Kundgebung gegen Fremdenfeindlichkeit  Mehr als 2000 Menschen setzten in Norden Zeichen

| | 24.01.2024 20:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mehr als 2000 Menschen demonstrierten auf dem Norder Marktplatz gegen Rechtsextremismus. Foto: Rebecca Kresse
Mehr als 2000 Menschen demonstrierten auf dem Norder Marktplatz gegen Rechtsextremismus. Foto: Rebecca Kresse
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Sie folgten in Norden dem Aufruf für eine Demonstration gegen Rechtsextremismus und machten deutlich: „Nie wieder ist jetzt“. Dabei vereinten sich Politik, Kirche und viele gesellschaftliche Gruppen.

Norden - Mehr als 2000 Menschen haben sich am Mittwoch auf dem Norder Marktplatz versammelt, um ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Mit klaren und zum Teil emotionalen Worten machten die Redner deutlich: Weder die AfD noch rechtsextremes Gedankengut haben für sie in Norden einen Platz oder eine Chance.

„Unser Norden ist eine Stadt für alle Altersgruppen, für alle Hautfarben, für alle Geschlechter, für alle Glaubensrichtungen und für alle demokratischen politischen Überzeugungen“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Kerstin Weinbach in ihrem Redebeitrag.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Kerstin Weinbach sprang für Florian Eiben ein, der beruflich in Berlin war. Foto: Rebecca Kresse
Die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Kerstin Weinbach sprang für Florian Eiben ein, der beruflich in Berlin war. Foto: Rebecca Kresse

Bürgermeister schrieb eine Nachricht aus Berlin

Bürgermeister Florian Eiben war selbst beruflich in Berlin, schrieb aber eine Nachricht. Darin dankte er den Organisatoren und Teilnehmern, dass sie „ein starkes Zeichen gegen Hass und Hetze in unserer Stadt setzen.“ Er wäre selbst gerne dabei gewesen, wie er schrieb, und er betonte noch einmal: „Nie wieder ist jetzt.“

Statt seiner übernahm die stellvertretende Bürgermeisterin den Platz am Mikrofon. „Ich freue mich sehr, heute hier gemeinsam mit ihnen zu stehen und Haltung zu zeigen, für Demokratie, für ein friedliches Miteinander für Weltoffenheit und Solidarität“, so Weinbach. Man dürfe nicht nur dagegen sein, sondern müsse auch etwas tun, zitierte Weinberg den Satz der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Es sei nötig, Gesicht zu zeigen, sich einzumischen und Hass und Menschenverachtung aktiv entgegenzutreten.

Das sah auch der Norder Verein Kulturbrennerei Doka, der die Kundgebung kurzfristig angemeldet hatte. Schnell hatte sich ein breites Bündnis aus Politik, Kirche und Gesellschaft dem Aufruf angeschlossen. Und auch unter den Teilnehmern waren zahlreiche verschiedene Gruppen aus Kirchen, Sportvereinen, Parteien, Schulen, Nachbarschaften.

„Vielfalt und Toleranz bleiben eine Herausforderung“

„Wir haben diese Kundgebung angemeldet, weil Rechtsextremismus nicht nur in Ostdeutschland ein Problem ist, sondern auch in Niedersachsen und in Ostfriesland“, sagte die Vereinsvorsitzende Gesine Agena. Deshalb freute sie sich sehr, dass sich so viel Menschen auf den Weg gemacht hatten, um „auch in Norden ein Zeichen dafür setzen, dass wir es nicht einfach hinnehmen, wenn sich rechtsextreme Netzwerke versammeln und wie selbstverständlich Deportationsfantasien miteinander austauschen“, so Agena.

Gesine Agena (am Mikrofon) Vorsitzende vom Verein Kulturbrennerei Doka, und Tina Schipper, zählten zu den Initiatoren der Kundgebung. Foto: Rebecca Kresse
Gesine Agena (am Mikrofon) Vorsitzende vom Verein Kulturbrennerei Doka, und Tina Schipper, zählten zu den Initiatoren der Kundgebung. Foto: Rebecca Kresse

Lennart Bohne, Leiter der Gedenkstätte Gnadenkirche Tidofeld machte deutlich, zugewanderte Menschen seien schon immer die Projektionsfläche von denen gewesen, die Angst hätten, ins Hintertreffen zu geraten. „Vielfalt und Toleranz bleiben eine Herausforderung“, gab Bohne zu. Aber sie sei eben auch eine Stärke unserer Demokratie. „Als Land und Gesellschaft ohne Vielfalt können wir nur verlieren“, sagte er. Die Lösung bestehe nicht darin, Menschen aus diesem Land zu jagen. Die Herausforderung bestehe darin, eine Migrations- und Asylpolitik zu finden, von der das Land auf kurze und auf lange Sicht profitiere.

Viele Norder hatten selbst gemachte Schilder mitgebracht. Foto: Rebecca Kresse
Viele Norder hatten selbst gemachte Schilder mitgebracht. Foto: Rebecca Kresse

Viele Norder traten für ihre Überzeugung ein

„Die Demonstrationen wie hier in Norden zeigen den Rechtsextremen, dass wir widersprechen und den Betroffenen, dass wir sie sehen und hören“, sagte Bohne.

Die Vorsitzende der Gedenkstätte KZ Engerhafe Hilke Osterwald, warf ihre vorbereitete Rede kurzerhand über Bord und erzählte stattdessen den vielen anwesenden Kindern vom KZ in Engerhafe. Damit nichts vergessen wird. Sie selbst habe sich nie getraut, ihren Großvater zu fragen, wo er in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (der Reichspogromnacht) war, was er getan habe, was er gesehen habe und ob er nein gesagt habe. „Vielleicht waren solche Fragen ein Tabu und vielleicht wurde viel zu wenig geredet“, sagte Hilfe Osterwald. Deshalb sei jetzt die Zeit da, miteinander zu reden. Und dann betonte sie: „Wenn meine Enkel mich einmal fragen: ,Oma was hast du getan?´, dann möchte ich mich nicht vor der Antwort schämen müssen“, begründete sie ihren Einsatz gegen die AfD und gegen den Rechtsextremismus.

Neben den Rednern traten aber auch viele Norder auf dem Marktplatz für ihre Überzeugung ein. Darunter etwa die Behindertenhilfe Norden oder die 80-jährige Almut Holler vom Arbeitskreis Synagogenweg in Norden. „Die AfD macht mir Angst und dass wir schon wieder in so etwas hinein schlittern“, sagte die 80-Jährige. Sie hätte nicht gedacht, dass es das „in diesem Ausmaß“ noch einmal geben würde.

Allmut Holler vom Arbeitskreis Synagogenweg setzte ein deutliches Zeichen. Foto: Rebecca Kresse
Allmut Holler vom Arbeitskreis Synagogenweg setzte ein deutliches Zeichen. Foto: Rebecca Kresse

Auch ein prominentes Gesicht war unter den Demonstranten

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Norden war mit einer Gruppe gekommen und hielt Schilder mit Aufschriften „Hass ist keine Meinung“, „Aufstehen gegen Nazis“ und „AWO gegen Rechts“ in die Höhe. „Die AWO steht in ihrem Leitbild für demokratisches und soziales Denken und Handeln, deshalb war es gar keine Frage, dass wir uns beteiligen“, so die Gruppe.

Und auch ein prominentes Gesicht hatte sich unter die Demonstranten gemischt. Foto: Rebecca Kresse
Und auch ein prominentes Gesicht hatte sich unter die Demonstranten gemischt. Foto: Rebecca Kresse

Ganz leise und ohne viel Aufhebens stand ein prominentes Gesicht unter den Demonstranten. Auch Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf ließ es sich nicht nehmen, ein Zeichen zu setzen. Er trug einen Button mit dem Aufdruck: „Opas gegen Rechts“.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung unter anderem von dem Sänger Oliver Jüchems und dem Posaunenchor gegen Rechtsextremismus der Ludgrikirche. Sie sorgten mit ihrer Version von „Let it be“ in einem Meer von Lichter einen stimmungsvollen Abschluss.

Der Norder Marktplatz erstrahlte im Lichterglanz der Demonstranten. Foto: Rebecca Kresse
Der Norder Marktplatz erstrahlte im Lichterglanz der Demonstranten. Foto: Rebecca Kresse
Die Behindertenhilfe Norden hatte zur Bastelschere gegriffen und den Schriftzug „Nie wieder“ mitgebracht. Foto: Rebecca Kresse
Die Behindertenhilfe Norden hatte zur Bastelschere gegriffen und den Schriftzug „Nie wieder“ mitgebracht. Foto: Rebecca Kresse
Die AWO Norden war mit einer Gruppe zur Kundgebung gekommen. Foto: Rebecca Kresse
Die AWO Norden war mit einer Gruppe zur Kundgebung gekommen. Foto: Rebecca Kresse

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