Kulturbrennerei Doka  Neuer Verein will wieder mehr Kultur nach Norden bringen

| | 05.02.2024 11:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Janine Bohne (von links hinten), Gesine Agena, Tina Schipper, Monika Pfeifer, Jana Kremer, Timo Schneider, Katja Mehler (vorne links), Naveen Angepat. Frouwine Stoltmann und Nina Drolsbach vom Verein Kulturbrennerei Doka. Foto: Kulturbrennerei Doka
Janine Bohne (von links hinten), Gesine Agena, Tina Schipper, Monika Pfeifer, Jana Kremer, Timo Schneider, Katja Mehler (vorne links), Naveen Angepat. Frouwine Stoltmann und Nina Drolsbach vom Verein Kulturbrennerei Doka. Foto: Kulturbrennerei Doka
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Durch die Anmeldung der Demo gegen Rechts wurde der Verein Kulturbrennerei Doka über Nacht einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Jetzt erzählen die Mitglieder, wer sie sind und was sie vorhaben.

Norden - Quasi über Nacht war der Name Kulturbrennerei Doka in Norden in aller Munde. Spontan hatte sich der erst 2023 gegründete Verein dazu entschieden, die Demonstration „Feierabend für Faschismus! ,„Nie wieder‘ ist jetzt“ anzumelden. Jetzt erzählten die Mitglieder unserer Zeitung, wer sie sind und was sie in Norden vorhaben.

Am besten beschreibt man die derzeit rund 15 Mitglieder des Vereins wohl als bunten Haufen fröhlicher Künstler und kulturinteressierter Menschen. Sie sind im mittleren Alter, stehen mitten im Leben. Viele von ihnen stammen aus Norden, waren zwischendurch in anderen Städten zu Hause und sind zurückgekehrt. Andere sind mit ihren Partnern nach Norden gekommen oder schon vor 30 Jahren zugezogen. Was sie eint, ist die Erfahrung aus anderen Städten und die Erkenntnis, dass das kulturelle Angebot in Norden seit ihrer Jugend deutlich abgenommen hat. Dass es ihnen an Orten der Begegnung, an Treffpunkten und Kulturveranstaltungen fehlt.

Ein Gebäude gab den Gedankenanstoß

Und dann war da dieses Haus – gemeint ist die ehemalige Werkstatt auf dem Doornkaatgelände, direkt neben Popkens Eisenwarenladen. „Ich fahre seit Jahren an dem Gebäude vorbei“, erzählte Monika Pfeifer. „An einem Wochenende im Jahr 2021 war ich in der Ausstellung der Galerie 72 und bei den Norder Packhaustagen“, erzählte Pfeifer. Dabei hatte sie vor allem einen Gedanken: „Mehr davon“, erzählte sie. „Da habe ich das irgendwie alles schon in diesem Gebäude gesehen“, sagte Pfeifer. Der Grundstein für die spätere Vereinsgründung.

Die Rückansicht der ehemaligen Werkstatt auf dem Doornkaat-Gelände. Dieses Gebäude möchte der Verein renovieren. Foto: Kulturbrennerei Doka
Die Rückansicht der ehemaligen Werkstatt auf dem Doornkaat-Gelände. Dieses Gebäude möchte der Verein renovieren. Foto: Kulturbrennerei Doka

Gespräche mit Freunden ergaben Netzwerke, es fanden sich Gleichgesinnte. Ein Auftakttreffen in der Westgaster Mühle im März 2023 zeigte: Alle fanden die Idee gut. Mit allen Verwaltungsakten dauerte die Gründung des Vereins dann bis zum 29. September 2023.

Name sagt viel über die Ziele des Vereins

Der Name des Vereins verrät eigentlich schon viel über die Ziele: Denn es soll Kultur auf dem ehemaligen Gelände der Schnapsbrennerei Doornkart entstehen – der Name“ Kulturbrennerei Doka“ war geboren.

Wer steckt hinter dem Verein Kulturbrennerei Doka?

Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem Tina Schipper, gebürtige Norderin, die zwischenzeitlich in Lüneburg gewohnt hat; Gesine Agena, ebenfalls gebürtige Norderin, die lange in Berlin gelebt hat; Monika Pfeifer, in Hamburg geboren, studierte sie in Gießen und ist seit den 90er Jahren in Norden; Janine Bohne, ist wiedergekehrte Norderin, die vorher in Köln und Berlin gewohnt hat; Katja Mehler, bezeichnet sich als „Beuteostfriesin, denn ihr Mann hat sie aus Stuttgart mit nach Ostfriesland gebracht. Durch ihre ähnlichen und doch unterschiedlichen Lebenswege bringen sie alle Erfahrungen und Netzwerke mit, die in der Vereinsarbeit nützlich sind.

Mittlerweile gibt es auf der Homepage des Vereins www.kulturbrennerei-doka.de einen Mitgliedsantrag. Es könnte also schon bald deutlich mehr Mitglieder geben.

Bis der Traum vom eigenen Gebäude auf dem Doornkaat-Gelände Wirklichkeit geworden ist, würde sich der Verein freuen, wenn es eine Zwischenlösung geben könnte. Wer dem Verein einen Raum oder ein Gebäude zur Verfügung stellen könnte, kann sich beim Verein melden.

Die Idee des Vereins: Doornkaat ist Teil der Kultur Nordens. Das alte Werkstatt-Gebäude soll kultureller Treffpunkt, Arbeitsstätte für Künstler und Begegnungsort für Menschen in Norden werden. Auch eine Gastronomie ist angedacht. Dafür will der Verein das Gebäude von der Stadt kaufen.

Verein will barrierefreien Begegnungsraum schaffen

„Wir wollen eine Lücke schließen. Viele Norder gehen zum Studium oder zur Ausbildung weg und kommen in den 30ern wieder zurück. Und dann gibt es ganz viele, die ihre Rente hier verbringen wollen“, sagte Katja Mehler. Entsprechend seien die Angebote in Norden. Es fehle etwas Offenes, ein Begegnungsraum für alle Altersstufen mit unterschiedlichen Angeboten und vor allem barrierefrei. Das ist im wörtlichen und übertragenen Sinn gemeint. Menschen sollen kommen können, ohne sich irgendwo anmelden zu müssen. Sie sollen die Räume aber auch mit Kinderwagen oder Gehhilfen erreichen.

Kulturbrennerei Doka will dabei viele Themen miteinander verbinden. Einen Ort bieten für Kunst und Kultur, für Ausstellungen, Konzerte, Programm-Kino, Workshops, Festivals; Werkstätten für Künstler und Kunsthandwerker und gegebenenfalls Ladenfläche für Kunst und Kunsthandwerk; Tagungsräume mit der Möglichkeit, dort Veranstaltungen, Fortbildungen, Formate der politischen Bildung zu machen; Räume, die auch von Vereinen und Gruppen gemietet werden können. Außerdem schwebt ihnen ein Café- und Kneipenbetrieb vor, generationsübergreifend besonders für Familien (Familiencafé mit Angeboten für Kinder) und Jugendliche (Jugendcafé); Büroräume und Räume für Co-Working-Space; ein Repair-Café. Wichtig ist ihnen dabei: Sie wollen keine Konkurrenz sein für andere Einrichtungen. Es soll ein Miteinander sein in Norden.

Unterstützung von Politik und Verwaltung

Von der Stadt Norden und der Politik erhalten sie bei ihren Plänen bisher eine große Unterstützung, erzählen die Mitglieder. So werde auf Antrag der SPD-Fraktion die alte Werkstatt auf dem Doornkaat-Gelände nun doch nicht abgerissen und stünde somit prinzipiell für den Verein zur Verfügung. Auch die Stadt Norden freut sich über das große Interesse des Vereins, im ehemaligen Werkstattgebäude einen kulturellen Begegnungsort zu schaffen, Kunst und Kultur in unserer Stadt zu fördern und das Doornkaat-Quartier mitzugestalten und neu zu beleben, wie sie auf Anfrage mitteilte. „Die uns bisher bekannten Ideen des Vereins nehmen wir positiv wahr und gehen stark von der Teilnahme der Kulturbrennerei Doka e.V. am Wettbewerb aus“, so Sprecherin Ahlam Gandura-Kourich.

Dass die Umsetzung all dieser Ideen Geld kostet und auch nicht nur im Ehrenamt zu schaffen sind, ist dem Verein klar. Deshalb bewerben sie sich um Fördergelder und wollen Unterstützung bei der lokalen Wirtschaft einwerben. „Zum Glück wissen wir vom beruflichen Hintergrund her, wie das geht mit den Förderanträgen. Wir wissen aber auch, dass das eine riesige Aufgabe ist. Wir gehen da nicht blauäugig dran“, sagte Tina Schipper. Als gemeinnütziger Verein finanzieren sie sich darüber hinaus über Spenden. „Wir sind noch auf der Suche nach einem großen Mäzen“, sagte Schipper mit einem Augenzwinkern.

Verein träumt von Kräuterbeeten und einem großen Miteinander

Die Vereinsmitglieder strotzen nur so von Begeisterung und Enthusiasmus. Dabei ist ihnen klar, dass noch zahlreiche Höhen und Tiefen vor ihnen liegen, bis sie ihr Ziel erreichen. Davon lassen sie sich aber nicht ausbremsen. „Das Gebäude ist so prädestiniert, da so etwas zu machen. Es hat so eine Vielfalt, die sich auch im Verein in den Mitgliedern widerspiegelt“, sagte Tina Schipper. Einige sind beruflich in der Baubranche, andere seien im sozialen Bereich tätig, in der politischen Bildung, es gebe Handwerker und Kunsthandwerker, Menschen, die gerne Musik machen. „Wir wollen das Miteinander an einen Ort bringen und auch für andere Leute erlebbar machen. Wenn ich mir vorstelle, dass das alles klappt, wie wir uns das denken, dann stehen da draußen die Tische und Bänke, da stehen Hochbeete, wo Kräuter wachsen“, schwärmt Schipper.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zunächst müssen sie sich im Investorenwettbewerb der Stadt beweisen und sich um „ihr“ Gebäude bewerben. Der Wettbewerb läuft derzeit noch nicht. Laut Stadtverwaltung wird die Bewerbungsphase, „sofern alles nach Plan läuft“, voraussichtlich im Herbst dieses Jahres gestartet. Dann braucht es Zusagen auf die gestellten Förderanträge. Trotzdem geht auch die aktive Vereinsarbeit weiter. Ostersonnabend soll es eine Veranstaltung in der Westgaster Mühle geben. Außerdem gibt es die Idee einen Quartalsstammtisch einzurichten – zunächst auch in der Westgaster Mühle. Das erste Treffen dieser Art soll am Freitag, 16. Februar, um 19 Uhr stattfinden.

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