Osnabrück Niedersachsen führt im Bereich Windenergie – aber es bleibt noch Windkraft zu holen
Nur wenige Regionen bieten so viel konstanten Wind wie der Nordwesten Niedersachsens. Das ist natürlich super für die Windenergiebranche. Allerdings lässt der Windradbau an den Küstengebieten zu wünschen übrig. Dabei ist dort viel Windkraft zu ernten.
Mitte der Woche jubelte es aus dem Umweltministerium in Hannover: „Niedersachsen ist bei Windkraft weiterhin an der Spitze im Bundesländervergleich.“ Mit 12,55 Gigawatt installierter Leistung produziere Niedersachsen so viel Energie aus Wind wie kein anderes Bundesland, hieß es weiter in der Pressemitteilung des Hauses.
Anlass war eine Veröffentlichung des Branchenverbandes BWE (Bundesverband Windenergie), in der es neben dieser Gesamtzahl vor allem um den Zubau an Windrädern im vergangenen Jahr ging. Also darum, wie schnell jetzt neue Windräder aufgestellt werden. In dieser Kategorie liegt Niedersachsen immerhin noch auf Platz zwei, hinter Schleswig-Holstein. Bundesweit gesehen vermeldete der BWE für 2023 sogar einen Rekord: 3,5 Gigawatt Leistung seien dazugekommen. Mehr als je zuvor.
Die Windregion Ostfriesland hat dazu allerdings kaum etwas beigetragen. So geht es aus einer Auflistung hervor, in der die Zahlen auf Landkreisebene heruntergebrochen werden. Veröffentlicht hat sie der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). Demnach hat sich 2023 in den Kreisen Leer und Wittmund gar nichts getan, ebenso wenig in der Stadt Emden. Lediglich im Kreis Aurich wurden drei neue Windräder aufgestellt, mit einer Gesamtleistung von zwölf Megawatt (MW). Gleichzeitig wurden hier aber auch fünf Anlagen abgebaut, mit zusammen acht MW. Unterm Strich hat sich also kaum etwas verändert. Und um die ostfriesische Halbinsel abzudecken: Weder in Friesland noch in Wilhelmshaven wurden im vergangenen Jahr neue Anlagen errichtet.
In anderen Teilen Niedersachsens sah das ganz anders aus: Im Kreis Uelzen etwa wurden 19 neue Windräder aufgestellt, im Kreis Rotenburg/Wümme 18. Interessanterweise sind das auch genau die beiden Landkreise, die in der jüngsten Windflächenpotentialstudie für Niedersachsen durch besonders viel Potential auffielen. Das heißt, sie müssen auch besonders viele Flächenanteile für die Windenergie ausweisen. In Rotenburg/Wümme sind das etwa 4,89 Prozent der Landkreisfläche. Zum Vergleich: Im Kreis Wittmund liegt dieser Wert bei 1,56 Prozent. Und das ist längst erfüllt: 2021 lag dieser Wert nach Angaben des Kreisamtes schon bei 3,1 Prozent.
Aber ist die ostfriesische Halbinsel deshalb schon raus? Umweltminister Christian Meyer (Grüne) betont gern, dass diese Flächenziele lediglich Untergrenzen seien, mehr ginge also immer. Auch beim Branchenverband LEE wünscht man sich mehr. „Die Landkreise in Ostfriesland haben schon viele Anstrengungen unternommen“, sagt LEE-Sprecher Lars Günsel in einem Telefonat. Man fände es aber gut, wenn die Energiewende auch hier weitergehe. Immerhin gebe es kaum eine Region, die über mehr konstanten Wind verfüge als der Nordwesten Niedersachsens. Wo natürlich auch schon sehr viele Windräder stehen.
Laut Marktstammdatenregister sind auf der ostfriesischen Halbinsel aktuell 1262 Anlagen in Betrieb – also in den Kreisen Leer (114), Aurich (636), Wittmund (188), Friesland (194) und den beiden Städten Emden (84) und Wilhelmshaven (46). Die Zahl der Anlagen ist allerdings nur bedingt aussagekräftig, denn unter ihnen sind auch viele kleine und Kleinstanlagen, die nur sehr wenig Energie erzeugen. Oder auch einfach alte Anlagen, deren Effizienz mit den neuen hohen Windrädern nicht konkurrieren können.
Aussagekräftiger ist also die sogenannte installierte Leistung durch Windenergieanlagen. Nach Auskunft des LEE sind das auf der ostfriesischen Halbinsel – ohne die Städte Emden und Wilhelmshaven – rund zwei Gigawatt (GW). Also zwei von den zwölf GW niedersachsenweit. Im Einzelnen sind das 229,4 MW im Landkreis Leer, etwa ein GW im Landkreis Aurich, 366,5 MW im Kreis Wittmund und 333,3 MW in Friesland.
Das Marktstammdatenregister ist ein behördliches Register aller Anlagen und Einheiten im deutschen Energiesystem. Es wird durch die Bundesnetzagentur geführt. Öffentliche Daten können dort frei zugänglich für jeden eingesehen werden.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Ostfriesen-Zeitung in Leer.