Paris Bauern-Proteste Teil zwei? Wie sich die Landwirte jetzt auch in Frankreich erheben
Kaum sind die Bauern-Proteste in Deutschland vorüber, erheben sich jetzt die französischen Agrarwirte gegen EU-Gesetze, Inflation und sinkende Gehälter. Wie reagiert die Regierung und könnte das Thema bald Teil des politischen Wahlkampfes werden?
Wie einen Topf voll brodelndem Wasser auf dem Herd beobachtet Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Bauern-Proteste in Deutschland, berichten Vertraute. Denn auch in seinem Land, das 2018 von teils eskalierenden Kundgebungen der „Gelbwesten“-Bewegung erschüttert wurde, äußern die Landwirte zunehmend ihre Wut.
Seit Tagen blockieren Traktoren eine Autobahn im Südwesten bei Toulouse. Der neue Premierminister Gabriel Attal empfing am Montag an der Seite des Landwirtschaftsministers Marc Fesneau Vertreter der Branche.
Angesichts der angespannten Lage wurde die Vorstellung einer geplanten Landwirtschaftsreform verschoben. Zugleich sagte der Präsident der mächtigen Gewerkschaft FNSEA, Arnaud Rousseau, er erwarte „sehr klare Antworten“ vor Beginn der großen Landwirtschaftsmesse in Paris Ende Februar.
Beklagt werden unter anderem die Folgen der Inflation und steigende Produktionskosten, während die Gehälter vieler Bauern stagnieren oder sinken, aber auch zu scharfe europäische und nationale Regeln. In manchen Gegenden ist das Thema Bewässerung wichtig, welche dort angesichts der Wasser-Knappheit verboten wurde.
Nach dem Tod zahlreicher Rinder im Südwesten infolge einer Seuche fordern die Züchter Hilfen. Für die ganze Woche sind Aktionen angekündigt, die vor allem am Donnerstag „spektakulär“ sein sollen.
Wenige Monate vor den EU-Wahlen hat der rechtsextreme Rassemblement National das Thema für sich entdeckt. Der Parteichef und EU-Spitzenkandidat Jordan Bardella besuchte am Wochenende in neuen Gummistiefeln einen Betrieb und organisierte eine medienwirksame Diskussionsrunde mit Landwirten.
Dabei klagte er, die EU wolle „die französische Landwirtschaft töten“ und forderte Ausnahmen bei den Freihandelsverträgen der EU. Genau das wäre „wirtschaftlich selbstmörderisch“, sagte der Gewerkschafter Jean-Samuel Eynard. „Eine solche Maßnahme würde ein Zusammenbrechen unserer Handelsbilanz nach sich ziehen.“
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