Verkehrsentwicklung Norden soll neuen öffentlichen Nahverkehr bekommen
Noch im Jahr 2024 will der Bürgermeister einen fertigen Plan für den neuen ÖPNV in Norden präsentieren. Dafür wurden jetzt noch einmal Ideen und Wünsche der Bevölkerung eingesammelt.
Norden - Noch in diesem Jahr will Bürgermeister Florian Eiben einen fertigen Plan in der Schublade haben, wie ein sinnvoller öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) für Norden aussehen kann. Die ersten Weichen für diesen Weg sind bereits gestellt. Ob und wann der Plan dann aber umgesetzt werden kann, hängt vor allem von den finanziellen Möglichkeiten der Stadt ab. Jetzt konnten die Norder Bürger den Planern noch einmal ihre Wünsche und Ideen für den ÖPNV mit auf den Weg geben.
Klar ist für die Stadt Norden: Das Angebot für die Bürger muss sich verbessern. Das sagte auch Bürgermeister Florian Eiben jetzt bei einer Informationsveranstaltung. Dabei sollen sowohl Menschen in der Kernstadt beachtet werden als auch Menschen, die in den weiter entfernten Stadtteilen leben. Um die Idee vernünftig zu erarbeiten, hat die Stadt das Unternehmen „Mobilitätswerk“ aus Dresden beauftragt, in den vergangenen 22 Monaten gemeinsam mit der Verwaltung, der Politik und der Bevölkerung ein Leitbild, also eine Grundidee, davon zu erarbeiten, wie der ÖPNV der Zukunft in Norden aussehen könnte. Teil dieses Prozesses war ein Fußverkehrscheck, eine Haushaltsbefragung, eine Verkehrsbefragung und eine Verkehrszählung. Außerdem werteten die Verkehrsexperten zahlreiche Daten aus.
Gutachter: Norder ÖPNV nicht attraktiv genug
All das floss schließlich in den Norder Verkehrsentwicklungsplan, der der Politik Ende des vergangenen Jahres vorgestellt wurde. Darin stehen nicht nur Grundideen und Handlungsfelder, sondern auch konkrete Maßnahmen, wie etwa die geplante Fahrradstraße durch den Hollweg, parallel zur Norddeicher Straße oder die Einführung eines Stadtbusses.
René Pessier, Geschäftsführer der Mobilitätswerk GmbH, kam ziemlich schnell auf den Punkt: Der ÖPNV in Norden ist abseits der Hauptachsen nicht attraktiv genug, so der Experte. Die Idee der Norder, um Abhilfe zu schaffen, ist ein zusätzliches Stadtbus-Angebot. Das soll nach Vorstellung von Gutachtern und Verwaltung sowohl die Strecke von Norden nach Norddeich – also die Nord-Süd-Route – abdecken, als auch eine Ost-West-Verbindung schaffen. Dreh- und Angelpunkt der neuen Routen soll nach Wunsch der Verwaltung der groß ausgebaute Zob am Norder Bahnhof sein. Der wird aus Sicht von Eiben viel zu wenig angefahren. Stattdessen halten zurzeit viel mehr Busse am weniger dafür geeigneten Marktplatz mit deutlich weniger Platz und weniger Haltebuchten.
Emden hat aus eigenen Fehlern gelernt
Um von den Erfahrungen anderer Kommunen zu profitieren, waren zur Bürgerveranstaltung auch der Geschäftsführer des Emder Stadtverkehrs, Olaf Schmidt, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Hage, Peter Herborg, geladen. Außerdem noch mit in der Diskussionsrunde war Holger Korn vom Senioren- und Behindertenbeirat. Schmidt machte klar: Entscheidend für die Attraktivität des Busangebotes ist die Taktung. In Emden gibt es zwölf Linien, die durch einen Rufbus und Anrufsammeltaxis ergänzt werden. Diese Kombination von Buslinien und einem Zusatzangebot, stellt sich auch die Verwaltung für Norden vor.
Im vergangenen Jahr zählte der Emder Stadtverkehr 1,8 Millionen Beförderungen. Sie hätten aber auch gemerkt, dass die Vielzahl der Linien gar nicht nötig sei, so Olaf Schmidt. Deshalb werde sich das Emder Angebot noch einmal verändern. Auf drei Hauptlinien sollen die Busse künftig im 15-Minuten-Takt fahren, statt wie bisher im Halbstunden-Takt. Jeden Stadtteil per Linienbus anzubinden, habe sich aber als Fehlentscheidung herausgestellt. „Da transportiert man viel Luft“, sagte Schmidt, denn die Busse fahren vielfach ohne Fahrgäste. Auch mit den Veränderungen kostet diese Art von Nahverkehr Geld. Eine niedrige siebenstellige Summe ist es laut Schmidt in Emden. Trotzdem gibt es in Emden besonders günstige Angebote, um die Menschen zum Umsteigen in den Nahverkehr zu bewegen. Eine Monatskarte für eine Person kostet beispielsweise 30 Euro. Aber: Die Karte ist übertragbar und es können insgesamt vier Personen mitfahren. Das koste zwar viel Geld. Es brauche aber solche Angebote, um die Leute in den Nahverkehr zu holen.
Norden müsste jährlich 600.000 Euro zuschießen
In Hage ist es nicht ganz so teuer, denn da und in Großheide haben die Einwohner einen Bürgerbusverein gegründet. Zwei Linien gibt es in der Samtgemeinde, die täglich viermal in den Ort fahren. Insgesamt 18 Busfahrer arbeiten ehrenamtlich. So werden hohe Personalkosten vermieden.
Die Stadt Norden müsste nach den Berechnungen der Gutachter pro Jahr etwa 600.000 Euro zuschießen, wenn sie den neuen Busverkehr auf die Straße bringen wollen. Ob und ab wann sich die Stadt das leisten kann, ist laut Bürgermeister Florian Eiben noch völlig unklar. Ihm sei es aber wichtig, „endlich wieder einen fertigen Plan in der Schublade“ zu haben, auf den man zurückgreifen könne, sagte er.
Die nur wenigen Norder, die sich zur Bürgerversammlung eingefunden haben, wünschten sich einen „attraktiven“ Bürgerpreis, damit auch Menschen mit kleinem Geldbeutel sich das Angebot leisten können. Außerdem drängten sie auf eine sinnvolle Verknüpfung mit dem Busfahrplan des Landkreises, der ebenfalls mit Bussen in und nach Norden fährt. Um solche Absprachen zu ermöglichen, muss aber jetzt zuerst Norden seine Hausaufgaben machen und einen eigenen Plan erarbeiten.