Fachkräftemangel  Babyglück sorgt für Erziehermangel

Christin Wetzel
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Von Christin Wetzel
| 16.01.2024 08:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rucksäcke und Jacken hängen an einer Garderobe in einem Kindergarten. Foto: DPA
Rucksäcke und Jacken hängen an einer Garderobe in einem Kindergarten. Foto: DPA
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Das Bewerberkarussell dreht sich weiter: Zum wiederholten Male sucht die Gemeinde Ihlow als Träger der Kitas Erzieher. Warum immer wieder neue pädagogische Fachkräfte gesucht werden.

Ihlow - Ein bunter Flyer wirbt um begehrte Fachkräfte: Zum wiederholten Mal in kurzer Zeit sucht die Gemeinde Ihlow als Träger ihrer Kitas nach Erziehern. Die Fachkräfte sind begehrt. Der Mangel im pädagogischen Bereich trifft nicht nur Ihlow. Viele Kitaplätze müssen versorgt werden. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum es immer wieder zu Stellenausschreibungen in der Gemeinde kommt.

Gleich drei Schwangerschaften in einem Kitajahr gab es im pädagogischen Fachpersonal. Das Babyglück ist auch ein Grund, warum die Gemeinde Ihlow nun schon wieder ausschreiben muss. Das erklärt Bürgermeister Arno Ulrichs auf Nachfrage. Wer schwanger ist, erhält in diesem Arbeitsbereich sofort ein Beschäftigungsverbot und fällt als Fachkraft für längere Zeit aus. Dies muss natürlich kompensiert werden, denn in Ihlow gibt es in der Gemeinde insgesamt 25 Kindergarten- und Krippengruppen, die alle mit einer unterschiedlichen Anzahl an Erziehern versorgt sein müssen. Eine Krippengruppe mit 15 Kindern benötigt zumeist drei Erzieher und eine Kindergartengruppe zwei, als Integrationsgruppe drei Erzieher. Auszubildende zählen in diesen Betreuungsschlüssel nicht hinein und ersetzen einen ausgefallenen Erzieher nicht. So ergibt sich der hohe Grundbedarf.

Vier Kitas benötigen zeitnah neue Fachkräfte

Fallen also Erzieherinnen wegen einer Schwangerschaft aus, müssen die Stellen „mit sofortiger Wirkung neu ausgeschrieben werden“, so der Bürgermeister. So geschehen im Herbst. Jetzt zu Anfang des Jahres wird erneut gesucht. Vier Stellen werden derzeit ausgeschrieben. In der Kindertagesstätte „Zwergennest“ Riepe wird eine Stelle als Drittkraft in der Anfang des Jahres eröffneten Krippengruppe gesucht. In der Kindertagesstätte „Meerhuuske“ Ihlowerfehn wird eine Stelle als Zweitkraft in einer Regelgruppe des Kindergartens neu ausgeschrieben. Im Kindergarten „Pusteblume“ Simonswolde ist derzeit eine Stelle offen und im Kindergarten „Regenbogen“ Weene wird ebenfalls eine Stelle vergeben.

Wie viele Bewerber es gibt und ob diese Stellen zeitnah vergeben werden können, ist nicht gewiss. Denn in der Regel würde es zum Beginn eines Kitajahres im Sommer mehr Bewerber geben, wenn etwa die frisch ausgebildeten Fachkräfte ihren Abschluss in der Tasche haben, erläutert der Bürgermeister.

Ausfall in Krankheitswellen

Zumindest gebe es noch Vertretungskräfte, die die Gemeinde als Krankheits- oder Urlaubsvertretung einsetzen kann. Doch auch hier gibt es nicht endlos Personal: In allen Einrichtungen gab es bereits Einschränkungen in der Betreuung, weil im Zuge von Krankheitswellen im November und Dezember viele Kräfte zeitgleich wegen akuter Erkrankung ausfielen, so Fachbereichsleiter Holger Saathoff von der Gemeindeverwaltung. Es sei aber im Zuge dessen immer versucht worden, die Betreuung so aufrecht zu erhalten, dass berufstätige Eltern ihre Kinder betreuen lassen konnten. Teils seien Gruppen zusammengelegt oder eine Nachmittagsbetreuung gestrichen worden, so Saathoff. Je nach Einrichtungsgröße konnten Engpässe besser aufgefangen werden. Wenn etwa nur bei einer Einrichtung mit einer Gruppe eine Fachkraft ausfalle, dann hätte das mehr Auswirkungen als in einer Kita mit mehreren Erziehern.

Damit sich genug Fachpersonal findet, wirbt die Gemeinde unter anderem mit einer Tarifvergütung, 30 Urlaubstagen plus zusätzlichen Regenerationstagen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Hansefit. Bedingungen, die sich teils von anderen Trägern abheben. Dennoch ist der Fachkräftemangel in dem Bereich das größte Problem, wie Saathoff betont. Ein Grund dafür könnte auch die fehlende Vergütung der Ausbildung sein. In Ihlow gibt es bereits Kollegen, die ihre Erzieherausbildung in Teilzeit mit entsprechender Vergütung machen können. Doch das sei die Ausnahme. Der Großteil der Bewerber stammt von den Auszubildenden, die dann eben auch erst einmal Interesse haben müssen, den Beruf überhaupt aufzugreifen.

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