Zukunft der Norder Klinik  Aktionsbündnis nennt Statamed eine „Mogelpackung“

| | 06.02.2024 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das ehemalige Norder Krankenhaus wird seit Juli vergangenen Jahres zum Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) umgebaut. Foto: Romuald Banik
Das ehemalige Norder Krankenhaus wird seit Juli vergangenen Jahres zum Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) umgebaut. Foto: Romuald Banik
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Das Aktionsbündnis Norden hat sich zum für die Klinik vorgestellten Projekt Statamed geäußert. Für das Aktionsbündnis eine „Mogelpackung“.

Norden - Nach der Pressekonferenz der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden, bei der der Fortschritt des regionalen Gesundheitszentrums (RGZ) und das Statamed-Projekt für Norden vorgestellt wurde, hat sich jetzt das Aktionsbündnis Norden dazu zu Wort gemeldet. Die Trägergesellschaft habe mit Statamed Hoffnungen auf eine bessere stationäre Gesundheitsversorgung geweckt, heißt es in einer Mitteilung. Das sieht das Aktionsbündnis aber anders.

„Bei näherer Betrachtung erweisen sich Statamed und RGZ als Mogelpackungen für Norden. Gebraucht wird eine Notfallversorgung, wie es sie hier bis letztes Jahr gegeben hat“, sagte Anke Lohmann, Sprecherin des Aktionsbündnis. Wie so oft in den vergangenen Jahren werde viel versprochen und das Gegenteil betrieben. Viele Patienten und Angehörige mit Erfahrung in den Kliniken Aurich-Emden-Norden würden das leidvoll bestätigen.

RGZ nimmt laut Gesetz nicht mehr an Notfallversorgung teil

Fakt sei, dass das geplante regionale Gesundheitszentrum mit seinen eingeschränkten Öffnungszeiten laut Paragraf zwei, Absatz vier der Niedersächsischen Krankenhausverordnung nicht an der Notfallversorgung im Sinne des Niedersächsischen Krankenhausgesetzes teilnimmt, so Lohmann.

An dieser Tatsache ändere auch Statamed nichts, sagte Knut Richter, Co-Sprecher des Bündnisses. Er wies außerdem darauf hin, dass Statamed ein zeitlich und finanziell begrenztes Projekt sei, und dass für das Gelingen des Projektes die vertragliche Bindungsbereitschaft der niedergelassenen Ärzte mit der AOK voraussetze. Dabei sind die Vertragsbedingungen bisher nicht einmal der Trägergesellschaft bekannt, wie diese in der Pressekonferenz bestätigte.

Aktionsbündnis wirft Klinik- und Kreisführung Versagen vor

Eine Notfallversorgung an sieben Tagen rund um die Uhr sei am Klinikstandort Norden weiterhin nicht vorgesehen, auch keine intensivmedizinische. Statamed wirke faktisch als „Abwrackprämie der bisherigen Notfallversorgung im Krankenhaus Norden“, heißt es in der Mitteilung. Gemessen an den um rund zwei Drittel eingeschränkten Öffnungszeiten bedeute das RGZ „tatsächlich ein weiteres Runterfahren der medizinischen Versorgung“. Ein Ende des Leistungsabbaus sei nicht absehbar.

Unterdessen häuften sich die Patientenbeschwerden wegen Nicht- oder Unterversorgung im Klinikverbund Aurich-Emden-Norden. Ein völliges Versagen der Landkreis- und Klinikführung offenbare sich in der Tatsache, dass eine funktionierende Notfallstation geschlossen wird, ohne dass ein Konzept vorliege, wie es weitergehen soll, so das Aktionsbündnis. „In totaler Ignoranz der Lage soll jetzt der Versorgungsbedarf bis zu diesem Sommer untersucht werden, wobei das RGZ-Konzept bereits als in der Umsetzung behauptet wird. Mehr Durcheinander geht nicht“, heißt es weiter. Die niedergelassenen Ärzte in Norden könnten sich darauf einstellen, die Schuld in die Schuhe geschoben zu bekommen, „wenn Statamed nicht so funktioniere, wie es die Auricher Krankenhausschließer versprechen“.

Konzept Statamed sehe funktionierendes Krankenhaus vor

Die sich für umfangreiche Krankenhausschließungen einsetzende Bertelsmann-Stiftung habe dennoch bereits vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass wegen der Sozialgesetzgebung und der gewachsenen Versorgungsstrukturen für Statamed und vergleichbare Modelle keine dauerhafte Realisierungschance gegeben sei. Tatsächlich wolle die Trägergesellschaft denn auch nur die Fördermittel im Rahmen des RGZ-Vorhabens einstreichen, wobei das eigentliche Konzept, so wie es Dr. Michael Gröning für ein Krankenhaus entwickelt habe und wo es Sinn mache, zugunsten des Auricher Kreishaushalts auf der Strecke bleibe, teilte das Aktionsbündnis mit.

Das Konzept Statamed von Dr. Michael Gröning sehe die Integration in ein funktionierendes Krankenhaus vor. Darin liege der entscheidende Unterschied zu Norden, wo es keine somatischen Abteilungen und keine intensivmedizinische Notfallversorgung und somit zurzeit kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr gebe. Das würde auch das Verschieben von Praxen in die Räume der ehemaligen Klinik nicht zudecken.

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