Sydney Im Hafen von Sydney: Junge Frau bei dramatischer Hai-Attacke schwer verletzt
Ein Sprung in den Hafen Sydneys wäre einer jungen Frau beinahe zum Verhängnis geworden. Denn ein Bullenhai griff sie an und zerfetzte ihr Bein. Mittlerweile sei der Zustand der 29-Jährigen stabil und die Tierärztin, die ihr das Leben rettete, wird als Heldin gefeiert.
Die schwülheißen Sommertemperaturen haben eine junge Frau in Sydney zu einem beinahe fatalen Fehler verführt: Sie sprang am Montagabend – vermutlich zur Abkühlung – in den Hafen von Sydney. Dort ist Schwimmen normalerweise nur bei abgezäunten Stränden und in Meeresschwimmbädern empfohlen. Es ist bekannt, dass sich viele Bullenhaie im Hafenbereich aufhalten. Die 29-jährige Frau ging trotzdem schwimmen und wurde dadurch Opfer eines Haiangriffs. Der Raubfisch biss die junge Frau in der Elizabeth Bay ins rechte Bein und verletzte sie schwer.
Ein Anwohner, der gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war, hörte ihre Hilferufe. „Es war schrecklich, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Michael Porter am Dienstag gegenüber dem australischen Fernsehsender Nine. Er berichtete, wie das Opfer versucht habe, sich von der Seite des Hafenbeckens hochzuziehen und in einen sicheren Bereich zu gelangen. „Ihr Bein hing irgendwie hinter ihr her – hinter ihr war alles voller rotem Blut.“ Das Ganze sei völlig surreal gewesen und er habe es immer noch nicht verarbeitet.
Porter eilte dem Opfer mit anderen Nachbarn zur Hilfe, darunter eine Tierärztin, deren Namen lokale Medien als Fiona angaben. Ihr gelang es, ein Tourniquet anzulegen und die Blutung zu stillen. Am Dienstagmorgen hieß es, der Zustand der jungen Frau sei stabil. „Fiona ist eine Heldin und ich glaube, sie hat ihr das Leben gerettet“, sagte Porter.
Haiangriffe in Sydney sind selten: Zuletzt war 2022 ein Mensch durch einen Haiangriff ums Leben gekommen. Der Schwimmer war in der Little Bay in der Nähe des Stadtteiles Malabar im Osten der Stadt angegriffen worden. Auch bei diesem Angriff gab es etliche Augenzeugen. Beim australischen Sender ABC beschrieb ein Fischer damals, dass er den Mann noch in einem Neoprenanzug durch die Bucht schwimmen gesehen habe. Er sagte, der Schwimmer sei direkt vor ihm gewesen, als er von einem großen Hai unter Wasser gezogen wurde. „Zuerst hat er geschrien, und als er unterging, hat es heftig gespritzt“, sagte der Mann. Der Hai habe aber nicht losgelassen. „Es war schrecklich“, sagte der Augenzeuge.
Während Haiangriffe in und um Sydney selten sind, kommt es vor allem in West- und Südaustralien immer wieder zu Hai-Attacken. Erst Anfang des Jahres wurde im Süden ein 64-jähriger Surfer vor der Küste der südaustralischen Eyre-Halbinsel von einem Hai ins Bein gebissen. Auch er konnte gerettet werden. Weniger Glück hatte Ende Dezember dagegen ein Teenager, den ein Hai im Meer vor Südaustralien tödlich verletzte. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.
Warum aus Australien immer wieder Hai-Attacken gemeldet werden, dies hat die Meeresbiologin Blake Chapman in einem Aufsatz im Wissenschaftsmagazin „The Conversation“ einst analysiert. Die Bedingungen würden einen „perfekten Sturm“ für Hai-Attacken bieten, schrieb sie. Zum einen würden Australier das Meer lieben und 85 Prozent der Menschen würden in der Nähe der Küste leben. Zum anderen habe Australien die größte Anzahl an Haiarten – rund 180 der über 500 Haiarten leben in den Gewässern rund um den fünften Kontinent. Von den 26 Haiarten, die dafür bekannt sind, auch Menschen zu beißen, kommen 22 in australischen Gewässern vor. „Alle elf Spezies, von denen wir wissen, dass sie tödliche, nicht provozierte Bisse bei Menschen verursacht haben, lassen sich in Australien finden“, schrieb Chapman. Vor allem die drei „tödlichsten“ Arten seien in Australien beheimatet, nämlich Weiße Haie, Tigerhaie und Bullenhaie.
Obwohl die Wahrscheinlichkeit, von einem Hai angegriffen zu werden, gering ist, gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen, die Schwimmer, Taucher und Surfer befolgen können, um sich zu schützen. Darunter sind, nicht nachts oder in der Dämmerung ins Wasser zu gehen und Flussmündungen und Orte zu meiden, an denen es bereits zu Haiangriffen kam. Auch nach schweren Regenfällen, wenn das Wasser trübe ist, sollte man nicht ins Wasser gehen und auch nicht, wenn bekannt ist, dass große Fischschwärme vorüberziehen.