Immobilienmarkt Größter Einbruch seit 30 Jahren
Der Markt für Grundstücke und Immobilien ist im vorigen Jahr eingebrochen. Bei den Bauplätzen ist der Absturz im Landkreis Aurich am größten.
Aurich - Schon im vorigen Jahr kündigte sich der Absturz an, nun hat sich der Trend drastisch fortgesetzt: Der Markt für Grundstücke und Immobilien ist rapide eingebrochen. Lediglich bei landwirtschaftlich genutzten Flächen blieb die Zahl der Verträge auf dem Vorjahresniveau. Ansonsten registrierte der Gutachterausschusses für Grundstückswerte Aurich unter dem Vorsitz von Martin Homes in allen Bereichen rückläufige Zahlen. „So stark abgefallen sind die Zahlen in den vergangenen 30 Jahren nie“, so Homes. Die Zahlen stellte er am Dienstag zusammen mit seinem Vertreter Hermann Gossel in einem Pressegespräch vor.
Im Landkreis Aurich wurden demnach im vorigen Jahr über 20 Prozent weniger Kaufverträge abgeschlossen als noch 2022. Statt 3665 waren es nur 2908 Kontrakte. Seit 2019 sinkt diese Zahl, jedoch war der Abstieg im vergangenen Jahr besonders stark. Besonders groß ist der Einbruch bei Baugrundstücken bis zu einer Größe von 2000 Quadratmetern. Die Zahl der Kaufverträge ist im vergangenen Jahr um über 59 Prozent zurückgegangen. Nur noch 156 Verträge wurden abgeschlossen.
So wenige Verträge wie nie
Im Jahr 2022 waren es noch 384 Käufer, die sich ein Baugrundstück im Landkreis Aurich sicherten. Das macht sich auch bei den Umsätzen bemerkbar: Diese sanken im Landkreis Aurich um über 33 Prozent auf 738 Millionen Euro. Beim gesamten Bereich Bauland, zu dem auch Bauerwartungsland gehört, gingen die Verkäufe um 49 Prozent zurück. Gleichzeitig wurden bei den Verkäufen aber mehr Flächen umgesetzt. Waren es 2022 noch 1113 Hektar, so stieg diese Größe im vorigen Jahr auf 1171 Hektar. Das bedeutet, dass die Preise insgesamt gesunken sind.
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte (GAG) Aurich ist zuständig für die Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie die kreisfreien Städte Emden und Wilhelmshaven. Im gesamten Gebiet ist die Zahl der Kaufverträge zurückgegangen. Mit 8555 Verträgen waren es 20 Prozent weniger als noch im Jahr 2022. Im gesamten Gebiet sind auch gleichzeitig die Immobilienpreise um 15 Prozent gesunken. So kratzte der Gesamtumsatz im Jahr 2022 noch knapp an der Grenze von drei Milliarden Euro. Im vorigen Jahr waren es nur noch 2,1 Milliarden Euro.
Angebot und Nachfrage nähern sich an
Mehrere Gründe kann Homes sich für den Rückgang vorstellen. So seien im vorigen Jahr die Zinsen wieder gestiegen, was sowohl das Bauen als auch den Hauskauf verteuere. Daneben sei auch die Erschließung von Bauland teurer geworden. „Im ländlichen Bereich kann man Baugebiete nicht unter 100 Euro pro Quadratmeter erschließen.“ Bei Gebrauchtimmobilien kam die Ungewissheit hinzu, in welche Richtung sich die gesetzlichen Vorgaben beim Thema Heizung bewegen würden. Da hätten die Käufer dann lieber abgewartet. Dadurch aber habe die Nachfrage insgesamt nachgelassen.
Aus Sicht von Homes handelt es sich aber eher um eine Rückkehr zur Normalität. „Angebot und Nachfrage nähern sich wieder an.“ Die Preise seien bis 2022 stark angestiegen – und seien nun ungefähr wieder im selben Rahmen gesunken. Es könne sein, dass sie noch weitere fünf Prozent nachgeben in den kommenden Monaten. Insgesamt aber geht er davon aus, dass die Preise nun stabil bleiben. Denn die Nachfrage komme nun langsam wieder in Gang bei den Hauskäufen.
„Im Timp“ als Preistreiber
Bei den Baugrundstücken werde aber nach wie vor gekauft, so Homes – wenn auch auf niedrigem Niveau. So gab es in der Stadt Aurich im Jahr 2022 noch 91 Kaufverträge für Baugrundstücke. Im vorigen Jahr waren es nur noch 38. Baugebiete würden nun nicht mehr innerhalb weniger Monate vermarktet. Es dauere nun wieder mehrere Jahre, bis alle Grundstücke verkauft seien. Glück habe der Investor Udo Fuhrmann beim großen Auricher Baugebiet „Im Timp“ gehabt. „Er hätte nicht ein Jahr später starten dürfen mit dem Verkauf“, sagt Homes. Fuhrmann hatte gegenüber den ON im November 2023 gesagt, dass 80 Prozent der Grundstücke verkauft seien, bei Mehrfamilienhäusern sogar 90 Prozent. Auch Fuhrmann war überrascht davon, wie schnell die Grundstücke verkauft werden konnten. Erst seit drei Jahren beschäftigt er sich mit dem Gebiet, das sowohl in Extum wie auch in Haxtum liegt.
Ebendieses Baugebiet ist aber in den vergangenen Jahren auch ein Preistreiber in der Stadt Aurich gewesen. Darauf weist Martin Homes hin. Vor der Erschließung in Extum und Haxtum hätten die Baulandpreise in der Stadt Aurich im Schnitt bei 140 Euro pro Quadratmeter gelegen. Dann seien dort Preise von über 200 Euro pro Quadratmeter ausgerufen worden. „Das hat die Stadt auf ein anderes Level gehoben.“ Denn ältere Bauplätze, die zuvor noch bei 60 Euro lagen, hätten sich nach oben orientiert. Dadurch sei der Durchschnittspreis in Aurich nach oben geklettert, denn die Spitzenlagen hätten sich nur minimal um rund zwei Prozent erhöht.
Mietwohnungsbau könnte sich wieder mehr lohnen
Zurückhaltung macht sich auch bei gewerblichen Baugrundstücken bemerkbar. Firmen überlegen es sich derzeit offenbar gründlich, ob sie in Neubauten investieren wollen. Im Landkreis Aurich gab es dabei gegen den Trend noch vier Prozent mehr Kaufverträge in diesem Bereich, wenn auch auf niedrigem Niveau: Insgesamt waren es 24. Noch vor zwei Jahren wurden 40 Kaufverträge über Gewerbeflächen abgeschlossen. Über den gesamten GAG-Bereich gab es einen Rückgang von 26 Prozent. Billiger geworden sind auch Gebrauchtimmobilien. Um 13 Prozent ist im Landkreis Aurich die Zahl der Kaufverträge zurückgegangen. Die Preise sind seit April 2022 um 18 Prozent gesunken.
Weiter gestiegen sind hingegen die Mieten im gesamten GAG-Bereich. Für den Landkreis Aurich weist der Bericht ein Plus von sieben Prozent aus. Seit 2015 sind die Mieten um 45 Prozent angestiegen. Da gleichzeitig die Preise beim Bauen rückläufig seien, so Homes, könnte sich der Mietwohnungsbau nun wieder mehr lohnen. Es könnte sein, dass sich in diesem Segment wieder mehr Unternehmen engagieren.
Die Grundstücksmarkdaten können kostenfrei im Internet abgerufen werden. Dort besteht auch die Möglichkeit, auf die landesweiten Zahlen sowie auf Daten aus den Vorjahren zurückzugreifen.