Wien/Hamburg Mini-Elbtower, Monopoly und selbst Klobürsten: Benkos Machtzentrale unter dem Hammer
Das Inventar aus dem Hauptquartier des insolventen Immobilienkonzerns Signa wird versteigert. Unter den Auktionsstücken finden sich so manche Kuriositäten.
Auf die milliardenschweren Insolvenzen im Reich des österreichischen Unternehmers René Benko folgt nun eine Versteigerung der exklusiven Ausstattung des Firmensitzes im Wiener Palais Harrach. Nach der Pleite der Signa-Holding soll anscheinend alles zu Geld gemacht werden, was nicht niet- und nagelfest ist, um so einen – eher überschaubaren – Beitrag zum Fortbestand der Holding zu leisten.
Bei einer ersten Auktion Mitte Januar wurden dabei bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Ein Set mit Klobürstenhalter, Klopapierhaltern und Mülleimer aus der noblen Holding-Zentrale im Wiener Stadtzentrum war einem Bieter 600 Euro wert. Das siegreiche Gebot für einen Büro-Kaktus lag bei 220 Euro.
Für ein aus norddeutscher Sicht ganz besonderes Stück Signa-Geschichte fällt der Auktionshammer am Freitag um 9.27 Uhr. Das Gebot für ein Architekturmodell des Hamburger Elbtowers mit Rufpreis von 20 Euro stand am Donnerstagmittag bei 2800 Euro.
„Wer sich einen kleinen Anteil an den prestigeträchtigen Signa-Immobilien sichern möchte, kann bei aufwändig gestalteten Projektbroschüren, Bildern oder 3D-Gebäudemodellen von Park Hyatt Vienna, Elbtower und Co. mitbieten“, schreibt das Auktionshaus Aurena. Der Haken an der Sache: Das Elbtower-Modell muss vor Ort in Wien abgeholt werden. „Selbstabholung und Selbstabbau am Abholungsstandort. Kein Versand möglich“, heißt es in den Lieferbedingungen.
Die Andenken an die Signa-Gruppe des österreichischen Unternehmers René Benko könnten historischen Wert haben. Die Verbindlichkeiten der Holding betragen etwa fünf Milliarden Euro – es handelt sich damit um die größte Insolvenz der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Nach einer starken Wachstumsphase während der Niedrigzins-Jahre geriet Signa im Zuge von steigenden Zinsen, Baukosten und Energiepreisen in eine schwere Krise.
Anfang des Jahres wurde bekannt, dass auch die zu Signa gehörende Eigentümerin des Elbtower-Grundstücks in Hamburg, einen Insolvenzantrag gestellt hat. Damit könne die Stadt nun ihr Wiederkaufsrecht sowie die Übernahme aller Planungs- und Bauverträge geltend machen, wie die Stadtentwicklungsbehörde mitteilte.
Versteigert wird zudem die Ausstattung des Signa-Konferenzraums: „Herzstück dort ist ein aufwändig ausgeführter, gelederter ‚Präsidententisch‘ mit einem Durchmesser von mehr als acht Metern und Platz für rund 20 Personen, eine genau darauf abgestimmte Design-Hängeleuchte sowie die passenden Design-Bürostühle aus Premium-Leder“, so das Auktionshaus. Allein für den extravaganten Tisch lag das Höchstgebot am Donnerstag bei 13.000 Euro.
Den einstigen Höheflug der Signa und ihres Gründers René Benko zeigt ein eigens für die Signa hergestelltes Monopoly-Brettspiel mit den prestigeträchtigen Adressen des einstigen Immobillienimperiums. Samt Signa-Spielgeld. Wo Kenner des klassischen Monopolys auf dem Spielbrett die Badstraße vermuten, können Spieler der Signa-Variante das Tyrol-Kaufhaus im österreichischen Innsbruck erwerben und von anderen Spielern dann 60 Signa-Währungen Miete verlangen.
Teurer ist das Hamburger Alsterhaus für 300 Signa-Währungen. Das Nobelkaufhaus am Hamburger Jungfernstieg gehört zur KaDeWe-Gruppe – und damit ebenfalls zur Signa. Am Montag meldete die Gruppe ebenfalls Insolvenz an. Am Ende des Spielfeldes, auf dem zweitteuersten Feld, liegt der Elbtower, Miete: 350 Signas.
Unter den Hammer kommen in den ersten drei Auktionen über 460 Positionen, „die Einblick in René Benkos Machtzentrale geben“, so Aurena. Darunter auch mehrere Hundert Flaschen aus dem Signa-eigenen Weinkeller. Die Immobilie soll bis Anfang März 2024 geräumt sein.