Fachkräftemangel Auf der Suche nach Nachwuchs-Pflegern
In der Pflege ist die Not groß, es gibt nicht genügend Auszubildende. Im Kreis Aurich gehen Heime neue Wege, um junge Menschen für sich zu gewinnen.
Aurich - Fachkräftemangel ist ein Phänomen, das mittlerweile so gut wie alle Branchen erfasst hat. Wer Arbeit sucht, hat oft genug die freie Auswahl zwischen vielen Arbeitnehmern. Firmen können auf der anderen Seite freie Stellen oft monatelang nicht besetzen. Und haben doch Bewerber zugesagt, erscheinen diese oft genug am ersten Arbeitstag doch nicht.
Einen Versuch, dieses Problem zu lösen, haben nun die Awo und Menetatis als Altenheimbetreiber mit dem Projekt „Care-for-Future“ gestartet. Dahinter verbirgt sich eine besondere Unterrichtseinheit, die für Schüler der Realschule Aurich durchgeführt worden ist. Das teilte Harald Gerdes, Schulsozialarbeiter der Realschule, mit. Das Ziel sei es gewesen, die Jugendlichen für einen Pflegeberuf zu begeistern. Mitgewirkt haben daher auch Schüler der Abschlussklasse Pflege der BBS 1 Aurich.
Jungen Menschen fehlt der Bezug zu Senioren
Mit dem Projekt soll laut Gerdes nicht nur das Interesse an sozialen Berufen geweckt werden. Es soll auch die Abbrecherquote senken. „Wenn sie feststellen, dass der Bereich Pflege nichts für sie ist, ist es besser, sie bemerken das jetzt, als dass sie später ihre Ausbildung abbrechen“, so Gerdes auf Nachfrage.
Mitgewirkt an dem Projekt hat auch Susanne Ohlf, Leiterin des „Hermann-Bontjer-Hauses“ in Popens. Sie ist überzeugt von dieser Art, Schule und Unternehmen zu vernetzen, wie sie auf Nachfrage sagt. Denn die Not in den Pflegeheimen sei groß. Es sei schwer, genügend Nachwuchs zu finden. Ein Grund dafür sei, dass der Pflegeberuf oft negativ besetzt sei. Ein Vorurteil, das die Schüler der Realschule nun revidieren konnten. Denn im Rahmen von „Care-for-Future“ waren sie auch zu Gast im Hermann-Bontjer-Haus. Ohlf zitiert den Ausruf eines Schülers, der den Erkenntnisgewinn gut zusammenfasst: „Ich hätte nie gedacht, dass im Heim gelacht wird.“ Die jungen Menschen, so Ohlf, hätten keinen Bezug zu Senioren und der Arbeit in der Pflege. Das habe mit dem Projekt etwas geändert werden können.
Neue Ausbildung brachte Probleme
Beim Besuch in der Awo-Einrichtung sei der Austausch mit Bewohnern ermöglicht worden. Auch der Heimbeirat habe sich beteiligt. „Es war eine gute Zeit.“ Den Jugendlichen sei verdeutlicht worden, dass es im Pflegeberuf viel Freude gebe – und dass es sich um einen Beruf mit Zukunft handele. „Fachkräfte stelle ich immer ein“, sagt Ohlf, die derzeit zweieinhalb offene Stellen hat. Bei der Ausbildung hofft sie darauf, dass es durch Projekte wie „Care-for-Future“ weniger Abbrecher geben wird. Denn deren Zahl sei gestiegen, seit im Januar 2020 die sogenannte Generalistik in der Pflegeausbildung eingeführt worden sei. Gemeint ist damit, dass die Auszubildenden befähigt werden, Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen pflegen zu können. Seitdem aber sei der theoretische Anteil in der Ausbildung sehr hoch. Musste im Heim früher nur der praktische Teil beigebracht werden, unterstütze die Einrichtung heute auch bei der Theorie. Auch in diesem Punkt könne die Vernetzung vor Ort helfen, sagt Susanne Ohlf. „Was das eine Unternehmen nicht weiß, weiß vielleicht das andere.“
Entwickelt wurde „Care-for-Future von der Contec GmbH mit Sitz in Bochum. Um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken, vernetzt „Care-for-Future“ auf regionaler Ebene allgemeinbildende Schulen mit berufsbildenden Schulen und Unternehmen der Pflege.
Ziel: Weniger Ausbildungsabbrüche
Gemeinsam mit den Netzwerkpartnern, darunter das Awo-Heim „Hermann-Bontjer-Haus“ (Aurich), das Liekedeler Seniorenhuus (Marienhafe) und der Wohnpark „Up Fehn“ (Großefehn), werden Curricula zur Gestaltung von Berufsorientierungskursen an der Realschule Aurich entwickelt, heißt es vonseiten der Contec GmbH. So bekämen die Schüler der Realschule Aurich die Möglichkeit eines authentischen, vielfältigen und einzigartigen Einblicks in die Pflegeberufe.
Finanziert wird das Projekt von der Stiftung „Zukunft in der Altenpflege“. Dabei wurde die Realschule Aurich laut Gerdes von der Contec GmbH für die Teilnahme ausgewählt. Es sei ein weiterer Baustein in der Berufsorientierung für die Schüler. Andere sind die Veranstaltungen von „Chance: Azubi“, Exkursionen in Betrieb oder auch Betriebspraktika. „Ein Projekt wie Care-for-Future gibt es bisher nur im Bereich Pflege“, sagt Gerdes. Die Realschule wünsche sich allerdings, dass es ähnliche Angebote künftig auch für andere Branchen gebe. Schließlich seien zum Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres bundesweit 228.000 Ausbildungsplätze unbesetzt gewesen. Ganz oben rangierten dabei medizinische Berufe. „Aber auch das Handwerk hat Nachwuchssorgen.“ Deswegen sei der Bedarf an neuen Wegen in der Berufsorientierung da. „Je mehr Schüler nach dem Abschluss mit einer beruflichen Perspektive unsere Schule verlassen und in die Ausbildung gehen, desto besser.“
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