Hamburg  Berichten die öffentlich-rechtlichen Medien einseitiger als Private?

Henry Borgelt, KNA User
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Von Henry Borgelt, KNA User
| 30.01.2024 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Berichten ARD und ZDF einseitiger als andere Medien? Dem ist eine Studie nachgegangen. Foto: dpa/Soeren Stache
Berichten ARD und ZDF einseitiger als andere Medien? Dem ist eine Studie nachgegangen. Foto: dpa/Soeren Stache
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Die Nachrichten von ARD, ZDF und Deutschlandradio unterscheiden sich in Sachen Vielfalt kaum von denen privater Medienhäuser. In einem Punkt kritisiert eine aktuelle Untersuchung allerdings beide Seiten.

Oft wird über eine vermeintlich einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien debattiert. Viele Menschen, wie auch Ex-ZDF-Moderator Wolfgang Herles, kritisieren die Sender für eine tendenziöse Berichterstattung. Doch ist da was dran?

Um das zu klären, hat die am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie „Fehlt da was? Perspektivenvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformaten“ (PDF) des Instituts für Publizistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz für den Zeitraum April bis Juni 2023 knapp 9.400 Beiträge aus 47 Medien untersucht. Dabei ging es um die Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Sender im Vergleich zu anderen Medien, besonders einseitig sind.

Demnach ist die Berichterstattung bei den Öffentlich-Rechtlichen im Vergleich zu anderen Medien sehr ähnlich. Die Breite der behandelten Themen gleiche sich nahezu exakt. Einfache Bürger und die Opposition komme hingegen im Vergleich bei den Öffentlich-Rechtlichen häufiger in Nachrichtenbeiträgen zu Wort.

Für die von der Stiftung Mercator kofinanzierte Untersuchung hat das Studienteam unter anderem neun bundesweite und regionale Nachrichtenformate von ARD, ZDF und Deutschlandradio analysiert. Auf privater Seite gehörten überregionale und regionale TV-, Print- und Onlinenachrichtenmedien dazu.

Das Studienteam hebt in seiner Analyse hervor, dass die wertende Darstellung von Parteien und Politikern in öffentlich-rechtlichen wie in privaten Medien bei weitem überwiegend negativ ausfalle. Dies gelte für Parteien links wie rechts der Mitte. Positive Beiträge seien „in den meisten Formaten so klar in der Minderheit, dass von einer ausgewogenen Berichterstattung insgesamt eher nicht die Rede sein kann“, hieß es.

Dieser Fokus sei nicht dazu geeignet, das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken, so das Team. „Hier könnte eine konstruktivere Berichterstattung sinnvoll sein, die stärker auch Problemlösungen und politische Erfolge einbezieht.“ Auch Erfolge seien für die politische Meinungsbildung relevant.

Sehen Sie hier eine Statista-Grafik zu den Marktanteilen deutscher Fernsehsender:

Die Autoren untersuchten auch die Positionierung entlang grundlegender gesellschaftlicher Konfliktlinien, wie etwa die Orientierung am Sozialstaat oder am freien Markt. Insgesamt seien demnach die Nachrichtenformate eher sozialstaatsorientiert und mit einer liberal-progressiven Grundhaltung – was aber auch auf fast alle privaten Vergleichsmedien der Studie zutrifft.

Insgesamt positionierten sich die öffentlich-rechtlichen Formate weniger stark, fielen aber durch einen weniger kritischen Umgang mit den Regierungsparteien auf. In ihrem Fazit stellen die Wissenschaftler fest, dass alle untersuchten Medien bei dem Publikum den Eindruck erweckten, weder Regierung noch Opposition könne die Probleme lösen.

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Schließlich sei die Behauptung, die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien besonders einseitig, falsch. Studienleiter Maurer erklärt: „Unsere Studie zeigt zwar, dass in den Nachrichtenformaten von ARD, ZDF und Deutschlandradio durchaus an der ein oder anderen Stelle Raum für eine Stärkung konservativer und marktliberaler Positionen wäre. Insgesamt trifft die Behauptung, die Nachrichtenformate des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien im Vergleich zu anderen Nachrichtenmedien besonders einseitig, aber nicht zu.“

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