Ukrainer in Ostfriesland Viele Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis heimisch geworden
Ende Februar jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine zum zweiten Mal. Seit dem sind Tausende Menschen geflüchtet – auch nach Ostfriesland und den Landkreis Aurich. Eine aktuelle Übersicht.
Aurich Es ist der 24. Februar 2022. Russische Truppen beginnen die Invasion auf die Ukraine. Millionen Menschen flüchten vor den Panzern und Waffen aus ihrem Zuhause. Einige von ihnen landeten auch in Ostfriesland, noch weniger davon sogar im Landkreis Aurich. Von den knapp 2611 registrierten Menschen aus der Ukraine sind aktuell noch 1959 gemeldet. Doch was ist letztlich noch an Maßnahmen und Strukturen geblieben. Ein Überblick. Von umgebauten Hallen, in kürzester Zeit eingerichteten Anmeldezentren und der Beschaffung von Nahrungsmitteln und Kleidung, bis hin zur Vermittlung der Flüchtlinge in Familien und Wohnungen. Was den Krieg zwischen Russland und der Ukraine angeht, strahlten die Folgen bis in den äußersten Flecken des Landkreises Aurich: „Die Aufnahme der Ukraine-Flüchtlinge war eine große Herausforderung, die von der Kreisverwaltung aber gut gemeistert wurde“, sagt Rainer Müller-Gummels, Pressesprecher des Landkreises. Mit entscheidend dafür war auch die kurzfristige Einrichtung eines Willkommenszentrums. Das sogenannte „Utlandshörn“ in Norden war die erste Anlaufstelle für die ukrainischen Familien. Dort fanden die ersten Registrierungen statt, ehe es im besten Fall in ein neues Zuhause ging.
Private Personen und Familien nehmen Flüchtlinge auf
Über den Landkreis verteilt sind bis heute viele Familien bei Privatpersonen untergekommen. So auch in Ihlow, wo Bürgermeister Arno Ulrichs erst vor Kurzem zu einer orthodoxen Weihnachtsfeier eingeladen hatte: „Uns wurden zu Beginn des Krieges keine Flüchtlinge zugeteilt, wie es anderswo der Fall war. Hier war es eher so, dass freiwillig Privatpersonen ihre eigenen vier Wände oder Immobilien zur Verfügung gestellt hatten“, erklärt Ulrichs. Ein Phänomen, das sich über den gesamten Auricher Landkreis erstreckt hatte. Neben den Zuweisungen vom Land Niedersachsen gab es entsprechend viele Privatvermittlungen.
Für die Flüchtlingsarbeit gab es übrigens auch Lob von ganz anderer Stelle: „Aus Sicht der Ausländerbehörde haben die Registrierungen und die daraus folgende Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen in Aurich sehr gut funktioniert“, so Müller-Gummels. Die Gründe dafür seien unter anderem die schnelle Aufstockung des Personals und die Lastenverteilung der verschiedenen Aufgaben. Dazu trug auch das „Utlandshörn“ in Norddeich bei, das inzwischen zwar noch immer als Flüchtlingsheim, aber nicht mehr als Dokumentationsstraße genutzt wird. In der Anfangszeit des Russland-Ukraine-Kriegs musste sich jeder ukrainische Flüchtling, der den Weg in den Auricher Landkreis fand, diese „Straße“ nutzen. Ausweisen, registrieren, Fuß fassen. Alltag zu Beginn des Krieges – sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Mitarbeiter der Kommunen.
Was bleibt also nach rund zwei Jahren? Vor allem eines: die geflüchteten Familien aus der Ukraine. Denn sie haben hier inzwischen zu großen Teilen ein neues Zuhause gefunden, gehen ihrem neuen Job in Ostfriesland nach. „Wir sind sehr stolz darauf, wie sie sich integriert haben und Teil der Gemeinschaft sind“, so Ulrichs. Einen großen Anteil dazu hatten eben auch die zahlreichen Ostfriesen, die die Familien aus der Ukraine aufgenommen haben. Und dieser Einsatz, so sind sich Ulrichs und Müller-Gummels einig, „ist gar nicht hoch genug zu bewerten“.