Hamburg Was, wenn ich plötzlich mein Land verteidigen will? Wege in die Bundeswehr
Spät berufen: Selbst einstige Kriegsdienstverweigerer denken inzwischen darüber nach, sich doch noch für die Bundeswehr zu melden. Aber wie geht das?
Der russische Überfall auf die Ukraine, die Drohungen aus Moskau und die Warnungen vor einer Ausweitung des Krieges führen nicht nur in der Verteidigungspolitik, sondern auch bei vielen Menschen zu einer neuen Sicht auf die Dinge. Manch einer, der nach der Schule den Wehrdienst verweigert hat, denkt inzwischen anders über den Wehrdienst – und will sich einbringen. Aber als Couchpotato zur Bundeswehr, geht das so einfach?
Für bereits Berufstätige unter 64 Jahren interessant dürfte besonders die Grundausbildung für Ungediente im Heimatschutz sein. Nach mehreren Pilotprojekten bieten inzwischen fast alle Landeskommandos diese Ausbildung an. Sie findet blockweise und an Wochenenden statt und mündet in ein Engagement als Reservist.
Aber was genau bedeutet Heimatschutz? „Ziel des Heimatschutzes ist es, als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Engagements die gesamtstaatliche Krisenvorsorge zu ergänzen und die Fähigkeiten in der Landes- und Bündnisverteidigung zu stärken“, heißt es bei der Bundeswehr. Und meint: Heimatschutzkräfte kommen beim Schutz von Anlagen, Einrichtungen und Liegenschaften der Bundeswehr zum Einsatz. Sie können im Rahmen der Amtshilfe auch bei Katastrophenlagen herangezogen werden. All das in der Nähe des eigenen Wohnortes, weshalb die Heimatschutzkompanien bei den jeweiligen Landeskommandos angesiedelt sind.
Die deutsche Staatsangehörigkeit und das Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung sind die Basisvoraussetzungen für den Dienst in der Bundeswehr. Die Altersgrenze liegt bei großzügigen 64 Jahren – körperliche und geistige Fitness vorausgesetzt. Wer die letzten Jahre vor allem auf dem Sofa verbracht hat, sollte sich vor der Bewerbung mit den Anforderungen des „Basis-Fitness-Tests“ (BFT) vertraut machen. Er besteht aus einem Sprinttest, einigen Runden auf dem Fahrrad-Ergometer und Klimmhang. Die Ergebnisse entscheiden darüber, ob ein Bewerber grundsätzlich überhaupt geeignet ist.
Die gute Nachricht: Der Test zielt laut Bundeswehr „auf die Trainierbarkeit“ ab. Das bedeutet: Bestehen muss man ihn zwar schon, mehr als auf das beste Ergebnis kommt es aber darauf an, dass man das grundsätzliche Potential für mehr mitbringt. Rund fünf Prozent schaffen den Test im ersten Durchgang nicht – sie dürfen ihn noch einmal wiederholen.
Die Bundeswehr überprüft ihre Bewerber generell in Assessment-Centern. Dort werden nicht nur Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit untersucht, es finden auch persönliche Gespräche sowie Tests zum räumlichen Vorstellungsvermögen sowie Rechen- und Sprachtests statt.
Anspruchsvoller als der Fitnesstest dürfte für zuvor „ungediente Zivilisten“ schließlich der Alltag in den Ausbildungsmodulen sein: Wer es als erwachsener Berufstätiger gewohnt ist, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, muss sich umstellen. Plötzlich geht es um Pünktlichkeit, Schnelligkeit und darum, schlicht zu befolgen, was andere einem sagen. Das dürfte vor allem am Anfang eine Umstellung sein, der man sich zumindest bewusst sein sollte.