Prävention  Mit dem Drogenhund durchs Klassenzimmer

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.01.2024 07:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Polizei und Zoll setzen Hunde zur Drogensuche ein. Foto: DPA
Polizei und Zoll setzen Hunde zur Drogensuche ein. Foto: DPA
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In Jever hat eine Schulleiterin die Polizei aufgefordert, mit einem Hund die Klassen nach Drogen abzusuchen. Eine präventive Maßnahme, sagt sie. Ein Modell auch für den Kreis Aurich?

Aurich/Jever - Präventionsarbeit der besonderen Art hat es am Montag an der Elisa-Kauffeld-Oberschule (EKO) in Jever gegeben. Mit einem Drogenspürhund hat die Polizei die Schule besucht. Klassenräume, die Aula und weitere Räume wurden abgegangen. Bei einem Schüler wurden sogar Drogen gefunden. Schulleiterin Berta Paasman hatte die Polizei als Teil der Präventionsarbeit an der Schule eingeladen. Ein Drogenproblem gebe es nicht an der EKO, sagt sie auf Anfrage unserer Zeitung. „Sonst hätte der Hund wahrscheinlich auch mehr gefunden.“ Schule sei kein rechtsfreier Raum, so ihr Credo.

Die Durchsuchung sei nicht angekündigt gewesen. Selbst das Kollegium habe sie nicht informiert, so Paasman. Nur ihr Konrektor sei eingeweiht gewesen. Und wenn es einen Kollegen getroffen hätte? „Dann wäre das eben so gewesen“, sagt Paasman bestimmt. Sie habe nur positive Rückmeldungen von Schülern und Eltern für diese Aktion erhalten. „Die Schüler hat es auch beeindruckt“, so die Chefin der Oberschule, in der die Jahrgänge fünf bis zehn beschult werden.

Vor acht Jahren habe sie bereits einmal eine solche Aktion durchgeführt. „Das kann auch jederzeit wieder passieren.“ Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) habe sie im Vorfeld in Kenntnis gesetzt.

IGS Aurich setzt auf Präventionsmaßnahmen

Im Landkreis Aurich ist diese Form der Drogenprävention noch nicht so richtig angekommen. Wiebke Baden, Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, sagt auf Anfrage vorsichtig, dass das noch nicht sehr häufig vorgekommen sei. Möglich sei der Einsatz des Drogenspürhundes in Schulen nur als Amtshilfe und in Absprache mit dem RLSB. Ihre Kollegen von der Polizei Wilhelmshaven/Friesland, die auch für Jever zuständig sind, formulieren das anders. „Bestimmte Situationen machen ein Handeln erforderlich“, heißt es in einer Mitteilung. Gemäß dem Niedersächsischen Schulgesetz habe die Schulleitung einer jeden Schule die Pflicht, für die Ordnung innerhalb der Schule zu sorgen, so die Polizei. Die Schulleitung der EKO habe ihre Verpflichtung ernst genommen.

Rüdiger Musolf, Leiter des Gymnasiums Ulricianum, empfindet Drogensuchhunde als zu martialisch. Foto: Heino Hermanns
Rüdiger Musolf, Leiter des Gymnasiums Ulricianum, empfindet Drogensuchhunde als zu martialisch. Foto: Heino Hermanns

Schulleitungen im Landkreis Aurich sind von der Idee, präventiv einen Drogenspürhund kommen zu lassen, nicht überzeugt. So setzt die Integrierte Gesamtschule Aurich auf Präventionsmaßnahmen, die fest im Bildungsplan und in der Ausgestaltung der Schulorganisationsstruktur verankert sind, so Schulleiterin Dr. Dorothee Göckel auf Anfrage. Der Präventionstag „Legale Drogen“ werde im siebten Jahrgang verbindlich durchgeführt, der Präventionstag „Illegale Drogen“ folge im achten Jahrgang in Zusammenarbeit mit der Drogenberatung und der Polizei. „Wir begrüßen den guten Kontakt und die Unterstützung der Polizei, die wir bei akuten Verdachtsmomenten auf Konsum oder Besitz von Drogen natürlich informieren“, so Göckel. Die Schule spreche je nach Sachlage auch weitergehende Schritte eng ab, um alle Beteiligten bestmöglich zu schützen.

Ulricianum: Drogenspürhunde sind zu martialisch

Probleme mit Drogenmissbrauch unter Schülern beklagte Kai-Dieter Hoop, Schulleiter der IGS Marienhafe-Moorhusen, im April vorigen Jahres. Bei einem Achtklässler waren Drogen gefunden worden damals. „Das war für uns ein bemerkenswerter Einzelfall (soweit es uns in der Schulleitung bekannt ist)“, sagt Hoop heute auf Anfrage unserer Zeitung. Von dem Einsatz des Drogenspürhundes halte er wenig, damit würden sehr viele Schüler, die nichts mit Drogen zu tun haben, unter einen – zumindest latenten – Generalverdacht gestellt. Sollte es einen begründeten Verdacht geben, wäre das etwas anderes. Aber als Prävention würde diese Maßnahme sicher viele Schüler verängstigen.

Kai-Dieter Hoop, Leiter der IGS Marienhafe-Moorhusen, lehnt Drogenspürhunde zur Prävention ab. Foto: Romuald Banik
Kai-Dieter Hoop, Leiter der IGS Marienhafe-Moorhusen, lehnt Drogenspürhunde zur Prävention ab. Foto: Romuald Banik

Rüdiger Musolf ist Leiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum. „Ich kann nicht feststellen, dass wir an unserer Schule eine aktive Drogenszene haben“, sagt er auf Anfrage. Externe Personen würden seit einiger Zeit durch die neuen Zäune und Tore vom Schulgelände ferngehalten. „Aber natürlich kann ich bei 1850 Schülern Drogenkonsum nicht ausschließen.“ Im Ulricianum gebe es andere Präventionsprogramme als Spürhunde. „Diese sind für eine Prävention auch zu martialisch.“ Musolf verweist auf das „Gesund Leben Lernen“-Programm sowie auf andere Präventionsprojekte des Gymnasiums.

Schulbehörde lehnt Hunde zur Prävention ab

An der IGS Ihlow ist Günter Tautz Schulleiter. Prävention könne nur über Aufklärung gelingen, sagt er. Anlasslose Kontrollen hingegen seien unverhältnismäßig. „Dann würden ja alle unter Generalverdacht gestellt.“ Wolle man diesen Weg konsequent beschreiten, müssten auch alle regelmäßig Alkoholtests über sich ergehen lassen.

Berta Paasman sieht sich hingegen im Recht. Sie beruft sich auf einen Runderlass des Kultusministeriums aus dem Jahr 2016. Dieser schreibe vor, dass Schule, Polizei und Justiz eng zusammenarbeiten müssten – auch auf dem Gebiet der Prävention. Abgesehen davon habe sie ja im Vorfeld die Aktion an das RLSB gemeldet.

Dort sieht man das Ganze mittlerweile allerdings kritisch, wie Sprecherin Mareike Wellmeier auf Anfrage mitteilt. „Ein Einsatz von Rauschgiftspürhunden sollte als Intervention und nicht als präventive Maßnahme erfolgen“, sagt sie. Die Schule habe bei einem Verdacht auf Drogenbesitz die Polizei zu informieren. Anschließend übernehme die Polizei die Ermittlungen. Wenn diese sich im Rahmen der Ermittlungen dazu entscheide, Drogenspürhunde einzusetzen, könne die Polizei das anordnen und durchführen. „Dieses bleibt aber im Entscheidungsspielraum der polizeilichen Arbeit.“

Dieses wird laut Wellmeier auch bei der EKO so gestützt von der Aussage der Schulleiterin, dass bestimmte Situationen ein Handeln erforderlich machten. Allerdings sagt Paasman gegenüber unserer Redaktion auch, dass es kein Drogenproblem an ihrer Schule gebe. Ein Widerspruch, der nicht aufgelöst wird vom RLSB.

Angst, so das Fazit von Paasman, hätten ihre Schüler auf keinen Fall gehabt. Die dreijährige Labradorhündin Peggy sei ein wunderschöner, lieber Hund gewesen. „Den hätte ich am liebsten mit nach Hause genommen.“

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