Osnabrück Wechsel der Krankenkasse: Wie man Geld beim Gesundheitsschutz spart
Erstmals steigt der Zusatzbeitrag bei einigen Kassen auf mehr als zwei Prozent – andere bleiben deutlich darunter. Zeit, die Kasse zu wechseln und dabei die Zusatzleistungen unter die Lupe zu nehmen. In einigen Extras schlummert zusätzliche Kostenersparnis.
Rund 400 Euro können angestellte Gutverdiener mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5.000 Euro bei einem Wechsel von der teuersten zur günstigsten bundesweit geöffneten Krankenkasse im Jahr sparen. Diese Beitragsdifferenz liegt am Zusatzbeitrag, den jede Kasse individuell erhebt und jährlich angleicht. Erstmals haben manche Kassen ihn in diesem Jahr auf über zwei Prozent erhöht.
Der Zusatzbeitrag wird zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent hinzuaddiert. „Da freiwillig versicherte Selbstständige die Beiträge alleine zahlen, können die Unterschiede der Kassen bei ihnen noch mehr ins Gewicht fallen als bei Angestellten“, sagt Daniela Hubloher, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hessen. Das obige Beispiel beschreibt den Maximalfall, in der Praxis wird der Unterschied zwischen den Kassen im Durchschnitt nicht ganz so deutlich ausfallen.
Wer keine besonderen Ansprüche an seine Krankenkasse hat und keine Zusatzleistungen in Anspruch nimmt, kann allein aus Spargründen zu einer günstigeren Kasse wechseln, sagt Hubloher. Wer allerdings eine genehmigte Leistung, etwa eine Psychotherapie, noch nicht begonnen hat, muss damit rechnen, dass die neue Kasse den Fall erneut prüft und zu einer anderen Entscheidung kommen kann, warnt die Verbraucherschützerin. Laufende Behandlungen übernimmt die neue Kasse hingegen. Geliehene Hilfsmittel wie Rollstühle müssen ausgetauscht werden.
Es lohnt sich, vor einem Wechsel die Zusatzleistungen zu prüfen, die die Kassen freiwillig anbieten können. In manchen steckt bares Geld. „Im besten Fall erhält man durch einen Wechsel mehr Leistung für weniger Beitrag“, sagt Hubloher. Wer in diesem Jahr eine Fernreise plant und teure Reiseimpfungen benötigt, kann jetzt noch zu einer Kasse wechseln, die diese umfangreich erstattet. Manche Kassen übernehmen auch mehr Kosten beim Zahnersatz, das kann sich finanziell richtig lohnen. Versicherte müssen jedoch bereit sein, sich vom Kooperationszahnarzt der jeweiligen Krankenkasse behandeln zu lassen.
Wer zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wünscht, die er bisher bar bezahlt hat beim Arzt, kann gezielt eine Kasse suchen, die hier mehr erstattet. Gerade für Familien und im Bereich der Krebsvorsorge leisten manche Kassen mehr als andere. „Auch mehr Leistungen bei Kinderwunschbehandlungen können eine deutliche Kostenersparnis darstellen, denn diese Behandlung geht schnell ins Geld“, sagt Hubloher.
Einige Kassen bezuschussen Behandlungen beim Osteopathen. Etwa 120 Euro für drei bis vier Sitzungen pro Jahr sind üblich, manche Kassen leisten auch mehr. Allerdings darf die Behandlung häufig nur von speziell ausgebildeten Therapeuten oder einem Mediziner mit Zusatzausbildung ausgeführt werden. Über die genauen Erstattungsmodalitäten sollte man sich vorher bei der Kasse erkundigen.
Bonusprogramme standen lange in der Kritik, nur besonders intensive sportliche Aktivitäten von gesunden Versicherten zu fördern. Chronisch kranke Menschen oder ältere Menschen hatten kaum eine Chance, teilzunehmen und von Prämien zu profitieren. Das hat sich geändert. Auch wer Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt oder sich impfen lässt, erhält bei vielen Kassen pro Maßnahme oft zehn Euro direkt aufs Konto überwiesen.
Voraussetzung für einen Kassenwechsel ist eine zwölfmonatige Mitgliedschaft bei der bisherigen Kasse. „Man stellt einen Antrag bei der neuen Kasse, diese übernimmt dann die Kündigungsmodalitäten bei der bisherigen Kasse“, sagt Hubloher. Es gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten. Hebt die Kasse ihren Zusatzbeitrag an, entsteht ein Sonderkündigungsrecht. Dann entfällt die zwölfmonatige Mindestmitgliedschaft.
Guter Service einer Kasse bringt keine Kostenersparnis, kann aber für Versicherte ein wichtiger Aspekt sein. „Gerade ältere Menschen wünschen sich häufiger eine Geschäftsstelle, die sie persönlich aufsuchen können“, hat Hubloher erfahren. Viele schätzen es auch, wenn es rund um die Uhr eine Hotline mit medizinischem Rat gibt oder eine Kasse Facharzttermine vermittelt.
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