Gegen den Verkehrsinfarkt Aurich plant Mitfahrzentrale und Mitfahrbänke
Mit einer Online-Plattform für Pendler will die Stadt Aurich Fahrgemeinschaften zusammenbringen. Es gibt aber auch ein analoges Angebot: Mitfahrbänke. Die sollten eigentlich längst stehen.
Aurich - 29.600 Pendlerbewegungen Tag für Tag: Aurich erstickt im Autoverkehr. Laut dem Pendleratlas der Agentur für Arbeit fahren täglich 13.700 Berufstätige in die Kreisstadt zur Arbeit. 7000 fahren aus der Stadt, um anderswo zu arbeiten. 8900 pendeln innerhalb der Stadt. Die Mehrheit dieser Pendler ist mit dem Auto unterwegs, meist allein.
Durch Fahrgemeinschaften ließe sich das Verkehrsaufkommen verringern. Die Stadt Aurich will dazu beitragen, indem sie eine digitale Mitfahrzentrale einrichtet. Sie hat sich für die Plattform „Pendla“ entschieden, an die bundesweit bereits mehr als 370 Kommunen angeschlossen sind – unter anderem der Landkreis Ammerland. Die Stadt zahlt dafür eine Nutzungsgebühr von gut 6000 Euro pro Jahr.
Die Suchmaske gibt es schon
Nutzer von „Pendla“ können sich kostenlos registrieren und online passende Mitfahrgelegenheiten suchen oder anbieten. Sie geben in die Datenbank ein, zu welcher Uhrzeit sie von wo nach wo pendeln, und der Computer oder das Smartphone spuckt passende Partner aus. Dabei geht es um regelmäßige Fahrten, nicht um spontane Ausflüge.
Eigentlich sollte es im Februar losgehen, doch der Start von „Pendla“ verzögert sich bis März, wie Klimaschutzmanager Tjarko Tjaden dem Verkehrs- und Umweltausschuss des Rates mitteilte. In den kommenden Tagen werde die Verwaltung Briefe an rund 2000 Unternehmen verschicken, damit diese ihren Standort als Ziel für Pendler in die Datenbank eintragen. Immerhin: Eine Online-Suchmaske mit dem Landschaftsgebäude als Aurich-Wahrzeichen existiert bereits.
Mitfahrbänke schmoren im Betriebshof
Verzögerungen gibt es bei einem weiteren Projekt, das in Aurich Fahrgemeinschaften zusammenbringen soll: den Mitfahrbänken. Eine Mitfahrbank ist ein Möbelstück, das an einem festgelegten Ort steht und auf dem Menschen Platz nehmen können, die eine Mitfahrgelegenheit suchen. Das gewünschte Ziel wird auf einem Schild neben der Bank angezeigt. Autofahrer können dort stoppen und die Wartenden mitnehmen.
Der Ortsrat Brockzetel/Wiesens hat bereits im November 2022 die Aufstellung von drei Mitfahrbänken in Wiesens, Brockzetel und Egels beschlossen. Zwei Bänke stehen beim Betriebshof bereit und sollen in Brockzetel (bei der Feuerwehr) und in Wiesens (am Dorfplatz) aufgestellt werden. Diese Auskunft hatte Klimaschutzmanager Tjaden dem Ausschuss bereits im September 2023 gegeben, vor fünf Monaten. Doch noch immer ist in Brockzetel und Wiesens weit und breit keine Mitfahrbank zu sehen, wie Ortsbürgermeister Gerhard Wulff (Die Linke) auf Anfrage mitteilte.
Ortsbürgermeister ist sauer
Wulff ist sauer. Er vermutet gar einen Boykott der Mitfahrbänke durch die Verwaltung. „Ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären, warum sie es nicht machen“, sagte Wulff der Redaktion. „Das ist doch eine einfache Sache. Sie wollen′s einfach nicht. Warum, ist mir schleierhaft. Das wird ausgesessen von der Verwaltung.“ Es sei für ihn als Ortsbürgermeister und auch für die anderen Ortsratsmitglieder unangenehm, die Leute immer wieder vertrösten zu müssen.
Klimaschutzmanager Tjaden versprach in der Ausschusssitzung, dass die beiden Mitfahrbänke im Frühjahr aufgestellt werden. Wieso genau es zu der Verzögerung gekommen ist, blieb unklar. Tjaden sprach von vielen Aufgaben, die zu erfüllen seien. Die beiden Bänke sollen erst der Anfang sein. „Mit zwei Mitfahrbänken macht man keine Revolution in Aurich“, hatte Tjaden im September gesagt. Aber zwei sind immerhin ein Anfang – wenn sie tatsächlich mal aufgestellt werden.