Sozialer Wohnungsbau  Trend geht weg von Einfamilienhäusern

| | 24.01.2024 12:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann in Ihlowerfehn ist ein besonderes Baugebiet mit kleinen Einheiten geplant. Foto: Romuald Banik
Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann in Ihlowerfehn ist ein besonderes Baugebiet mit kleinen Einheiten geplant. Foto: Romuald Banik
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In den Städten wird der soziale Wohnungsbau thematisiert. In kleineren Landgemeinden wie Ihlow und Großefehn wird das Thema noch anders behandelt. Einblicke in zwei verschiedene Vorgehensweisen.

Ihlow/Großefehn - Bezahlbarer Wohnraum wird in Städten immer knapper. Doch wie sieht es auf dem Land aus? Eine Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover ergab, dass in Niedersachsen allein 2022 109.000 Sozialwohnungen fehlten. Die Zahl sei seit Jahren rückläufig, wie ein Bericht des NDR vergangene Woche darstellte. In Aurich und Norden werden Projekte auf politischer Ebene diskutiert. In Ihlow und Großefehn gibt es verschiedene Sichtweisen, wie das Thema angegangen wird.

Ihlow

Einfamilienhaus mit großem Garten und am besten als Eigentum. Das war lange der Standard in Ihlow. „Das hat sich in den vergangenen Jahren ein Stück weit gedreht“, sagt Bürgermeister Arno Ulrichs. Vor zehn Jahren sei das klassische Einfamilienhaus mit etwa 1000 Quadratmeter Grundstück Standard gewesen. Inzwischen seien die Grundstücke kleiner. 600 Quadratmeter Fläche sind typisch für die Grundstücksgrößen. Doppelhäuser und Mehrfamilienhäuser würden häufiger gebaut. Es gibt auch immer mehr Baugebiete, die in Kooperation mit Bauunternehmen entstehen. Das Ganze läuft zwar nicht unter dem Titel „Sozialer Wohnungsbau“. Aber diese Projekte würden teils mit Mitteln für den sozialen Wohnungsbau gefördert. Dementsprechend müssten auch die Mieten in den Gebäuden angepasst sein.

Gemeinde kooperiert mit Bauunternehmen

Als Beispiel nennt der Bürgermeister das geplante Wohnprojekt auf dem ehemaligen Kuhlmann-Gelände mit Raum für Senioren-Wohngemeinschaften. Auch gegenüber vom Kuhlmann-Gelände sind in den vergangenen Jahren schon kleinere Einheiten entstanden. Und an der „Bangsteder Kirchstraße“ stehen inzwischen mehrere Doppelhäuser auf kleineren Grundstücken. Über die Tochterfirma der Gemeinde, die Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow (Edi), kooperiere die Gemeinde mit den Bauunternehmen. Und wer garantiert dann niedrige Mieten? „Wenn die Bauunternehmer die Förderung beanspruchen, sind sie auch gebunden“, sagt Ulrichs. Dabei kooperiere die Gemeinde mit mehreren Unternehmen, um sich nicht von einem abhängig zu machen, erläutert der Bürgermeister. Der Bedarf nach kleineren und günstigeren Wohneinheiten kommt dabei in Ihlow offenbar von Menschen, die aufs Rentenalter zu gehen oder schon in Rente sind. Der Druck, Sozialwohnungen zu bauen, kommt also weniger von jüngeren Ihlowern. Auch bei der Unterbringung der ukrainischen Flüchtlinge hat die Gemeinde an vielen Stellen Lösungen finden können: So wurden Privatwohnungen vorbereitet oder Häuser saniert, wobei der Bauhof dafür Gerätschaften bereitgestellt hat. So sei dafür gesorgt worden, dass es auf dem Wohnungsmarkt in Ihlow zu keiner Konkurrenz im Wohnungsmarkt kommen konnte.

Großefehn

Auch in Großefehn war das Einfamilienhaus mit großem Grundstück lange Standard. Doch schon während seiner Amtszeit als Gemeindebürgermeister mahnte Olaf Meinen, dass auch Doppelhäuser in Baugebieten ermöglicht werden müssten. Schließlich sei der Bedarf dafür da. Das gab damals noch teilweise Kritik von den Ratsmitgliedern. So wurde 2015 bei dem Neubaugebiet in Strackholt kritisiert, dass Doppelhaushälften gebaut werden können. Auch bei dem Neubaugebiet in Mittegroßefehn gab es 2021 Kritik, dass Doppelhäuser dort lieber nicht entstehen sollen.

Angst vor häufigen Mieterwechseln: Politiker treten auf Bremse

Immer wieder wird in der Gemeinde seitens des Rates befürchtet, dass es bei vermieteten Doppelhaushälften zu häufigen Mieterwechseln komme. Entstanden sind trotzdem teilweise Doppelhaushälften, teils trotz gegenteiliger Beschlüsse, wie etwa in Timmel. Und eine forcierte Planung für den sozialen Wohnungsbau? Die gibt es in der Gemeinde Großefehn nicht, wie der Bauamtsleiter Detlef Meyer bestätigte. Es seien keine Projekte in der Bauleitplanung. Baugebiete seien ausgewiesen. „Der Bedarf ist auch so nicht an uns herangetragen worden“, sagt Meyer. Offenbar liege das daran, dass das Wohnen in Großefehn immer noch günstiger sei als in den ostfriesischen Städten.

Landkreis Aurich

Bisher kocht beim Thema sozialer Wohnungsbau jede Kommune im Kreis Aurich ihr eigenes Süppchen. Aber das könnte sich noch ändern. Seit dem 1. Oktober erstellt das Büro ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung GmbH aus Hamburg für den Landkreis Aurich ein Wohnraumversorgungskonzept. Laut Auskunft der Kreisverwaltung finde seitdem ein stetiger Austausch statt. Im September oder Oktober dieses Jahres könnte das Konzept stehen.

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