Hamburg  Rosenkrieg um die Block-Kinder – die wichtigsten Fragen und Antworten

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 11.01.2024 10:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Christina Block mit Ex-Mann Stephan Hensel und den gemeinsamen Töchtern im Jahr 2012. Foto: Eventpress/imago images
Christina Block mit Ex-Mann Stephan Hensel und den gemeinsamen Töchtern im Jahr 2012. Foto: Eventpress/imago images
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Das Gezerre um die Kinder der Hamburger Steakhaus-Erbin Christina Block bewegt viele Menschen. Silvester eskalierte der Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel auf filmreife Weise in Dänemark.

Beide Seiten liefern völlig unterschiedliche Versionen für die Gründe des erbitterten Familienstreits in besseren Kreisen. Wer sind die Akteure? Was trieb sie in den Rosenkrieg? Und: Woher die Vehemenz, mit der die Beteiligten den Kampf um den minderjährigen Nachwuchs auf offener Bühne austragen? Fragen und Antworten zum Block-Drama.

Die 50-Jährige ist Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block (83). Die Gastronomin und studierte Kauffrau ist Anteilseignern der väterlichen Gruppe und arbeitet im Unternehmen an zentraler Stelle mit. Christina Block gilt als entschlossen und durchsetzungsstark. Zeitweise liebäugelte sie mit der Politik, gehörte zum Kompetenzteam des CDU-Bürgermeister-Kandidaten Marcus Weinberg 2020.

Der gelernte Bankkaufmann heiratete Christina Block 2005. Er übernahm kaufmännische Aufgaben im Firmenimperium seines Schwiegervaters, doch allzu lange funktionierte das nicht. Eugen Block, so heißt es, warf Hensel aus dem Unternehmen. Dieser machte sich als Kaufmann und Unternehmensberater selbstständig.

Märchenhochzeit, vier gemeinsame Kinder – zunächst wirkte die Beziehung nach außen nahezu perfekt. Doch die Konflikte nahmen zu. So sehr, dass sich das Paar 2014 trennt und 2018 scheiden ließ. 

Christina Block und Stephan Hensel erhielten das gemeinsame Sorgerecht für die Töchter Johanna (heute 17), Greta (15) und Klara (13) sowie für Sohn Theodor (10). Das Aufenthaltsbestimmungsrecht lag bei der Mutter. So blieben die Kinder bei ihr, Stephan Hensel zog nach Sylt, später nach Dänemark. Die Kinder waren regelmäßig bei ihm und seiner neuen Lebensgefährtin zu Besuch.

Im Sommer 2021 zog zunächst die älteste Tochter Johanna zum Vater. Auslöser war laut Medienberichten ein Streit mit der Mutter. Ende August 2021 brachte Stephan Hensel Klara und Theodor nach einem Wochenendbesuch nicht zurück nach Hamburg. Seine Begründung: Die Kinder wollten nicht mehr zur Mutter, hätten Angst vor ihr, weil sie handgreiflich geworden sei. Christina Block bestreitet das energisch, nennt die Gewaltvorwürfe „frei erfunden“. Die drei Kinder leben seither bei Hensel in Gravenstein im Süden Dänemarks. 

Komplex, weil Behörden in zwei Staaten zuständig sind. Im Oktober 2021 urteilte das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg auf Antrag Blocks vorläufig, Hensel müsse die beiden jüngsten Kinder herausgeben. Er weigerte sich, Dänemarks Justiz wiederum setzte den Beschluss nicht um. Die deutschen Behörden und Christina Block hatten damit keine Handhabe, die Rückführung von Klara und Theodor umzusetzen. 

Unklar. Beobachter gehen davon aus, dass Profis am Werk waren. Acht maskierte Unbekannte hatten Hensel in der Neujahrsnacht in Gravenstein niedergeschlagen und die beiden jüngsten Kinder nach Deutschland gebracht. Die Fluchtfahrzeuge mieteten die Täter in Hamburg, legten dabei israelische Pässe vor. Von den Männern fehlt jede Spur. Einen Tag später teilte Christina Block mit, Klara und Theodor befänden sich in ihrer Obhut. Den Vorwurf, sie habe die gewalttätige Rückholaktion in Auftrag gegeben, weist sie zurück.

Sport-Moderator Delling ist seit 2021 mit Christina Block liiert. Der Journalist sei ihr in dem Gezerre eine große Stütze, betont die 50-Jährige immer wieder. Firmenpatriarch Eugen Block betont, ihn schmerze die Trennung von seinen Enkelkindern außerordentlich, er stehe in dem Konflikt fest an der Seite seiner Tochter. Mit Ehefrau Christa reiste er Anfang 2023 selbst nach Dänemark, um die Enkel zu besuchen, wurde aber abgewiesen. Christa Block starb im Sommer 2023, ihre Enkel konnten nicht zur Beerdigung kommen.  

Dafür spricht seit der jüngsten Entscheidung des Oberlandesgerichts in Hamburg einiges. Die Richter ordneten an, dass Block die Kinder nach Dänemark zurückbringen muss, was inzwischen geschehen ist. Nach Informationen unserer Zeitung stehen Klara und Theodor sowie ihr Vater dort unter Polizeischutz. Den beiden gehe es den Umständen entsprechend gut, heißt es aus dem Umfeld der Familie.

Eine endgültige Entscheidung zum Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht ist gleichwohl noch nicht gefallen. Beide Seiten versuchen weiterhin, ihre Interessen vor Gerichten in Deutschland und Dänemark durchzusetzen. Die besseren Karten hat derzeit wohl Stephan Hensel. Nicht nur befinden sich seine beiden Jüngsten wieder bei sich. Nach nun zweieinhalb Jahren in Dänemark dürften auch die Gerichte und Jugendämter beiderseits der Grenze dazu neigen, ein neuerlichen Wechsel des Lebensmittelpunktes als schädlich für die Kinder anzusehen. Und schließlich: Die mutmaßlich kriminelle Entführung zu Silvester könnte die Position von Christina Block schwächen. Denn über allen Entscheidungen der Behörden steht immer die eine Frage: Bei wem ist das Kindeswohl am ehesten sichergestellt – bei Mutter oder Vater?  

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