Omas gegen Rechts  Mit dem Schild auf Ostfrieslands Demos

Patrick van Hove
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Von Patrick van Hove
| 06.02.2024 08:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hilde Pitters und Roswita Mandel gehen mit zahlreichen anderen Bewegungs-Anhängern in Ostfriesland als „Omas gegen Rechts“ auf die Straßen. Foto: Patrick van Hove
Hilde Pitters und Roswita Mandel gehen mit zahlreichen anderen Bewegungs-Anhängern in Ostfriesland als „Omas gegen Rechts“ auf die Straßen. Foto: Patrick van Hove
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Wer dieser Tage auf einer der zahlreichen Demos in Ostfriesland vorbeischaut, dem fällt eines auf. „Omas gegen Rechts“ lautet es auf einigen laminierten Schildern. Aber, was hat es damit auf sich?

Wittmund/Emden - Die kleinen, einlaminierten Plakate sind nicht größer als ein herkömmliches Stück DIN A4-Papier. Die schwarz-gedruckten Buchstaben darauf senden allerdings eine deutliche Botschaft, machen das unbedeutende Blanko-Papier zu einem nicht mehr wegdenkbaren Teil auf zahlreichen Demos im ganzen Land. „Omas gegen Rechts“ engagiert sich aus Bremen heraus in so ziemlich allen Orten - auch in Wittmund, Emden und Norden. Weitere Gemeinde und Städte sind in Planung. Und sie alle vereint Eines: der öffentliche Kampf gegen die Rechtspolitik.

Wer es ganz genau nimmt, der könnte meinen, dass sich die „Omas“ überall rumtreiben. Und tatsächlich waren sie sowohl bei den Bauernprotesten als auch bei den Demonstrationen gegen die Alternative für Deutschland in Emden, Aurich und anderswo mit dabei. Aber wie passt das zusammen? Die Emderin Hilde Pitters hat eine Antwort parat: „Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, wenn man für seine Rechte auf die Straße geht. Deswegen unterstützen wir beispielsweise auch die Bauern bei dem, was sie tun.“ Auch die Fridays-For-Future-Bewegung soll bei ihrer nächsten Demo begleitet werden. Dann werden sich auch hier die laminierten, kleinen Papiere wiederfinden.

„Omas“ in ganz Ostfriesland verteilt. Tendenz? Wachsend.

Zumindest die Wahrscheinlichkeit dazu ist groß. Denn mittlerweile sind die „Omas“, wie sie sich selbst nennen, in ganz Ostfriesland verteilt. In Norden, Wittmund, Leer, Esens und Norden haben sich schon eigene Gruppen gebildet. Eigentlich fehlt diese nur noch in Aurich: „Dort gibt es schon „Aurich zeigt Gesicht“. Das ist eine ähnliche Bewegung. Das wird sicher einer der Gründe sein“, so Pitters. Weitere, gibt sie zu, hätte sie auch gar nicht.

Pitters selbst ist so etwas wie die Gründerin der Bewegung im Raum Ostfriesland. Was in Emden startete, machte schnell die Runde. Davon ließ sich auch die Wittmunderin Roswita Mandel anstecken: „Es ist so unfassbar wichtig, dass wir auf die Straßen gehen.“ Insbesondere die Demonstrationen gegen Rechts sind für sie der Grund gewesen, in Wittmund selbst eine „Omas“-Bewegung aufzubauen. Binnen kürzester Zeit haben sich rund 20 Personen gefunden, die sie unterstützt haben. Besonders interessant dabei: Mandel, die eigentlich als SPD-Frau im Kreistag sitzt, durfte auch Mitglieder anderer Parteien begrüßen. „Die private politische Richtung ist dabei absolut kein Thema. Da sind wir uns alle einig, das hat dort nichts zu suchen“, so Mandel.

Politik und Demonstration - ist das trennbar?

Ganz unpolitisch sind die „Omas“ dann aber doch nicht - oder Frau Pitters? „Ich würde uns absolut nicht als eine Partei oder Ähnliches sehen. Aber unsere Demokratie, und damit ein ganz wichtiger Teil unserer Gesellschaft, ist in Gefahr. Was für ein Grund soll noch kommen, dass wir aktiv werden?“ Pitters und Mandel selbst sind Demo-erfahren. Bereits in den 70er-Jahren, im Kampf um die Abschaffung des Paragrafen 218, welcher die Abtreibung der Frauen verbot, sind beide aktiv auf den deutschen Straßen. „Wir haben demonstrieren und für unsere Werte einstehen gelernt“, so Mandel.

Die Methoden der „Omas“ dabei sind simpel: Kleine Plakate, laminiert und mit Sprüchen versehen, werden einfach nur hochgehalten. „In anderen Städten und Bewegungen wird noch gesungen. Wir schweigen eher“, so Pitters. Und wer würde einer Oma schon etwas antun, richtig? „Es ist in unserem Alter sicher einfacher, als mit Mitte 20 auf einer Demonstration gehört und respektiert zu werden“, gesteht Pitters ein.

Aufklärung und Hilfestellung als primäres Ziel

Und genau deshalb hören sie auch nicht auf. Denn es funktioniert, in Ostfriesland sind sie in aller Munde. Denn nicht nur in den Zeitungen oder den Sozialen Medien tauchen immer wieder Bilder mit ihren Plakaten auf. Auch der Zuspruch wächst immer weiter: „Wie weit es gehen kann und wird, wissen wir nicht. Aber es werden immer mehr. Und das ist wichtig und richtig“, so Mandel, die sich vor E-Mails und Anfragen kaum retten kann.

In erster Linie ginge es drum, denen, die Hilfe brauchen, dabei zu unterstützen gehört zu werden. „Viele wissen gar nicht, was sie in Diskussionen mit Pro-AfD-Menschen beispielsweise sagen müssen“, so Mandel. Dort würden Studien und Zahlen herumgeworfen, die den gegenüber überfordern würden: „Wir erklären die Hintergründe und vermitteln das nötige Know-how.“

Inwieweit dies nun in die politische Richtung geht, mag jeder für sich selbst beurteilen. Ganz frei machen davon kann sich wohl keiner in der Bewegung. Doch am Ende stehen die „Omas“ für etwas und gehen auf die Straße. Ob es am Ende etwas bewirken kann und wird, weiß niemand. Die Aufmerksamkeit ist ihnen dieser Tage jedenfalls gewiss. Denn wer kann schon vorbeischauen, wenn eine Gruppe ruhiger, lieber Rentnerinnen einfach nur ihre Schilder hochhält - vermutlich niemand.

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