Berlin Warum niemand Homöopathie braucht und was man von ihr lernen kann
Homöopathie ist eine pseudowissenschaftliche Behandlungsmethode, findet auch Karl Lauterbach. Dennoch schwören viele Menschen darauf. Das sagt aber weniger über ihre Wirkung als über Defizite des Gesundheitssystems aus.
Es ist eigentlich ein Skandal, dass die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten für homöopathische Mittel übernehmen. Dass Karl Lauterbach das ändern will, ist gut und richtig, auch wenn die finanziellen Einsparungen überschaubar sein dürften.
Das von Lauterbach vorgebrachte Argument, dass die Krankenkassen sich auf wissenschaftlich belegbare Therapien konzentrieren sollten, ist unwiderlegbar. Schließlich werden sie durch die Beiträge der Bürger finanziert. Und dass homöopathische Stoffe eine Wirkung haben, die über den Placeboeffekt hinausgeht, ist bisher von keiner seriösen Studie belegt. Wie auch? In den meisten Präparaten sind die angeblichen Wirkstoffe so weit verdünnt, dass sie chemisch nicht nachzuweisen sind.
Die Homöopathie hat in der gesetzlichen Krankenkasse also nichts verloren. Wer seine Globuli dennoch nicht selbst bezahlen will, der möge eine entsprechende Zusatzversicherung abschließen, oder sich eine private Krankenkasse suchen, die die Kosten übernimmt. Das könnte sogar häufig in Anspruch genommen werden: Trotz ihrer nicht zu belegenden Wirksamkeit schwören viele Leute auf Homöopathie. Und das ist sogar verständlich.
Durch den Placeboeffekt helfen selbst wirkungslose Zuckerkügelchen ein bisschen, wenn man nur genug Vertrauen in sie hat. Zudem verschwinden die meisten Gesundheitsprobleme irgendwann von selbst wieder, weil sie einfach nicht sonderlich schwer sind. Wer in dieser Zeit Globuli genommen hat, schreibt ihnen vielleicht eine Wirkung zu, die sie gar nicht haben.
Doch der größte Unterschied liegt im Patientengespräch: Fast jeder hat es schon einmal erlebt, mit einem Leiden bei einem Arzt gewesen zu sein, der einem kaum zuhört und einem ohne näheres Hinsehen eine Packung Schmerzmittel oder Antibiotika verschreibt. Schließlich sind die Wartezimmer voll und auch der Tag eines Mediziners hat nur 24 Stunden. Die Eile ist genauso verständlich, wie der Fakt, dass die Massenabfertigung den Behandelten kein gutes Gefühl gibt.
Wer zu einem Homöopathen geht, erlebt hingegen ein langes Gespräch. Denn die Homöopathie begreift die Krankheit als die sichtbare Folge eines tieferen Problems. Und um dieses zu finden, braucht es nun mal Zeit. Angenehmer Nebeneffekt: Patienten fühlen sich in ihrem Leiden ernst genommen und als Mensch gesehen. Und das reicht in vielen Fällen schon, damit es ihnen ein bisschen besser geht. Von diesem Ansatz könnte sich auch das herkömmliche Gesundheitssystem eine Scheibe abschneiden.