Berlin  Tino Chrupalla verstrickt sich mit Satz über Martin Sellner in Widersprüche

Maximilian Matthies
|
Von Maximilian Matthies
| 24.01.2024 12:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
AfD-Chef Tino Chrupalla äußert sich in der ARD-Sendung „Maischberger“ zum Potsdamer Treffen radikaler Rechter und verstrickt sich dabei in Widersprüche. Foto: www.imago-images.de
AfD-Chef Tino Chrupalla äußert sich in der ARD-Sendung „Maischberger“ zum Potsdamer Treffen radikaler Rechter und verstrickt sich dabei in Widersprüche. Foto: www.imago-images.de
Artikel teilen:

AfD-Chef Tino Chrupalla distanziert sich im ARD-Talk „Maischberger“ von einem Treffen von Parteimitgliedern und Rechtsextremen in Potsdam und wirft der „Tagesschau“ eine Lüge vor. Er gibt an, den bei dem Treffen anwesenden Martin Sellner nicht zu kennen. Allerdings scheint er bestens informiert über dessen Wirken zu sein.

Das von „Correctiv“ aufgedeckte Treffen radikaler Rechter in Potsdam war Anlass für bundesweite Massen-Demos gegen Rechtsextremismus und die AfD – Hunderttausende Menschen gingen in zahlreichen Städten auf die Straße. Am Dienstagabend diskutierte Moderatorin Sandra Maischberger in ihrer ARD-Sendung mit AfD-Chef Tino Chrupalla über Verbindungen der Partei in die rechte Szene.

Chrupalla distanzierte sich von dem Potsdamer Treffen: „Wenn mein Mitarbeiter mich gefragt hätte, ob er da hingehen soll, hätte ich klar gesagt: Geh da nicht hin“, ließ der AfD-Vorsitzende wissen. Er stehe der Einladung von Martin Sellner, früherer Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, kritisch gegenüber, betonte Chrupalla auf Nachfrage der Moderatorin. Der Politiker gab an, die Programmatik von Sellner – „noch dazu als Österreicher“ – passe gar nicht zum Parteiprogramm der AfD. Kurz zuvor hatte Chrupalla noch behauptet, Sellner gar nicht zu kennen. Dieser scheinbare Widerspruch blieb während der Sendung ungeklärt.

Tino Chrupalla bei „Maischberger“ zum Potsdamer Treffen mit Martin Sellner:

Sellner hatte bei dem Potsdamer Treffen am 25. November, an dem einige AfD-Mitglieder sowie einzelne Anhänger von CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen hatten, nach eigenen Angaben über „Remigration“ gesprochen. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang. „Remigration“ war von einer Jury auch zum „Unwort des Jahres“ bestimmt worden.

Einfach erklärt: Was hat es mit dem Begriff „Remigration“ auf sich?

Seitdem das Treffen radikaler Rechter in Potsdam bekannt wurde, steht Sellner auch bei den deutschen Sicherheitsbehörden im Fokus. Für den Österreicher könnte es ein Einreiseverbot geben.

Bei „Maischberger“ ging Chrupalla auf die Verwendung des Begriffes „Deportationen“ ein, der etwa von den Öffentlich-Rechtlichen in Zusammenhang mit den „Correctiv“-Recherchen zum Potsdamer Treffen verwendet wurde. Der AfD-Chef entgegnete: „Dieses Wort ist (laut) den Beteiligten, mit denen ich dort gesprochen habe, nicht ein einziges Mal gefallen. Und das finde ich ein Stück weit eine Lüge der ‚Tagesschau‘, dass man hier dieses Treffen mit Deportationen gleichsetzt.“

Chrupalla verwies dabei auf die Nachrichtensendung vom Vortag. Maischberger hielt dagegen: „Wie würden Sie es denn nennen, wenn man darüber redet, dass man millionenfach Menschen aus diesem Land bringt?“

Nach den Enthüllungen zu dem Potsdamer Treffen hatten nach Polizeiangaben in ganz Deutschland mehr als 900.000 Menschen gegen Rechtsextremismus und für den Schutz der Demokratie demonstriert. Chrupalla versuchte bei „Maischberger“ die Massen-Demos kleinzureden: „Ich finde es gut, dass man seine Bürgerrechte nutzt. Das ist ja verfassungsmäßig verankert. Und wenn Bürger mit der Regierung und für die Regierung auf die Straße gehen, kann man das nur begrüßen. 83 Millionen Menschen sind aber nicht auf die Straße gegangen …“ Dennoch ging der Protest offenbar nicht spurlos an der AfD vorbei. In einer jüngsten Insa-Wahlumfrage für die „Bild“-Zeitung musste die Partei erstmals seit zwei Jahren wieder Verluste hinnehmen.

Mit Material von dpa

Ähnliche Artikel