Hannover Prominente Unterstützer bei Demo gegen rechts in Hannover erwartet
In Hannover steht am Samstag eine große Demo gegen rechts an. Auch Ministerpräsident Stephan Weil und Altbundespräsident Christian Wulff werden erwartet. Und das sagen die Familienunternehmer Roßmann und Kind.
„Natürlich!“. In der Antwort auf die Frage, ob sie an diesem Samstag bei der Demo gegen rechts in Hannover dabei sei, liegt eine Mischung aus Bestimmtheit und leichter Empörung. Allein schon die Frage. Ist doch „selbstverständlich“, dass Uta Saenger, Mitbegründerin der „Omas gegen rechts“ in Hannover, am Samstag um 14 Uhr auf dem Opernplatz steht.
„Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir“, fragt die 70-Jährige rhetorisch und will „Haltung zeigen für unsere Demokratie“ – gemeinsam mit wohl Tausenden weiteren Demonstranten. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 10.000 Teilnehmern, die unter dem Titel „Hannover zeigt Haltung“ ein starkes Zeichen gegen rechts setzen wollen. Neben dem Verein „Freundeskreis Hannover“ rufen der Deutsche Gewerkschaftsbund, die evangelische Landeskirche und das Bündnis „Bunt statt Braun“ zur Teilnahme auf.
Als prominente Unterstützer aus Politik und Gesellschaft haben Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Altbundespräsident Christian Wulff (CDU), der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, und die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, ihre Teilnahme angekündigt und sind als Redner vorgesehen.
„Es ist mir wichtig, zusammen mit vielen anderen am Samstag klare Kante zu zeigen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und alle anderen Formen von Diskriminierung. Die Demokratie lebt davon, dass die Bürgerinnen und Bürger für sie einstehen und dieses Engagement brauchen wir jetzt mehr denn je“, begründet Regierungschef Weil seine Teilnahme an der Demo.
„Wir leben in einer Zeit, die uns verdeutlicht, wie wichtig unsere demokratischen Werte für unser Zusammenleben sind“, bekräftigen auch die Organisatoren. In ihrer Ankündigung berufen sich die Initiatoren auf das durch Recherchen des Medienhauses Correctiv bekanntgewordene Geheimtreffen radikaler Rechter im vergangenen Jahr in Potsdam, an dem auch AfD-Funktionäre sowie einzelne Mitglieder der CDU und der erzkonservativen Werteunion teilgenommen hatten. Dabei hatte der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, nach eigenen Angaben über „Remigration“ gesprochen. Damit meinen Rechtsextreme in der Regel, dass eine große Zahl Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang.
Landesbischof Ralf Meister ermutigt in einem Schreiben alle Beschäftigten der Landeskirche zur Teilnahme an Demonstrationen gegen rechts. „Wir bitten Sie, sich für friedlichen Protest zu engagieren und auch in den Sozialen Medien zur friedlichen Diskussion beizutragen“. Es sei wichtig, das Gespräch auch nach demokratiekritischen Äußerungen nicht abreißen zu lassen.
Unterdessen beziehen auch erste Unternehmen klar Position. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen Raoul Roßmann (38), Sprecher der Geschäftsführung bei der Drogeriemarktkette Rossmann, und Alexander Kind (50), Geschäftsführer des Hörakustikunternehmens Kind, wie wichtig ihnen Vielfalt ist.
„Wir begrüßen bei Rossmann und Kind täglich zusammen weit über zwei Millionen Kunden aus aller Welt und jeder ist bei uns herzlich willkommen. In unseren beiden Unternehmen arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus weit über 100 Nationen und bilden mit ihrer Vielfalt die Gesellschaft in Deutschland ab“, heißt es in der Erklärung der beiden Familienunternehmen aus Burgwedel bei Hannover.
Aktuell sei von „besorgniserregenden, rechtspopulistischen Positionen zu lesen, die sich gegen jeden richten, der eine Einwanderungsgeschichte hat“. Das habe Rossmann und Kind veranlasst, gemeinsam Stellung zu beziehen und sich klar zu positionieren. Beide Unternehmen setzen sich laut Mitteilung „aktiv für ein Wir in Deutschland ein, in dem rassistische, antisemitische und flüchtlingsfeindliche Haltungen keinen Platz finden“.
Raoul Roßmann bringt es abschließend auf den Punkt: „Ohne die zahlreichen Menschen, die ihren Weg nach Deutschland finden, die hier arbeiten, hier leben, ihren Beitrag für dieses Land leisten, würde unsere Wirtschaft schlicht nicht funktionieren.“
Das ist es, was Uta Saenger von den „Omas gegen rechts“ mit „Haltung zeigen“ meint. „Aber nicht nur bei Demos auf großen Plätzen, sondern vor allem auch im eigenen Umfeld“, ergänzt die engagierte Seniorin.