaurantbereich wird in östlicher Richtung um einen Anbau erweitert, erläutert Michael Frütel beim Besuch der Baustelle. Dafür laufen gerade die vorarbeitenden Arbeiten für ein neues Fundament, ergänzt der Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft. Die Arbeiten stellten die zumeist regionalen Handwerkerteams bereits vor einige Herausforderungen. Frütel: „Es gab ein paar Überraschungen.“ Aufgrund des hohen Grundwasserstandes musste beispielsweise zwischenzeitlich eine Menge Wasser abgepumpt werden. Viel schlimmer aber war offenbar der Zustand der Grundplatte der 2006 errichteten Immobilie: „Die ist ursprünglich mit vielen Mängeln gebaut worden und musste nun mit viel Aufwand verbessert werden.“

Mehr Platz für mehr Gäste

Künftig sollen in den vergrößerten Innenraum 110 statt bisher 90 Sitzplätze passen. Die mehr als 100 Plätze im Außenbereich bleiben erhalten. Ein Besuch bei der Genossenschaft gehört für viele Neuharlingersiel-Besucher fest ins Programm. Für viele Deutsche gehört Fisch allerdings nicht nur im Urlaub an der Küste auf den Speiseplan: Demnach lag der Pro-Kopf-Verbrauch für das Jahr 2022 bei 14,4 Kilogramm Fanggewicht. Das geht aus Informationen des Fisch-Informationszentrums hervor. In dem Verein sind Unternehmen und Verbände der deutschen Fischwirtschaftaus der Hochseefischerei und Fischindustrie, der Fischgroß- und -einzelhandel sowie die Fischgastronomie vertreten.

Im Inneren der Gastronomie wurde alles entkernt und die Bereiche wurden neu unterteilt. Foto: Ullrich
Im Inneren der Gastronomie wurde alles entkernt und die Bereiche wurden neu unterteilt. Foto: Ullrich

Der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zufolge entspricht dies 1,217 Millionen Tonnen Fisch, der 2022 auf deutschen Tellern landete. Das ist nach dem Coronajahr 2020 die zweithöchste Verbrauchsmenge an Fischen, Krebs- und Weichtieren in den letzten zehn Jahren. Trotz Steigerung liegen die Deutschen damit im internationalen Vergleich übrigens unter Durchschnitt: Der wurde im Vergleichszeitraum auf 20,5 Kilo pro Person berechnet.

Mehr Platz für mehr Gäste

Insgesamt drei Millionen Euro investiert die Genossenschaft in ihr neues Selbstbedienungsrestaurant. Mit Beginn der neuen Urlaubssaison zu Ostern soll alles fertig sein. Für die Kunden wird manches neu, verrät Frütel. Beispielsweise wird es eine Selbstbedienungstheke für Fisch geben. Zudem soll Beratung und Kassieren in Zukunft getrennt voneinander ablaufen. Damit soll das Fachpersonal mehr Zeit für die Beratung der Kunden haben. Hintergrund ist der Fachkräftemangel: „Personal zu finden ist ein Riesenthema“, stellt Frütel klar. Insgesamt beschäftigt die Fischerei-Genossenschaft rund 35 Mitarbeiter, vorrangig im Verkauf und in der Gastronomie.

Im hinteren Bereich des jetzigen Rohbaus finden Lager, Küche und sanitäre Anlagen für die Gäste Platz. Foto: Ullrich
Im hinteren Bereich des jetzigen Rohbaus finden Lager, Küche und sanitäre Anlagen für die Gäste Platz. Foto: Ullrich

Darüber hinaus wird in puncto Lebensmittelhygiene und auch technisch alles auf den neusten Stand gebracht, führt der Geschäftsführer der Fischerei-Genossenschaft weiter aus. Lüftungsanlagen und Kühlsysteme werden zum Beispiel neu geplant. Strom gibt es in Zukunft von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Damit hat hier Gas in der Küche ausgedient.

Auf der Baustelle sind vorrangig hiesige Unternehmen am Werk. Generalunternehmer ist das Bauunternehmen Meyerholz aus Friedeburg. Foto: Ullrich
Auf der Baustelle sind vorrangig hiesige Unternehmen am Werk. Generalunternehmer ist das Bauunternehmen Meyerholz aus Friedeburg. Foto: Ullrich

Gegründet wurde die Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel 1951. Ziel damals war es, den von den Fischer im Ort heimgebrachten Fang direkt zu vermarkten. Heute kommt nur noch Granat frisch vom Kutter. Den kauft die Fischerei-Genossenschaft ungeschält und laut Frütel maximal 24 Stunden alt von den direkten Nachbarn zu, der Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer. Ein Qualitätsmerkmal, meint Frütel: „Wir können sagen, von welchem Kutter die Krabben sind.“ Der Fisch stamme größtenteils aus den Niederlanden.

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