Erneuter Bahnstreik Welche Züge in Norden fahren, ist noch ungewiss
Die Lokführergewerkschaft GDL hat zum nächsten Streik aufgerufen. Auch Bahnreisende in Norden müssen mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen.
Norden - Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Beschäftigten der Deutschen Bahn zu einem sechstägigen Streik aufgerufen – davon betroffen sind auch Reisende von und nach Norden, sowie in Gesamtniedersachsen und Bremen. Der Streik im Personenverkehr soll am frühen Mittwochmorgen um zwei Uhr beginnen und bis Montag kommender Woche, 18 Uhr andauern, teilte die Gewerkschaft in der Nacht zu Montag mit. Der Regionalverkehr in Niedersachsen und Bremen wird nach Angaben der Bahn „massiv beeinträchtigt sein“. Das Unternehmen bemühe sich um einen Ersatzverkehr mit Bussen.
Nach Angaben der Bahn werden einzelne Züge von Norddeich Mole nach Hannover fahren. Welche Züge das sind, ist bisher unklar. Die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn gibt bei Fahrten zum Beispiel von Norden nach Bremen am Mittwoch derzeit lediglich den Hinweis auf den Streik und bittet Reisende, sich 24 Stunden vor Streik noch einmal über die konkrete Verbindung zu informieren.
Fahrgäste können Reise mit gleichen Tickets vorziehen
Grundsätzlich gilt laut Bahn für alle Fahrgäste, die ihre für Mittwoch, 24. Januar, bis Montag, 29. Januar, geplante Reise verschieben wollen, dass sie ihre Tickets auch zu einem späteren Zeitpunkt nutzen können. Die Zugbindung ist vonseiten der Bahn aufgehoben. Das Ticket gilt für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Im Rahmen einer Sonderkulanz haben Fahrgäste außerdem die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits am Montag, 22. Januar, und Dienstag, 23. Januar, zu fahren. Viele Regionalbahnbetreiber haben zudem mitgeteilt, dass ihre Mitarbeiter zwar nicht zum Streik aufgerufen seien, es aber dennoch Einschränkungen geben könne.
Die Bahn und die GDL verhandeln seit Anfang November über neue Tarifverträge. Hauptknackpunkt ist die Forderung der GDL nach einer Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohn. Dies lehnt die Bahn ab. Erst am Freitag hatte die Deutsche Bahn ein neues Tarifangebot vorgelegt, um die GDL wieder an den Verhandlungstisch zu holen. Darin ist unter anderem auch eine Option zu einer Stunde weniger Arbeitszeit für Lokführer und Zugbegleiter ab dem 1. Januar 2026 enthalten. Für neue Verhandlungen reichte dies aber offenbar nicht aus. Der nun angekündigte Arbeitskampf wäre der vierte im laufenden Tarifkonflikt. Vor dem Jahreswechsel legte die GDL bei zwei Warnstreiks große Teile des Personenverkehrs lahm, im Januar folgte dann ein dreitägiger Streik mit ähnlicher Wirkung.
Indirekt betroffen sind auch die Privatbahnen
Mit Blick auf den erneuten Streik teilte die Westfalenbahn am Montag auf der Unternehmensseite mit, dass keine Prognose über Verbindungen möglich sei. Das Unternehmen sei selbst zwar nicht betroffen, aufgrund des Streiks sei aber mit vereinzelten Ausfällen zu rechnen. In Niedersachsen verbindet die Westfalenbahn unter anderem Osnabrück und Emden. Auch die zum Netinera-Konzern gehörenden Betreiber Metronom, Enno und Erixx teilten mit, dass ihre Mitarbeiter nicht zum Streik aufgerufen seien, es aber wegen Arbeitsniederlegungen Einschränkungen und Verspätungen geben könne. Der Metronom verkehrt in Niedersachsen von Göttingen im Süden über Hannover, Uelzen, Lüneburg bis nach Hamburg und Bremen.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kritisierte das Vorgehen der GDL unter ihrem Chef Claus Weselsky. „Ich habe null Verständnis für diese Form der Tarifauseinandersetzung“, sagte er am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Seiner Meinung nach nimmt der Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL zunehmend destruktive Züge an.
Mit Material von dpa